20 Jahre Firma Schmack in Schwandorf: Pioniere auf dem Biogas-Sektor

Von Petra Beer-Dausch · 2. Februar 2024 um 19:00

Schmack Biogas feiert am Standort Schwandorf Jubiläum: Vor20Jahren ist das Unternehmen von Burglengenfeld auf das ehemalige Bayernwerksgelände umgezogen. Im vergangenen Jahr wurden 50 neue Stellen geschaffen. Das Unternehmen sucht weitere Fachkräfte und sieht neue Aufgabenfelder.

Vom Komplettanbieter zum Thema Biogas hat sich Schmack zu einem Global Player im schweizerisch-japanischen Green-Tech-Unternehmen Hitachi Zosen Inova (HZI) entwickelt. Auch wenn die Geschichte des Unternehmens nicht immer ganz geradlinig verlief, die aktuellen Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr schuf Schmack 50 neue Stellen, hat jetzt rund 180 Beschäftigte und sucht dringend weitere Fachkräfte. Der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr wird bei knapp 40 Millionen Euro liegen.

Bei einem Pressegespräch aus Anlass des Standortjubiläums blickte Geschäftsführer Manuel Götz zunächst in die Firmenhistorie zurück. Götz ist seit mehr als 20 Jahren in der Firma, startete als Projektleiter, wechselte ins Management, dann in die Geschäftsführung, ist heute auch verantwortlich für den Anlagenbau in Europa. Die Biogasanlagen „von der grünen Wiese bis hin zum laufenden Betrieb“ zu begleiten, das sei die DNA von Schmack Biogas. Als Komplettanbieter deckt das Unternehmen die Bereiche Projektentwicklung, Anlagenbau, Betriebsführung, technischer und biologischer Service sowie Forschung und Entwicklung ab.

Keimzelle der Forschung ist das Technikum in Schwandorf

1995 wurde Schmack Biogas von drei Brüdern gegründet – als klassisches Start-up, lange bevor es diesen Begriff gab. Die erste Anlage auf dem Hof von Robert Schmack ist laut Götz noch immer in Betrieb. Schon zweimal wurde sie umgebaut und wieder für die Zukunft fit gemacht. Im sogenannten „Repowering“ liegt aktuell auch Potenzial für das Unternehmen, denn viele Anlagen haben das Alter von 20Jahren, auf das der Betrieb in etwa ausgelegt ist, schon oder bald erreicht.

Mit dem Umzug von Burglengenfeld nach Schwandorf 2003 setzte Schmack den neuen Schwerpunkt auf Biogasanalytik. Das Verwaltungsgebäude auf dem ehemaligen Bayernwerksgelände wurde die neue Firmenzentrale. Das sogenannte Technikum wurde zur Keimzelle für Forschung und Entwicklung. Es ist das Reich von Doris Schmack. Die Chemikerin ist von Anfang an dabei, hat das Labor und die biologische Betreuung mit aufgebaut, viele neue Energietechnologien mit entwickelt.

Im Technikum werden die Grundlagen geschaffen, dass die Biogasanlagen effektiv und durchgängig laufen. Dort werden Einsatzstoffe der Zukunft wie etwa Biomüll oder Bagasse, ein Reststoff aus der Saftgewinnung aus Zuckerrohr, unter die Lupe genommen. In Miniatur-Biogasanlagen wird getestet, wie neue Stoffe fermentiert werden können. So geschehen mit den Reststoffen aus der Produktion in den Milchwerken in Schwarzenfeld, für die Schmack 2021 eine Vergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung gebaut hat.

Oftmals hat das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten Neuland betreten und Pionierarbeit geleistet; dabei stets auf Innovation gesetzt und seine Ausrichtung immer wieder an die Bedürfnisse des Marktes und die Herausforderungen, die oftmals die Novellierungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit sich brachten, angepasst.

Das weiß man bei Hitachi Zosen Inova zu schätzen. Nach einer Insolvenz gehörte Schmack ab 2010 zur Viessmann-Gruppe, ist nun seit Oktober 2021 im Konzernverbund von HZI mit Sitz in Zürich. In den Bereichen Biogas-Anlagen, Service sowie Forschung und Entwicklung hat Schmack in Schwandorf die konzernweite Verfahrensverantwortung. „Mit diesen drei Faktoren dürfen wir uns als kleiner Ort in der Oberpfalz in den Konzern einbringen“, sagt Götz. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man in einen großen Konzern einsteigt“, so Doris Schmack.

Wertschätzung für Biogas und Biomethan wächst

2005 ging am ehemaligen Kraftwerksstandort in Schwandorf selbst eine Biogasanlage in Betrieb, einige Jahre später entstand eine große Biomethananlage. Von Anfang an arbeitet Schmack Biogas hier – wie bei drei weiteren Anlagen – mit dem Bayernwerk zusammen. Manfred Ritz, bei der Bayernwerk Natur GmbH zuständig für Beteiligungen/Sonderprojekte, würdigte diese „Stetigkeit in der Zusammenarbeit als etwas Besonderes, das es sonst nicht gibt“. Ritz stellt fest, dass die Wertschätzung für Biogas- und Biomethan-Anlagen wieder steige. Die Wärme aus Biogasanlagen sei beispielsweise auch für die Einspeisung in kommunale Wärmenetze geeignet.

Während in Deutschland das Umrüsten von bestehenden Anlagen oder Entwicklung und Bau von industriellen Anlagen für Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie künftige Schwerpunkte sind, gibt es in Europa mehrere Länder, die „Biogas sehr wohlgesonnen sind“, so Götz. In Italien, Großbritannien oder Spanien etwa gebe es Potenzial für neue Anlagen. Doris Schmack sieht das Unternehmen in jedem Fall gut aufgestellt, „um den nächsten Boom zu bedienen“.

Meilensteine in der Geschichte von Schmack Biogas

1995: Firmengründung durch drei Brüder als GbR

1996: Bau der ersten schlüselfertigen Biogasanlage

2003: Umzug nach Schwandorf; Bau der größten NaWaRo-Anlage (nachwachsende Rohstoffe) in Europa in Kärnten

2005: Biogasanlage BGA Schwandorf 1

2006: Börsengang; weltweit erste Biogaseinspeiseanlage in Pliening

2008: BGA Schwandorf 2

2009: Markteinführung von Methanos, Hochleistungsbakterien, die den Ertrag der Biogasanlage steigern

2010: Eintritt in die Viessmann-Gruppe

2015: Biogasaufbereitungssanlage Isle of Wight

2016: Biomethananlage in Epaux-Bézu bei Paris

2017: Konzentration auf das Servicegeschäft

2021: Eintritt in die Hitachi Zosen Inova-Gruppe; erste industrielle Power-to-Gas-Anlage der Schweiz; Vergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung in Schwarzenfeld

Sie freuen sich über die gute Zusammenarbeit: Manuel Götz und Doris Schmack mit Manfred Ritz von Bayernwerk Natur (v. l.). Foto: Petra Beer-Dausch