Sparkasse Schwandorf wird Opfer von Betrüger: Insider spricht über 180.000-Euro-Überweisung

Von Jan Lange · 9. Februar 2024 um 18:31

Der Fall hatte Anfang der Woche für Aufsehen gesorgt: Laut Polizei gelang es einem Betrüger, der sich als Schwandorfer Firmeninhaber ausgegeben haben soll, dass eine Bankmitarbeiterin am Telefon mehrere Blitzüberweisungen von „seinem“ Geschäftskonto tätigte. Seitdem fragen sich viele, wie es soweit kommen konnte.

Die Polizei hielt sich in ihren bisherigen Pressemitteilungen zu dem Fall bedeckt. Weder der Name der betroffenen Bank noch der geschädigten Firma wurden mitgeteilt – aber dies ist mit Blick auf den Datenschutz üblich. Mitgeteilt wurde lediglich, dass sich der Betrieb im Stadtgebiet von Schwandorf befinde und dass dem 45-jährigen Buchhalter der Firma der Überweisungsbetrug aufgefallen war. Als Schadenssumme nannte die Polizei „mehr als 180.000Euro“.

Nach Information eines Insiders aus der Schwandorfer Wirtschaft handelt es sich bei der betroffenen Bank um die Sparkasse im Landkreis Schwandorf. Auf Nachfrage bestätigte deren Pressesprecher Michael Licha, dass man „kürzlich Ziel einer Betrugsattacke“ geworden sei. „Nach Feststellung wurden umgehend entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet sowie die Polizei eingeschaltet“, teilte der Vertreter der örtlichen Sparkasse mit. Man arbeite nun „eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen“ und wolle den Fall aufarbeiten.

Wie Polizeisprecherin Corinna Wild am Freitagnachmittag der MZ erklärte, laufen die Ermittlungen derzeit noch. Die Kriminalpolizei Amberg ist eingeschaltet.

Betrüger kontaktierte wohl zuerst den Buchhalter

Der Betrugsfall hat sich bereits am Freitag, 2. Februar, ereignet. Wie der besagte Insider berichtete, deutete an diesem Tag und auch in der Woche zuvor zunächst nichts darauf hin, dass der etablierte Betrieb Opfer einer derartigen Betrugsmasche werden könnte. Der Buchhalter der Firma habe gegen 13.30 Uhr einen Anruf bekommen, der wenig später für große Verunsicherung sorgte.

Der Anrufer habe sich als ein Kunde der Firma ausgegeben und angekündigt, eine offene Rechnung begleichen zu wollen. Er bräuchte nur nochmals die IBAN des Betriebes, um die Summe überweisen zu können. „Der Buchhalter überlegte kurz und sah keine Gefahr, dem Anrufer die IBAN zu nennen. Die steht ja ohnehin auf jeder Rechnung der Firma“, so der Informant gegenüber der MZ. Doch als der Firmenmitarbeiter nachfragte, um welche Rechnung es sich handeln würde, habe der Anrufer sofort aufgelegt.

Sparkassenmitarbeiterin beruhigte ihren Kunden

Dem Buchhalter ließ der Vorgang offenbar keine Ruhe. Umgehend soll er sich bei der Sparkasse gemeldet haben, um dort über den verdächtigen Anruf zu informieren und nachzufragen, ob denn Gefahr drohen könnte. Dies sei vonseiten einer Sparkassenmitarbeiterin am Telefon verneint worden.

Doch den Firmenmitarbeiter schien diese Antwort nicht wirklich zu beruhigen. Nur so lässt sich erklären, dass er wohl kurze Zeit später online das Geschäftskonto überprüfte und die betrügerischen Blitzüberweisungen bemerkte. Im Minutentakt sollen Beträge zwischen 9000 und 29.000 Euro abgebucht worden sein, vor allem ins Ausland.

Der Buchhalter soll sich daraufhin sofort erneut bei der Sparkasse gemeldet haben, um weitere Überweisungen zu verhindern. Dies bestätigt auch die Polizei. „Ein Großteil der überwiesenen Summe konnte bereits wieder zurückgeholt werden. Dem Bankhaus entstand nach aktuellem Stand ein Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich“, berichtete Polizeisprecherin Wild.

Am Telefon werden Sicherheitsmerkmale abgefragt

Dennoch bleibt vor allem eine Frage: Wie konnte es überhaupt zu dem Betrug kommen? Darüber rätselt nicht nur der Kenner der Schwandorfer Wirtschaft. Deshalb hat die MZ bei der Schwandorfer Sparkasse nach den Sicherheitsvorkehrungen bei telefonischen Blitzüberweisungen nachgefragt. „Zu internen Abläufen sowie Kundendaten können wir keine Auskunft geben“, erklärte Pressesprecher Licha. Nach Informationen des Sparkassenverbandes Bayern gibt es „keine einheitlichen Regelungen“ für Blitzüberweisungen bei den Sparkassen im Freistaat. Jeder Vorstand würde die Regelungen für seine eigene Bank eigenständig festlegen.

Bei einer Sparkasse in einem Nachbarlandkreis werden bei Blitzüberweisungen am Telefon beispielsweise die Kartennummer, bestimmte Kontoumsätze oder persönliche Details wie der Geburtsort abgefragt. Auch die Frage, wann der Kunde zuletzt im Online-Banking angemeldet war, könnte gestellt werden. Die Sicherheitsfragen würden von Tag zu Tag variieren, hieß es.

Ob das auch in Schwandorf so gehandhabt wird, bleibt trotz Nachhaken der MZ offen. Pressesprecher Licha ließ dies ebenso unbeantwortet wie eine Frage nach eventuellen Konsequenzen, die aus dem Vorfall gezogen werden.

Auch ob andere Bankkonten bei der Sparkasse betroffen sind, kommentierte der Pressesprecher nicht. Er beschränkte seine Antwort auf ein kurzes, siebenzeiliges Statement und betonte dabei, dass er zu Interna keine Auskunft geben könne.

Weitere Details könnte es geben, wenn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat. Auch der Insider aus der Schwandorfer Wirtschaft hofft nun auf einen Ermittlungserfolg der Kriminalbeamten.