Mit 16 Jahren erstmals zur Europawahl: Wie Chamer Schulen ihre Jugendlichen vorbereiten

Bei der Europawahl am 9. Juni dürfen erstmals auch 16-Jährige wählen. Wie bereiten Chamer Schulen ihre Schüler auf ihre erste Wahl und ihre Besonderheiten vor?
Eine der Chamer Schulen trägt das Europaemblem sogar in seinem Wappen. Das Robert-Schuman-Gymnasium ist nach einem der Gründerväter der Europäischen Union benannt. Schuman war später auch Präsident des Europäischen Parlaments. Sandra Wagner, die stellvertretende Schulleiterin berichtet, dass die Europawahl einen „hohen Stellenwert“ an der Schule habe. Deswegen seien Wahlen und insbesondere die Europawahl immer ein Thema im Fach Gesellschaft und Politik. Die 10., 11. und 12. Klassen würden sich auch an einem Europaplanspiel beteiligen. Dabei gehe es um die politischen Parteien, aber auch um das Wahlsystem und wie eine solche Wahl abläuft, was ja für Erstwähler besonders wichtig sei. Schulleiter Rudolf Zell ergänzte, dass es eine Europaveranstaltung mit dem Landtagsabgeordneten Gerhard Hopp gibt, der sich besonders bei Europathemen engagiert. Eine Juniorwahl wie bei der Landtagswahl werde man aber diesmal zur Europawahl nicht machen.
Wichtiges Thema fürs JvFG
„Wahlen sind ein wichtiges Thema, gerade in einer Zeit wie dieser“, sagt Uwe Mißlinger, Schulleiter des Fraunhofer-Gymnasiums in Cham. Die Europawahl sei auch ein wichtiger Teil im Lehrplan. Thematisiert würde sie im Fach Politik und Gesellschaft, das dem früheren Fach Sozialkunde entspricht. Aber auch in Deutsch würde die Europawahl, beispielsweise in Aufsätzen behandelt. Genaueres wisse aber eine Lehrkraft, die das Fach Politik und Gesellschaft unterrichte.
Das könnte sie interessieren: Wahlumfrage
Das tut zum Beispiel Daniel Laubmeier am Fraunhofer-Gymnasium. Das Thema Europawahl nehme im Lehrplan einen „berechtigt breiten Raum“ ein, sagt er . Wie eine Wahl ganz konkret ablaufe, das erführen die Schüler der 10., 11. und 12. Klassen bei den Juniorwahlen. Solche Wahlen spiegeln das tatsächliche Wahlsystem bis hin zu Wahlvorständen und Wahlausschüssen. Als Erstwähler wüssten die Schüler also ziemlich genau, welchen Weg ihre Stimme geht und was sie bewirkt. Sie wüssten wie sich eine personalisierte Verhältniswahl mit Direktkandidaten wie für den Bundestag und den Landtag von einer reinen Verhältniswahl wie bei der Europawahl unterscheidet.
Im Unterricht hätten die Schüler auch über das herabgesetzte Wahlalter auf 16 Jahre diskutiert und das Für und Wider abgewogen. Das sei durchaus differenziert gewesen. Positiv sei zum Beispiel gewertet worden, dass damit die Stimme und die Interessen von jungen Menschen mehr Gehör findet, aber auch die höhere eigene Verantwortung sei gesehen worden. Die meisten der Schüler hätten auch erkannt, dass man sich zu einer Wahl „eine eigene Meinung bilden muss“.
Die Schüler seien sehr offen und positiv. Seiner Meinung nach sind „die Schüler zunehmend politisch“, sagt Laubmeier. Auch Europa und seine friedensstiftende Wirkung sei seinem Gefühl nach in der der Meinung der Schüler gewachsen.
Frieden in Europa beschäftigt Chamer Schüler
Das deckt sich mit der Darstellung des Landtagsabgeordneten Hopp. Bei seinen Schulbesuchen, von denen es fünf bis zehn in einem Jahr gebe, sei „viel präsenter geworden, dass der Frieden gefährdet ist“. Viele Schüler würden hier Europa in einer wichtigen Rolle sehen. Solche Schulbesuche macht Hopp schon seit Jahren. Angefangen habe das schon zu seiner Studentenzeit als er im Nebenjob Diskussionsveranstaltungen zu Europa für Schüler vorbereitet habe. Andere Themen die Schüler zum Mitdiskutieren reizen, seien die Migration und der Krieg in der Ukraine. Hopp vermutet, dass demnächst auch Israel und die US-Wahl Themen der Gespräche mit Schülern würden.
An der Johann-Brunner-Schule, der Mittelschule in Cham, ist die Europawahl ein wichtiges Thema im Lehrplan, sagt Schulleiterin Irene Träxler. Das Fach Geschichte, Politik und Geografie biete dazu Raum im Lehrplan. Das ginge bis zu ganz konkreten Fragen wie eine solche Wahl abläuft. Man veranstalte einen Europatag, bei dem Gerhard Hopp mit den Schülern sprechen werde. Auch die Juniorwahl wurde mit den 10.Klassen schon gemacht.
Auch an der Marien-Realschule ist die Europawahl Thema im Lehrplan. Dazu gebe es klare Vorgaben aus dem Kultusministerium, sagt Schulleiter Christian Haringer. Letztes Jahr habe man auch eine Juniorwahl gemacht. Heuer wolle man darauf verzichten. Die 10. Klassen, in denen sich die Erstwähler befänden, müssten sich auch auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. Und das bände viele Kräfte.
Kampagne des Jugendrings
Mit einer eigenen Kampagne unterstützt Der Bayerische Jugendring die Erstwähler zur Europawahl 2024. Präsident des BJR ist der Oberpfälzer Philipp Seitz. Er sagte bereits in Coronazeiten: „Wenn unter 18-Jährige wählen dürften, muss sich die Politik auch um diese Zielgruppe kümmern!“ Dieser Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Durch die größere politische Teilhabe, erhofft sich Seitz auch eine größere Zufriedenheit junger Menschen mit der Politik.