Faszinierende Unterwasser-Welt wächst und gedeiht in Schwandorf

Zur Erstkommunion hat Torsten Merkl sein erstes Aquarium bekommen. Trauermantelsalmler, Panzerwelse und ein Zwergbarschpärchen tummelten sich in dem Becken mit 60 Liter Süßwasser. Fast 40Jahre später hat der Schwandorfer Geschäftsmann in seinen Aquarien 25.000 Liter Wasser in Bewegung, bietet bunte Fische, Seeigel, Seesterne, Krebse, Korallen und alles, was der (Meerwasser-)Aquarianer zu seinem Glück braucht, zum Verkauf an. Torsten Merkl hat aus seinem Hobby ein zweites berufliches Standbein gemacht.
Wer das Geschäft von Punkcorals in der Sommerstraße in Schwandorf betritt, taucht in eine bunte Welt ein. Hawaii Doktorfische leuchten etwa in Gelb aus den Aquarien, Fahnenbarsche in Rot-Orange, Zwergkaiserfische in Blau. Noch faszinierender sind die Farben und Formen der unterschiedlichen Korallen, die zum Teil hier in Schwandorf vermehrt und nachgezogen werden. Dass Kunden sich die Lebewesen für ihr Meerwasser-Aquarium in natura in einem Laden anschauen und aussuchen können, ist eine Seltenheit. „Es gibt wohl nur etwa 20Läden mit Publikumsverkehr in Deutschland“, weiß Torsten Merkl. Ansonsten laufe das Geschäft über Online-Shops, ein Bereich, den natürlich auch Punkcorals bedient.
In der Corona-Pandemie suchte er nach neuer Herausforderung
Torsten Merkl ist als Unternehmer seit vielen Jahren in einem ganz anderen Geschäftsbereich erfolgreich. Der größere Teil der Halle in der Sommerstraße ist mit den Produkten des abc nailstore belegt. Aus einem einfachen Nagelstudio baute Merkl zusammen mit seiner Frau Tanja ab 2002 ein international agierendes Unternehmen auf, das Produkte für die Bearbeitung von künstlichen Fingernägeln entwickelt und verkauft. 2017 wird zudem eine eigene Kosmetikfirma gegründet. Als vierfacher Deutscher Meister im Nageldesign setzt Merkl auch auf Aus- und Weiterbildung von Nageldesignern.
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Das Geschäft boomt – bis in der Corona-Pandemie Nagel- und Kosmetikstudios geschlossen werden. Torsten Merk hatte plötzlich zwangsweise Zeit für neue Aufgaben und Herausforderungen. Und so fand er wieder zurück zu seinem Hobby. Ein eigenes Aquarium hatte er zwischenzeitlich aus Zeitmangel nicht mehr, wollte sich aber wieder eines bauen – und dafür eigentlich in einem Laden einkaufen. Merkl stellte fest, dass das in der Region für Meerwasser-Becken gar nicht so einfach ist. Die Idee für den eigenen Zoofachhandel für Aquaristikbedarf war geboren.
Kunden kommen aus vielen Teilen Bayerns
In der Halle in der Sommerstraße zweigte er Platz für zehn Regalmeter und Becken mit 4000 Liter Wasser ab, baute parallel dazu einen Online-Shop auf. Schnell lief das Geschäft so gut, dass der Platz nicht mehr reichte. Mittlerweile verfügt Punkcorals über 300Regalmeter und 25.000 Liter Wasser auf 350 Quadratmetern. Der Einzugsbereich für den Laden sei groß – Niederbayern, der Raum München und Nürnberg oder auch Franken.
Die Kunden seien in der Regel im Alter 25plus, etwa ein Viertel Frauen. Sie haben sich für ein nicht gerade günstiges Hobby entschieden, für ein Meerwasser-Aquarium müsse man mit rund 1200 Euro pro 100 Liter rechnen, so Merkl.
Der 48-Jährige kaufte sich vor 25 Jahren von seinem ersten Geld ein Meerwasser-Aquarium. „Das war damals noch eine andere Welt“, so Merkl. Damals sei das eher eine experimentelle Aquaristik gewesen, man habe sich einen Chemiebaukasten aus der Apotheke geholt und Pi mal Daumen versucht, das Wasser passend zu machen. In den vergangenen Jahren habe sich aber eine „extrem professionelle Form“ der Aquaristik entwickelt. Heute schicke man Wasserproben ins Labor und könne anhand der Analyse dann genau nachjustieren, das Wasser so naturnah wie möglich gestalten.
Auch tropische Korallen kann man heute bestens halten
Korallen galten laut Merkl vor 25 Jahren noch als unhaltbar in Aquarien, denn sie seien viel sensibler als Fische. Als „sesshafte Tiere“ seien sie angewiesen auf die richtige Wassertemperatur und -zusammensetzung. Diese finden sie heute in den Aquarien von Punkcorals – aber nicht nur dort. „Mittlerweile ist es so, dass man tropische Korallen im Aquarium erfolgreichst halten kann“, sogar die Korallen-Laiche könne man über Beleuchtung provozieren.
Torsten Merkl und seine Mitarbeiter züchten in Schwandorf Korallen allerdings über vegetative Vermehrung nach. Dafür wird – einfach erklärt – eine große Koralle auseinandergeschnitten, dann auf einen neuen Stein gesetzt, wo sie wieder an- und weiterwächst. Punkcorals importiert außerdem Korallen aus Indonesien und Australien. Die Fische kommen von den Philippinen, aus Kenia, Sri Lanka, Indonesien oder aus der Karibik.
Aquarianer sind detailverliebt und beobachten mit der Lupe
Merkl verschweigt nicht, dass es von Naturschützern harte Kritik an Naturentnahmen bei Korallen und Meerwasser-Fischen gebe. Bei den von ihm gehandelten Korallen aus Australien und Indonesien gebe es aber so gut wie keine Naturentnahmen mehr. Sie würden überwiegend in Korallengärten im Meer oder in Aquarien an Land gezüchtet. Auch bei den Fischen werde der Anteil der Nachzuchten immer größer.
„Der Mensch kann nur schützen, was er kennt“, ist Torsten Merkl überzeugt. Wer sich für Meerwasser-Aquaristik als Hobby entscheide, beschäftige sich mit dem Leben im Meer. Aquarianer seien detailverliebt, schauten genau hin, beobachteten mit der Lupe. Manche hielten sich Garnelen, die nur einen Zentimeter groß sind. „Die kannst du im Meer niemals beobachten.“ Ebenso den Vorgang, wenn die vielen kleinen Polypen der Koralle Plankton fangen.
Korallen wachsen pro Monat zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter. Danach richtet sich auch der Preis. Bei Punkcorals gibt es Korallenableger ab zehn Euro, aber auch große Stöcke für 500 Euro – und alles dazwischen. Fische gibt es ab zehn Euro. Das Team baut außerdem nach Kundenwunsch Aquarien von 200 bis 5000 Liter und übernimmt die regelmäßige Pflege.
Bleibt abschließend noch die Frage, was hinter dem Namen Punkcorals steckt. Zum einen hört Torsten Merkl gerne Punk-Musik. Zum anderen sagt er: „Die bunte Welt der Korallen ist ja schon irgendwie freeky!“




