Zwei junge Wirte beleben das Kult in der Gartenstraße in Neumarkt wieder

Von Peter Romir · 12. Februar 2024 um 17:00

Das Kult ist zurück. Die einstige Szene-Bar in Neumarkt hatte im letzten Jahrzehnt oft die Betreiber und den Namen gewechselt. Zuletzt war hier das italienische Apericena-Lokal Il Babbo untergebracht. Nun wollen zwei junge Gastronomen, Daniel Jäcklin und Tim Josse, zum Bar-Konzept zurückkehren und den Ort wortwörtlich wieder zum Kult machen.

„Das Kult war das Wohnzimmer von Neumarkt“, sagt Jäcklin. „Dieses Gefühl wollen wir wieder aufleben lassen.“ Und Josse ergänzt: „Ich denke, wir schließen damit eine wichtige Lücke: ein Ort, der weder für Teenies noch für Senioren ist, sondern für all die Menschen dazwischen.“

Wenn die beiden so erzählen, hat man den Eindruck, als wären sie selbst in den 90ern Stammgäste im originalen Kult gewesen. Dabei ist keiner von ihnen Neumarkter. Daniel Jäcklin stammt ursprünglich aus Schwaben, lebt aber schon lange im fränkischen Wendelstein. Tim Josse kommt aus Nürnberg, studierte Fitness-Ökonomie und arbeitete dann in München. Über eine Freundin, die aus Neumarkt kommt, erfuhren die beidem vom Kult.

Siebeneinhalb Meter Theke

„In die lange Theke habe ich mich sofort verliebt“, erinnert sich Daniel Jäcklin an seine erste Begegnung mit dem siebeneinhalb Meter langen Tresen, der das zentrale Element des Barraums ist. „Sie ist so massiv und so elegant – aber auch leider etwas zerkratzt.“

Generell sei im Kult einiges zu renovieren gewesen, so dass die beiden Betreiber in den vergangenen Monaten nicht nur viele Arbeitsstunden, sondern auch einiges an Geld in die Modernisierung gesteckt hätten: „So haben wir unter anderem eine neue Licht- und Tonanlage angeschafft.“

Barbetrieb ist ein „Knochenjob“

Diese Investitionen sind auch der Grund, warum Jäcklin und Josse aktuell noch völlig ohne Personal auskommen müssen: „Das können wir uns noch nicht leisten“, lachen sie. „Im Moment machen wir alles: putzen, bedienen, organisieren. Das ist schon ein Knochenjob.“

Dass sie sich ausgerechnet die Faschingszeit für ihre Neueröffnung ausgesucht haben, sehen sie daher im Rückblick etwas kritisch: „Das war entweder mutig oder verrückt.“

Dennoch sind sie froh, sich für Neumarkt entschieden zu haben: „In Nürnberg gibt es viel Konkurrenz-Denken unter den Gastro-Leuten“, sagt Josse. „Hier erlebe ich das genaue Gegenteil. Es geht sehr familiär zu, auch unter den Wirten.“

Kult oder Kult 2.0?

Wichtige Fragen diskutieren die beiden Inhaber gemeinsam. Etwa die nach dem Namen: „Wir haben lange überlegt, ob wir es Kult 2.0 nennen wollen“, sagt Jäcklin. „Aber am Ende klang uns das doch zu sehr nach Computerladen und wir haben uns schlicht auf Kult geeinigt.“

Die Speisekarte und die Öffnungszeiten sollen im Laufe der nächsten Wochen ihre endgültige Form finden. Aktuell sind die beiden Betreiber erst mal froh, ihre drei Eröffnungsabende gut hinter sich gebracht zu haben. „Was uns besonders stolz gemacht hat, war, dass tatsächlich viele ehemalige Stammgäste da waren und mit uns gefeiert haben“, erinnert sich Tim Josse.

Das Kult in Neumarkt (links im Bild) befindet sich in der Gartenstraße. Foto: Peter Romir