Moschee muss Parkplatz weichen: Chamer Muslime wollen jetzt aufs Dorf ziehen

17 Jahre lang sind die Chamer Muslime für ihr Freitagsgebet nach Altenmarkt gekommen. Am Freitag konnten sie zum letzten Mal die Wutz-Halle neben dem Ensinger-Gebäude für ihre Gebete nutzen. Schon wenige Stunden danach haben Mitglieder des islamischen Kulturvereins damit begonnen, die 200 Quadratmeter leerzuräumen. Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet.
Parkplätze für die Mitarbeiter der Baufirma hinter der Halle sollen entstehen, wo sich bis zu 100 Muslime freitags zum Gebet getroffen hatten. Auch an Samstagen und während des Ramadan-Monats kamen die Muslime – Türken, Syrer, aber auch viele Menschen aus dem Kosovo – zum Gebet oder einfach so. Vor der blauen Türe der Halle verweisen eine Tischtennisplatte und ein Kicker darauf, dass viele hier auch ihre Freizeit miteinander verbrachten. „Wir haben früher bis vor Corona auch miteinander Fußball gespielt“, erinnert sich Ibrahim Kurdi, Vorsitzender des islamischen Kulturvereins, in seinem Büro im Autohaus in Zifling-Bierl.
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In Altenmarkt räumen ein paar Helfer Gebetsraum und Küche aus. Teppiche werden zusammengerollt, die Empore abgebaut, Möbel herausgetragen. „Das ist schon schade, nach so langer Zeit hier“, sagt ein Mann aus Schönsee, der hier in Cham quasi Mann der ersten Stunde war. „Wir waren sieben, acht Leute am Anfang“, erzählt der Türke und erinnert an die erste Moschee am Chamer Spitalplatz. 2006 wurde sie eingerichtet. „Da war aber wenig Platz, das wurde dort schnell zu klein.“
Enttäuschung herrscht vor
Die erste und einzige Moschee im Landkreis sprach sich schnell herum. Schon ein Jahr später zog der islamische Kulturverein nach Altenmarkt um. „Ja, wir sind schon ein wenig enttäuscht“, sagt ein weiterer Helfer, während er eine bunte Glas-/Holzwand säubert, die im Gebetsraum als Raumteiler diente. „Die kam übrigens innerhalb weniger Wochen direkt aus Ägypten, das hatte jemand vermittelt“, erinnert er sich.
Eigentlich hätte der Verein die Halle in Altenmarkt gerne gekauft, als vor einem Jahr die Kündigung ausgesprochen wurde. „Aber leider benötigt der Eigentümer den Platz selber.“ Die Halle wird wohl abgerissen. Es bleiben Erinnerungern an Feste, bei denen die Frauen für alle gemeinsam kochten, die Kinder zwischen den Tischen herumliefen und alle gemeinsam feierten, zum Beispiel während des Ramadan oder zum Ende des Fastenmonats beim Zuckerfest. „Da waren dann an solchen Tagen 20 Tische voll Leute“, erinnert sich der Mann.
Zum wöchentlichen Freitagsgebet kämen in der Regel zwischen 80 und 100 Leute, schätzt er, die anschließend auch meistens wieder nach Hause gingen.
Leider habe man es nicht geschafft, innerhalb eines Jahres ein geeignetes Grundstück zu finden, auf dem man vielleicht eine Moschee nach den Bedürfnissen der Gläubigen und des Kulturvereins hätte bauen können, bedauert der Mann. „Bei der Stadt hieß es, es gibt zu wenige geeignete Flächen.“
Dabei wolle man Cham auch gerne etwas zurückgeben. „Viele muslimische Flüchtlingskinder haben kaum Anlaufstellen, die könnten bei uns ihre Freizeit verbringen oder auch besser Deutsch lernen“, meint ein weiterer Helfer.
Vorübergehend hat der Kulturverein jetzt eine Wohnung in Cham-Janahof angemietet. „Wenn du etwas für Gott machst, hilft dir Gott auch“, ist der Helfer in Altenmarkt überzeugt.
Schon am kommenden Freitag soll hier erstmals das Freitagsgebet gebetet werden. „Die Mietwohnung ist eine Notlösung, damit die Gläubigen einen Platz fürs Gebet haben“, sagt Kurdi.
Langfristig eigne sich aber dieses Gebäude nicht als Moschee, die Räume verteilten sich auf drei Stockwerke, die Aufteilung sei ungeeignet und der Gebetsraum vermutlich auch zu klein für die rund 100 Männer, die zum Freitagsgebet kommen.
Die Wohnung soll als Übergangslösung dienen. Als Ersatz für die Moschee in Altenmarkt würde Kurdi dem Kulturverein ein Haus in Zifling zur Verfügung stellen. „Das Haus habe ich vor ungefähr fünf Jahren gekauft, ohne eigentlich zu wissen, wofür man es hernehmen kann. Jetzt ist es ganz gut, dass es das Haus gibt“, meint der Autohändler.
Moschee in Zifling
Damit das Haus aber als Moschee und Bleibe für den Kulturverein dienen kann, sind umfangreiche Umbauten notwendig. „Das Haus hat keine Heizung, kein Wasser“, sagt Kurdi. Und auch eine Nutzungsänderung müsste erst noch vom Landratsamt genehmigt werden. Bis zu zwei, drei Monate, rechnet Kurdi, werde allein das Genehmigungsverfahren dauern, dann noch einmal mindestens zwei Monate für die Renovierungsarbeiten. „Wir haben viele Selbstständige im Verein, die viele Arbeiten erledigen können“, sagt der Helfer in Altenmarkt dazu.
In einem Gespräch mit Willmerings Bürgermeister Hans Eichstetter und Bürgern aus Zifling und Zifling-Bierl haben Kurdi und Kulturvereinsvertreter erklärt, was sie mit dem Haus genau vorhaben. Einige Anwohner befürchteten, dass zu viele parkende Autos die Durchfahrt durch den Ort erschwerten, oder dass hunderte Gläubige freitags in den kleinen Ort kommen.
Nachdem sie aufgeklärt wurden, konnten sich viele doch mit den Plänen Kurdis anfreunden.
Den Traum von einer eigens gebauten Moschee im Landkreis hat Ibrahim Kurdi aber noch nicht aufgegeben: „Wir suchen weiter nach einem Grundstück.“


