Neue Hoffnung für das Regensburger Museums-Flaggschiff

Von Marion Koller · 11. Februar 2024 um 05:00

Kunsthistorikerin Alexandra Brack will das etwas antiquierte Haus am Dachauplatz in einen Besuchermagneten verwandeln. Die Regensburger können mitreden.

Alexandra Brack ist zurückhaltend, weiß aber genau, was sie will. Die möglichen Eckpunkte für ein Regensburg-Museum hat die Kunsthistorikerin im Kopf. In Richtung Stadtgesellschaft hat sie bereits die Fühler ausgestreckt, obwohl sie ihre Stelle im Kulturreferat erst in der zweiten Januarwoche antrat.

Neues Konzept für das Historische Museum Regensburg

Die 40-Jährige wird als wissenschaftliche Mitarbeiterin ein Konzept für das etwas antiquierte, aber hochkarätige Historische Museum entwickeln und die Neuausrichtung begleiten. Das Flaggschiff der städtischen Häuser hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. 2015 hatten 38 600 Menschen die Römerschau und weitere einzigartige Exponate gesehen, im vergangenen Jahr waren es knapp 20 000. Das finanziell und vom Marketing her üppig bedachte Haus der Bayerischen Geschichte dagegen verkündet einen Besucherrekord nach dem anderen.

Beim Interview am Freitag im Thon-Dittmer-Palais skizziert Alexandra Brack ihre Pläne. Kulturreferent Wolfgang Dersch springt ein, wenn es um Dinge geht, die sie wegen ihrer kurzen Amtszeit nicht wissen kann. „Mich reizt alles an der Aufgabe“, sagt Brack, die das Historische Museum aus ihrer Studienzeit detailliert kennt. Lange hat sie bei Cultheca – Kulturpädagogik mitgewirkt und Führungen angeboten.

Bürger werden an Umgestaltung beteiligt

Sie hat vor, die Rolle des Historischen Museums neu zu schreiben. Es soll kein verstaubtes Geschichtsmuseum sein, sondern auch ins Heute und in die Zukunft blicken. Ein Themenbeispiel: Wie war die Mobilität vor mehreren hundert Jahren und wie wird sie künftig sein? Das geschehe gerade, dass sich Stadtmuseen in Orte der Zukunft wandelten.

Die Regensburger können sich an der Neuausrichtung beteiligen. „Da gibt es viele Formate“, sagt Brack. Das können Diskussionsrunden sein, Online-Umfragen, ein Austausch auf Social Media, ein Stand beim Jazzweekend oder Pop-up-Ausstellungen. „Ein Museum ist nicht mehr nur ein Ort, der belehrt, sondern der teilhaben lässt“, betont die Kunsthistorikerin. „Die Bürger sind schließlich die Experten für die Stadt.“ Es gehe darum, alle Akteure an einen Tisch zu bringen: von den Altstadtfreunden über den Runden Tisch Altstadt und die Facebook-Gruppe „Regensburger damals“ bis zum Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg sowie den Hochschulen.

Das Museum soll sich thematisch und architektonisch öffnen. Den Eingang am Dachauplatz wünscht sich Alexandra Brack einladender, etwa mit Glas, damit Passanten neugierig werden. Am liebsten würde sie die Bushaltestelle verlegen lassen, um mehr Raum zu gewinnen. Wenn die Stadtbahn kommt, muss der Platz ohnehin umgestaltet werden. Ein paar Tische und Stühle des Museumscafés könnten als Blickfang nach draußen wandern.

document Kepler gilt als Vorbild für das Historische Museum

Das neu eröffnete document Kepler, Sterbehaus des berühmten Astronomen, gilt in mehrfacher Hinsicht als Referenzprojekt. Es macht mit Leuchtschriften auf sich aufmerksam, was bisher im Welterbe verpönt war. Der Nordeingang ist verglast und gibt den Blick auf eine Kepler-Büste frei. Der Südeingang hat einen Anbau in Ellipsenform, passend zur Erkenntnis Keplers, dass sich Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen.

Auch das Haus am Dachauplatz soll einmal einen Ort zum Erforschen und Mitmachen bieten wie das document mit seinem Science Lab. Wolfgang Dersch ist es wichtig, das historische Gebäude so in Szene zu setzen, das es weiterhin erlebt werden kann. Auch da ist das Sterbehaus Keplers, das im übrigen in den ersten fünf Öffnungstagen rund 500 Besucher zählte, ein Vorbild.

Alexandra Brack möchte mehr junge Leute und Nichtbesucher ins Historische Museum holen. „Ich will Emotionen abbilden, Themen zeigen, die Regensburg beschäftigen“, sagt sie, und verweist auf die Schau „1-3-2: Der Jahn steigt auf!“, die am heutigen Sonntag zu Ende geht. „So erreicht man neue Zielgruppen.“ Sie arbeitet gerne mit digitalen Medien, doch das Exponat habe die größte Bedeutung. Künftig soll auch die Sammlung vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert gezeigt werden. Brack hat vor, die jüdische Kultur in Szene zu setzen. Aber das Haus soll auch das furchtbare Geschehen in der Nazi-Zeit nicht verschweigen.

Schau zur NS-Zeit?

Einen Zeithorizont für Umbau, Sanierung und Neukonzeptionierung nennen die Vertreter der Stadt nicht. Das sei nicht abzuschätzen. Der Kulturreferent holt einen Umbauplan aus den 90er-Jahren aus der Schublade, um zu zeigen, wie lange schon darüber nachgedacht wird. Die Dauer hängt auch von der Finanzierung ab. Kleine Wechselausstellungen sollen laufend stattfinden.

Dersch ist bestens gelaunt. Er hat Meilensteine gesetzt. Doris Gerstl, bisher Leiterin der städtischen Museen, ist nun wissenschaftliche Generalkuratorin und wird ins Zentraldepot wechseln. Die Museumsleitung soll bundesweit, in Österreich und der Schweiz ausgeschrieben werden. Eine neue Restauratorin hat angefangen. In der stellvertretenden Museumsleitung wird es 2025 einen Generationswechsel geben. Und am Rosenmontag startet der Umzug von 90 000 Objekten ins Zentraldepot, der ein Jahr dauern und im Museum Platz schaffen wird.

Die Tierfreundin und Klettersportlerin Alexandra Brack hat vorerst eine Wohnung in Stadtamhof für sich und ihren Terrier-Papillon-Mischling gefunden. Eine dauerhafte Bleibe suchen sie noch.

Kulturreferent Wolfgang Dersch möchte die Sammlung von europäischem Rang zeitgemäß präsentieren. Foto: altrofoto.de