Cannabis-Legalisierung: Was kommt auf Polizei, Stadt und Schulen in Roding zu?

Was kommt da ab 1. April auf Schulen, Stadt und Polizei zu? Obwohl es nur noch wenige Wochen bis zur Legalisierung von Cannabis sind, ist eine Antwort auf diese Frage schwierig zu finden. Auch, weil es das noch nicht gegeben hat – eine Vorbereitung gibt es nicht. Die Polizei vor Ort hat noch keine Handreichung, wie sie künftig mit Drogenfunden und Drogenkonsum in Roding umgehen soll.
Zuletzt hatten vor allem Opfer harter Drogen in der Stadt Schlagzeilen gemacht. Polizeiinspektionsleiter Bernhard Hager verweist daher ans Präsidium. Doch auch dort sind Antworten rar.
Sogwirkung zu Cannabis befürchtet
„Die Auswirkungen der Legalisierung sind nicht absehbar“, sagt die Pressesprecherin dort. Daher müsse abgewartet werden, ob etwa die Präventionsarbeit in Schulen so weitergehen könne wie bisher. Vermutlich werde durch die Legalisierung eher eine Sogwirkung zu Cannabis entwickelt und wohl weniger Entkriminalisierungseffekte haben. „Abwarten und schauen, wie sich das entwickelt“, so die aktuelle Devise aus dem Polizeipräsidium. Mittelschulrektor Günter Kanniber hofft, dass seine Schüler von den Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung nicht betroffen werden.
Das gehe wohl vor allem zu Lasten der Gymnasien mit den 17- oder 18-Jährigen, meint er. Seine Zehnklässler als Älteste an der Schule seien noch zu jung für Cannabis. Zumindest weiß er keinen Fall, in dem Cannabis bei Schülern gefunden oder dessen Konsum festgestellt wurde. Was es weiter geben werde, sei eine regelmäßige Drogenprävention, die auch im Lehrplan verankert sei.
Grundsätzlich halte er persönlich nichts von der Legalisierung, habe aber auch keine Erfahrung mit Cannabis, obwohl es zu seiner Jugendzeit weit verbreitet gewesen sei: „Ich bin 63 Jahre und habe bislang meistens Spaß auch ohne das!“ Angst habe er vor dem Medienhype, der noch dazu komme – dass erst dadurch schlafende Hunde geweckt würden. „Eine Schule ohne Drogen gibt es nicht!“, hatte dagegen einmal Regina Pötke, Ministerialrätin im Bayerischen Kultusministerium, der Zeitschrift Eltern gesagt.
Drogen an Schulen ist nicht Neues
In Ballungsräumen mag das Konsens sein – aber bei uns? Realschuldirektor Alexander Peintinger macht sich nichts vor: „Wir wissen, was ab 1. April auf uns zukommt!“ Doch Drogen an der Schule sei nichts Neues – wer als Schulleiter sage, das gebe es so an der Schule nicht, verschließe die Augen oder kenne seine Schüler nicht. Noch mehr als vorher gelte es, auf diesem zusätzlichen Feld aufzuklären und die neue legale Droge wie Alkohol und Zigaretten ernst zu nehmen. Dass dies jetzt wieder bei den Schulen bleibe, findet er nicht gut: „Mit der Legalisierung haben sie uns einen Bärendienst erwiesen! Wir müssen schauen, dass es nicht aus dem Ruder läuft.“
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Er rechne aber damit, dass es erst einmal mehr Konsumenten würden und frage sich, warum hier ohne großen Grund etwas legalisiert werde: „Was kommt dann als nächstes?“ Andere Probleme seien doch drängender als so etwas. Das Problem von Cannabis sei anders einzuschätzen als Bier – „das braut sich keiner selbst zu Hause, doch Cannabis kann man schon anbauen!“ Es wisse keiner, wie sich das entwickle und wie das zu handhaben sei. Werde es spürbar, lade er wieder den Zoll ein mit den Hunden, um den Schülern die Illegalität der Droge bei Minderjährigen vor Augen zu führen.
Auch in Wartestellung ist Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Laut Ankündigung der 2. Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses, Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), sollen die Kommunen die Kontrollen rund um die Cannabis-Regeln übernehmen, etwa wie viele Pflanzen im Garten wachsen. „Dazu haben wir bislang gar keine Infos!“, sagt Riedl. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Stadt für Kontrollen Personal anstelle. „Es ist schwer einzuschätzen, was auf uns als Kommune da zukommt.“ Daher bleibe ihr nur, abzuwarten.
Was kommt da Neues?
Legal: Zum 1. April wird Cannabis im Betäubungsmittelgesetz von der Liste der verbotenen Substanzen gestrichen. Eigenanbau und Besitz bestimmter Mengen der Droge sollen für Volljährige dann erlaubt sein. Zum 1. Juli sollen Clubs zum gemeinsamen Anbau möglich werden.
Umfrage: Das Bundesgesundheitsministerium verweist hier auf repräsentative Befragungen (2021), wonach 8,8 Prozent aller Erwachsenen von 18 bis 64 Jahren in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sagten 9,3 Prozent, schon einmal Cannabis probiert zu haben. 1,6 Prozent dieser Altersgruppe gaben regelmäßigen Konsum an.
Beratung: Wer Probleme mit Drogen jeder Art hat, kann sich etwa an die Suchthilfe der Caritas wenden. In Roding an der Landgerichtsstraße 17 gibt es dafür Sprechstunden jeweils Donnerstag, 8.30 bis 11.30 Uhr, Termin nach Vereinbarung unter Tel. (09971) 84 69 15.