Firma Grund Handicaps aus Eschlkam macht jedes Fahrzeug behindertengerecht

Von Antonia Zuruev · 8. Februar 2024 um 15:00

Andreas Grund aus Eschlkam ist leidenschaftlicher Tüftler und Menschenfreund. Seine Mission ist es, das Leben von Menschen mit Behinderung lebenswerter zu machen. Denn zu einer hohen Lebensqualität gehört für Grund auch das Thema Mobilität. Mit patentierten Eigenentwicklungen verhalf er bereits vielen Betroffenen zu mehr Unabhängigkeit.

„Wenn Menschen ihre Hobbys ausleben können, macht es ihr Leben lebenswerter. Das gilt selbstverständlich auch für Personen mit Handicaps“, lautet das Motto von Andreas Grund, Geschäftsführer der Firma Grund Handicaps in Eschlkam. Seine Mission ist es, Menschen mit körperlichen Behinderungen die Mobilität zu ermöglichen, so dass sie aktiv am Straßenverkehr teilnehmen und ihre Freizeit möglichst unabhängig gestalten können. Mit innovativen Umbauten und eigenen patentierten Erfindungen hat Grund bereits das Leben vieler Betroffener verändert.

Kunden aus der ganzen Welt

Die Idee für das Unternehmen entstand durch Zufall, erinnert sich Andreas Grund. Damals besaß er bereits ein Fahrrad- und ein Motorradgeschäft, bevor er sich 2007 zum Zweiradmechaniker-Meister ausbilden ließ. „Damals kam ein passionierter Fahrradfahrer zu uns, der einen Schlaganfall erlitten hatte. Als Folge hat er die Mobilität in seiner rechten Körperseite verloren und wollte sein Hobby auch weiterhin ausüben. Da schlug mein Vater vor, sein Fahrrad so umzubauen, dass es mit der linken Hand bedient werden konnte“, berichtet Grund.

Gesagt, getan: Schon bald häuften sich die Anfragen nach Lösungen, die es noch nicht gab. Dies bewegte Grund dazu, 2016 das gleichnamige Unternehmen zu gründen. Mittlerweile verhilft der Zweiradmechaniker-Meister Kunden aus der ganzen Welt zur Mobilität – seine Auftraggeber kommen neben Deutschland aus Österreich, Slowenien, Tschechien und den USA.

Patentierte Eigenentwicklungen verhelfen zur Mobilität

Die individuellen Anfragen der Kunden motivierten Andreas Grund dazu, selbst an neuen Möglichkeiten zu tüfteln, um Menschen mit Handicap mobiler zu machen. „Zusammen mit meinem guten Freund Patrick Fink von der Firma Fink Fertigungstechnik haben wir ein spezielles Bremssystem entwickelt. Da Fink genauso verrückt unterwegs ist wie ich, ist er sofort eingestiegen“, erinnert sich Grund. Und weiter: „Das Projekt wurde zu einer echten Herzblutgeschichte. Wir haben an Wochenenden und spät abends nach der Arbeit zusammen getüftelt, bis das Produkt entstanden ist.“ Die Handbremse für den Trike der Marke Can-Am wurde letztendlich patentiert und vom TÜV genehmigt. Es folgten selbst entwickelte Fußschalen, Rollstuhlhalter und diverse Koffersysteme.

Am gängigsten seien nach wie vor „klassische Autoumbauten, da sie staatlich bezuschusst werden“, so Grund. Hierzu gehören beispielsweise Rollstuhlverladehilfen sowie Handbediengeräte, die die Fußpedale durch einen Handhebel ersetzen.

Umbauten an Fahrrädern und Trikes andererseits werden nicht staatlich gefördert. Gerade solche Fahrzeuge bringen laut Grund aber oftmals die größte Freude für Menschen mit Handicap: „Der Fun-Faktor rückt immer mehr in den Vordergrund. Für Menschen mit körperlichen Behinderungen kann es eine große Ablenkung von ihren Beeinträchtigungen sein, wenn sie ihre Hobbys uneingeschränkt ausleben können. Und das wiederum kann zu einer besseren Lebensqualität beitragen.“ Gerade Trikes, wie der Can-Am Ryker, seien bei Rollstuhlfahrern besonders beliebt, da sie dem Fahrer ein „echtes Motorradgefühl“ geben und gleichzeitig einen guten Halt und einen stabilen Sitz bieten. Da die Bremse des Can-Am Trikes aber standardmäßig mit dem Fuß betätigt wird, muss sie für Menschen mit Einschränkungen in der unteren Körperhälfte durch die patentierte Handbremse ersetzt werden.

Aus Kunden werden Freunde

Einen großen Wert legt Andreas Grund auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Kindern ist es nun mal wichtig, von Gleichaltrigen akzeptiert zu werden. Wenn beispielsweise ein Junge zu uns kommt, der durch einen Schicksalsschlag querschnittsgelähmt ist und denkt, dass er nie wieder Fahrrad fahren kann, versuchen wir alles, um ihm ein gutes Gefühl zu geben. Am Ende hat der Junge dann ein richtig cooles E-Bike, auf das seine Freunde vielleicht sogar neidisch sind. Das sind die schönsten Momente an dem, was wir machen“, sagt Grund.

Seine Kunden begleitet Andreas Grund auch nach den entsprechenden Umbauten an ihren Gefährten. „Rollstuhlfahrer, deren Can-Am wir umgebaut haben, müssen zum Beispiel beim TÜV eine Fahrprobe mit dem Trike machen – auch da sind wir dabei. Die ganzen Geschichten mit der Bürokratie und dem TÜV sind auch so schon kompliziert genug, und wir versuchen, unseren Kunden den Stress zu ersparen“, so Grund. Und fügt hinzu: „Durch den engen Kontakt zu den Kunden entstehen oft Freundschaften. Einer unserer Kunden hat mir ein Bild geschickt, auf dem er zusammen mit seinem umgebauten Trike an der Küste Kaliforniens zu sehen ist – das sind für mich echte Gänsehautmomente.“

Aktuelles Projekt: Gerade macht Grund einen Seat behindertengerecht. Dazu gehört eine Rollstuhlverladehilfe.
Eine Handbedienung ersetzt die Fußpedale im Auto.