Worauf wird verzichtet? Bekannte Waldmünchener berichten über ihre Sicht der Dinge

An diesem Mittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Aber was bedeutet sie? Woher kommt sie? Was bedeutet sie für jeden einzelnen?
Zunächst die Geschichte: Bereits seit dem zweiten Jahrhundert ist ein zweitägiges Trauerfasten am Karfreitag und Karsamstag bekannt, ein Zeitrahmen, der sich im Lauf der Geschichte weiter ausdehnte. Das vierzig tägige Fasten hat einen biblischen Hintergrund. Das Fasten Jesu in der Wüste, die 40 Tage der Sintflut oder auch die 40 Tage, die das Volk Israel durch die Wüste zog.
Vorbereitung auf Ostern
Auch an anderen Punkten in der Bibel trifft man immer wieder auf diesen Zeitraum. Allerdings darf man den Zeitraum 40 Tage nicht unbedingt mathematisch genau nehmen, vielmehr ist der eher symbolisch.
Lesen Sie hier: Ein Faschingszug der Rekorde: Zehntausende pilgerten zur Althistorischen Fasenacht nach Rötz
Die Fastenzeit ab Aschermittwoch soll der Vorbereitung auf das Osterfest dienen. Was hierbei Fasten bedeutet, ist detailliert in verschiedenen kirchlichen Schriften niedergelegt. Es geht hierbei mitnichten um das Fasten im Sinne von „Nichts essen oder nichts trinken“, sondern vielmehr darum, auf verschiedene Speisen zu verzichten, sich auf sich selbst zu besinnen oder auch besonders an andere zu denken. Askese, Buße, Gebete und Nächstenliebe sollen im Vordergrund stehen.
Für die Fastenzeit hat jeder für sich ganz eigene Vorstellungen, für jeden hat die Zeit eine andere Bedeutung. Was dies ist oder sein kann – dazu wurden neben Pfarrer Albert Hölzl auch weitere Waldmünchener gefragt. Pfarrer Hölzl zum Beispiel hält die Fastenzeit vor Ostern für sehr „gewinnbringend“, indem bewusst anders gelebt wird. Im Gegensatz zur Vorweihnachtszeit, die heute oft sehr kommerziell sei, freue er sich auf die Ruhe vor dem Fest, um sich so auf Ostern vorzubereiten, erläutert er.
Gedanken, worauf er verzichten möchte, hat er sich in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen (noch) nicht gemacht. Aber vielleicht ist das auch die bessere Variante, sinniert er. Bewusst leben und sich in bestimmten Situationen überlegen: Muss das sein oder geht es vielleicht auch anders? Nadine Himmelhuber und Hans Kestler sind beide bekannt durch ihr soziales Engagement in der Stadt. Auch sie haben feste Vorstellungen davon, was für sie persönlich die Fastenzeit ausmacht und was ihre ganz persönlichen Vorsätze sind.
Für Himmelhuber, die sich unter anderem als Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe engagiert, hat die Fastenzeit heute einen höheren Stellenwert als noch vor einigen Jahren. „Besinnung und Einkehr, bevor das neue Jahr so richtig Fahrt aufnimmt“, beschreibt sie ihre Gedanken. Ganz bewusst will sie schauen, was in diesem Jahr auf sie wartet, wie sie mit dem schon Geplanten, aber auch dem völlig Unplanbaren, das einfach geschieht, umgehen will. Auch der bewusste Verzicht auf etwas, das selbstverständlich geworden ist, gehört für Himmelhuber dazu. „Es gibt den Blick frei auf das, was eigentlich wichtig ist“ sagt sie. Gute Vorsätze gehören auch bei ihr natürlich dazu: Tempo rausnehmen, auch mal entspannen und ganz klar der Verzicht auf Süßigkeiten – in stressigen Phasen durchaus eine Herausforderung.
Gesünder leben
Auch Hans Kestler, unter anderem sehr aktiv im Seniorenbeirat, hat ganz klare Vorstellungen davon, was die Fastenzeit bedeutet. In der Zeit zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr sei sie wichtig gewesen, weil das Leben aus Arbeit, Feiern und anderen aktuellen Dingen bestand. Da gehörten Absprachen mit anderen dazu, worauf man verzichten wolle.
Heute beziehen sich seine guten Vorsätze hauptsächlich auf die Zurückhaltung bei Essen und Trinken, wie etwa auf Alkohol oder Schweinefleisch. Auch Ruhezeiten einzulegen ist inzwischen für Kestler wichtig, um zu überlegen, wo er aktiv Gutes tun kann, ohne einfach nur Geld zu geben.