Trainer-Legende, Apotheker und Stadtrat: Kurt Klofat hat Rötz geprägt wie wenig andere

Wenn man über das Leben von Kurt Klofat schreibt, beginnt man dann mit Kurt Klofat, dem ehemaligen Stadtapotheker? Mit Klofat, dem Fußballbegeisterten? Oder dem politisch Engagierten? Es ist keine leichte Entscheidung, denn überall hat der 82-Jährige der Stadt Rötz seinen Stempel aufgedrückt.
Beginnen wir mit Kurt Klofat, dem Apotheker. Denn sein Beruf ist der Grund, warum es ihn in die Oberpfalz verschlagen hat. Geboren wurde er 1941 in Pilsen und fand ab 1945 zunächst in Hof eine neue Heimat, weil sein Vater nach dem Krieg dort stationiert war und Rektor der Volksschule wurde.
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Nach seinem Abitur 1961, erzählt Klofat, habe er nicht recht gewusst, was er machen solle, er war das dritte von drei studierenden Kindern. Ein Onkel, der eine Apotheke in Dingolfing führte, war der Begütertste in der Verwandtschaft. „Dann mach ich halt Pharmazie“, beschloss Klofat und musste dafür zunächst zwei Jahre Vorpraktikum machen. Er entschied sich für die Marienapotheke in Neumarkt in der Oberpfalz. Das Vorexamen bestand er mit einer 1, und so bekam er auch den ersehnten Studienplatz in München, wo er 1968 sein Staatsexamen ablegte.
Wie der Zufall es wollte, suchte der damalige Apotheker Viereckl einen neuen Pächter für die Rötzer Stadtapotheke, wovon Klofat durch einen Arzneimittelvertreter erfuhr. Er absolvierte zu dieser Zeit gerade das obligatorische Kandidatenjahr nach dem Staatsexamen für die Approbation. „Von oben“, also von staatlicher Seite, erzählt Klofat, sei es nicht gern gesehen worden, dass einer mit wenig Berufserfahrung sich gleich mit einer eigenen Apotheke selbstständig machte. „Da musste ich schon etwas kämpfen.“
Und so mussten nicht nur „die Obrigen“ letztlich nachgeben, zumal es 1958 das „Apotheken-Urteil“, die Grundsatzentscheidung zur Niederlassungsfreiheit, gegeben hatte. Auch gegen drei Mitbewerber setzte Klofat sich durch und übernahm am 1. Juni 1969 die Stadtapotheke in Rötz.
Als Trainer „verpflichtet“
Ein Einzelgänger war Klofat noch nie. Um sich mit den Leuten in und um Rötz bekannt zu machen, ging er jeden Montag zum Kesselfleischessen in das alte Wirtshaus Killermann, heute Henghuber, in Grassersdorf. Dort lernte er auch seine Ehefrau Brigitte kennen, die aus diesem Ort stammte. Das Paar heiratete 1970 und baute 1981 in Grassersdorf ein Haus.
Auch beruflich tat sich wieder einiges. Bald habe er, so Klofat, zum Verpächter gesagt, wenn er die Apotheke nicht verkaufe, würde er sich andernorts niederlassen. Wieder sei es ein harter Kampf gewesen, doch letztlich „ist es mir gelungen, ihn breit zu schlagen“: Kurt Klofat war nach fünf Jahren in Rötz Eigentümer der Apotheke. Er hatte hoch gepokert, denn: Seine Frau wollte hier bleiben, und „auch ich selbst war da schon ein halber Rötzer geworden“.
Dazu gehörte auch das Engagement beim 1. FC Rötz. Schon in jungen Jahren habe er selbst Fußball gespielt, sei auch sehr gefragt gewesen, habe dann aber wegen anderer Interessen aufgehört, zu spielen. Auch als Student sei er Teil einer Mannschaft gewesen. Die „Liebe zum Fußball“ sei in Rötz wieder erwacht: Als „Aushilfe“ beim Kartenspielen am Gesellschaftstag des Schwarzwihrbergvereins wurde er „verpflichtet“ als Trainer der Rötzer Fußballsenioren. Nachdem die Mitspieler ganz überrascht waren, wie gut Klofat das Schafkopfen beherrschte, hatte er schon viel Anerkennung bekommen. Dann kam er ins Gespräch mit den anderen, die alle beim FC engagiert waren und merkten, „der scheint was von Fußball zu verstehen“.
Als Klofat bei einem Spiel zuschaute, Rötz war in der damaligen B-Klasse, wunderte er sich, dass die Mannschaft nicht höherklassig spielte. Als deren Trainer schaffte er es dann, dass der Funke übersprang: Im alten Café Schreiber, dem ehemaligen Vereinslokal, hielt er in der Winterpause 1974 vor versammelter Mannschaft eine Rede und gab das klare Ziel „Aufstieg“ aus. Siehe da: Das emsige Training zahlte sich aus, in der Rückrunde wurde kein Spiel verloren.
Am Ende der Saison fand das entscheidende Spiel gegen Furth im Wald statt. Halb Rötz, darunter auch der ehemalige Bürgermeister Georg Thamer, sei in der Drachenstadt gewesen, insgesamt 900 zahlende Zuschauer trotz strömenden Regens. Die Rötzer gewannen das Spiel und stiegen in die A-Klasse auf, die der heutigen Kreisliga entspricht. „Da habe ich dann mein erstes Trainerlehrgeld bezahlt“, räumt Klofat ein. „Wir haben viel Lob für unsere Spielweise bekommen, aber immer verloren.“ Nach der Winterpause änderte er die Taktik von „Schönheit“ auf „Punkte machen“, und sie hätten so beinahe doch noch die Liga halten können.
Denkwürdig das letzte Spiel gegen Fronberg, die sich im Zweikampf gegen den ASV Cham um die Meisterschaft befunden hätten, so Klofat. „1000 Mark haben sie uns geboten, dass wir absichtlich verlieren.“ Das sei viel Geldgewesen. Doch „das kommt auf keinen Fall in Frage“, war für ihn von vornherein klar, auch, nachdem noch ein weiterer Tausender angeboten wurde. „Das Geld nehmen wir nicht, wir spielen volle Pulle“, blieb der Trainer stur.
„In der letzten Spielminute stand es 0:0“, erinnert er sich. Doch wie es der Teufel so wollte, „ließ unser Torhüter einen wirklich haltbaren Ball durch“. Nun habe es für die Zuschauer so ausgesehen, als sei das Spiel wirklich verkauft worden, weiß Klofat noch heute.
Als Absteiger habe er seine Trainerschaft nicht beenden wollen, „und wir sind auch wieder aufgestiegen“, doch dann oft „haarscharf am Wiederaufstieg in die Bezirksliga gescheitert“. 25 Jahre lang war Klofat mit Unterbrechungen Trainer, weil sein Herz am Fußball und der Mannschaft hängen.
Kürzer trat er dort schließlich, um sich mehr der Politik zu widmen. „Von den Freien Wählern hab ich mich überreden lassen, mich als Stadtratskandidat aufstellen zu lassen.“
Prompt bekam er die meisten Stimmen der Liste hinter dem zweiten Bürgermeister Fritz Winklmann, wurde Fraktionssprecher. „Die Oppositionsrolle hat mir gar nicht groß gepasst“, erinnert sich Klofat. Er machte die Ansage: „Freunde, wir müssen angreifen!“ Später „bearbeiteten die anderen mich, auch nach der ersten Wahlperiode dabeizubleiben.“ Klofat stimmte zu, unter der Bedingung, dass sie einen Bürgermeisterkandidaten bringen. Er selbst konnte nicht kandieren, sonst hätte er seinen Beruf als Apotheker aufgeben müssen.
Schließlich wurde Willi Tahedl Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler. „Zuerst wurden uns Chancen von maximal zehn Prozent ausgerechnet.“ „Ich wette mit euch, das werden 30 plus“, sagte Klofat. Und am Ende fehlten tatsächlich nur sechs oder sieben Stimmen, erinnert er sich, Alois Zisler wurde Bürgermeister. Als dieser 1994 überraschend verstarb, präsentierten die Freien Wähler einen neuen Bürgermeisterkandidaten.
18 Jahre lang im Stadtrat
Und dann wurde der Wahlkampf in großem Stil aufgezogen. Es gab organisierte Radtouren in die Dörfer, und für den letzten Termin in der Wahlkampfphase habe er extra den Fürstenkasten gebucht, „dass die CSU nicht rein kann“, freut Klofat sich noch heute diebisch. „Rötz muss endlich ‘frei‘ werden“, deklamierten er und Josef Mayerhofer mit dem Titel „Stadt und Land Hand in Hand“ als Hauptredner vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. „Das war die große Wende im Wahlkampf“, ist Klofat überzeugt, und tatsächlich wurde nicht nur Mayerhofer Bürgermeister, „wir waren auch die stärkste Fraktion im Stadtrat“. Das sei im Landkreis „die Sensation“ gewesen.
Insgesamt war Klofat 18 Jahre im Stadtrat,1998 kandidierte er nach Ablauf der Wahlperiode nicht mehr. „Dann habe ich mir gedacht, ich greife im Fußball noch mal an.“ Bekanntermaßen erfolgreich: Von der A-Klasse stieg der FC Rötz 2001 in die Bezirkliga und 2003 sogar in die Bezirksoberliga auf – auch das „eine Sensation“.
Klofat war Trainer bis 2007. „Wenn wir auch jetzt gerade wieder gegen den Abstieg kämpfen, wir haben uns lange in der Kreisliga gehalten“, sagt der ehemalige Trainer anerkennend, der mittlerweile Ehrenmitglied beim Verein ist und als Zuschauer noch immer Heim- und Auswärtsspiele besucht. Im selben Jahr verkaufte er seine Apotheke an den jetzigen Besitzer. Klofats Sohn wurde zwar ebenfalls Apotheker, ihn zog es aber in die Landeshauptstadt. Die Tochter machte sich mit einer Psychotherapiepraxis in Creußen selbstständig. Unter anderem an Weihnachten ist die Familie komplett, inklusive Enkelkind.
Zu seinen Hobbys zählt Kurt Klofat monatliche Stammtische (wie Jagd, Fußball, ehemalige Sponsoren für den Fußball und das wöchentliche Grassersdorfer Hüttentreffen) und das Wandern, oder früher eher Steigen mit Seil und Haken.
Auch die Liebe zum Schachspielen ist nach vielen Jahren zurückgekehrt, außerdem findet er nun die Zeit, nicht nur die Zeitung, sondern auch wieder Bücher zu lesen.

