Bund Naturschutz informiert über Lösungen – Bürgermeister Bergler deutet Ratsbegehren an

Von Josef Wittmann · 3. Februar 2024 um 05:00

Mit zunehmender Intensität stehen sich in Berg Befürworter und Gegner der geplanten Ortsumgehung gegenüber. Am Donnerstag lud der Bund Naturschutz (BN) ins Gasthaus Knör zum Vortrag „Ortsumfahrungen: sinnvoll oder überflüssig“ ein. Derweil deutete Bürgermeister Peter Bergler ein Ratsbegehren für eine solche an.

Unter den gut 50 Zuhörern war auch der Berger Bürgermeister Peter Bergler, denn seine Gemeinde ist Mitglied im BN und Peter Bergler selber ist im Nebenberuf überzeugter Bio-Landwirt. Die Entscheidung für eine Ortsumgehung der ST2240 habe er von seinem Vorgänger Helmut Himmler geerbt, erzählt er. Seit 2001 sei das schon im Gespräch und 2021 habe zuletzt auch der neue Gemeinderat mit Mehrheit den Wunsch nach der Ortsumgehung bekräftigt. Als Bürgermeister müsse er demokratische Entscheidungen respektieren und umsetzen.

Lesen hierzu: Anwohner machen sich bei Fragestunde im Berger Gemeinderat stark für eine Ortsumgehung

Wobei das Umsetzen eigentlich in den Händen des Straßenbauamtes in Regensburg liege, sagt Bergler, denn der Blockade der bayerischen Staatsregierung im Bundesrat sei es zu verdanken, dass die Kommunen auf ihren Ortsdurchfahrten in Sachen Flexibilität bei der Verkehrsgestaltung nur wenig zu sagen hätten.

30 Millionen Euro für drei Kilometer

So gehen auch in Berg die Dinge weiter ihren langsamen Gang. Geplant ist, für die gut 12000 Autos, die täglich durch den Ort rollen, zusätzlich zur quasi schon vorhandenen Ortsumgehung A3, eine fast drei Kilometer lange Umgehungsstraße mit fünf Brücken und hohen Dämmen durch die Schwarzachauen zu errichten. Kosten: mindestens sieben Hektar Ackerland und etwa 30 Millionen Euro.

Solche Pläne nennt Referent Gernot Hartwig pervers. Der Fokus auf die „Leichtigkeit des Verkehrs“ stamme aus dem letzten Jahrhundert. „Wir brauchen langsameren und weniger Verkehr, statt mehr Straßen. Die Anwohner halten Lärm und Abgas nicht mehr aus. Mehr Straße anzubieten, wenn alle weniger Verkehr wollen, das ist schamlos.“

Bund Naturschutz berichtet von Alternativlösungen

Dabei gebe es gute Alternativen, ist Hartwig überzeugt und erzählt von gelungenen Modellversuchen in Orten wie Bad Endorf und Unterrödel. Die dort umgesetzten Maßnahmen von Fußgängerampeln über Radwege bis zu entschleuningende Einbauten seien möglich gewesen, weil vor Ort die Staatsminister Joachim Herrmann und Christian Bernreiter durch mutige Entscheidungen die Anliegerentlastung bei gleichzeitigem Naturerhalt ermöglicht hätten. Und das Geld dafür habe sich der Staat durch Verzicht auf teure Ortsumgehungen erspart.

Bürgerentscheid versus Ratsbegehren in Berg?

Am Aschermittwoch soll in Berg nun die nächste Runde im Kampf gegen die drohende Ortsumgehung eingeläutet werden. Dann will die „BI für solidarische Verkehrsführung“ dem Bürgermeister die Unterschriften von mehr als 10 Prozent der Berger Bürger für einen Bürgerentscheid gegen die Umgehung überreichen.

Innerhalb eines Monats muss der Gemeinderat dann tätig werden. Einige Empörung über eine unnötige „Kampfabstimmung“ wurde laut, als Peter Bergler in der Diskussion andeutete, dass der Gemeinderat dem Bürgerentscheid einen Ratsbescheid entgegensetzen werde.

Bergler plant gemeinsame Lösungs-Suche bei Vor-Ort-Termin

Aber er erntete auch Applaus, als er versprach, einen Verkehrsreferenten einzusetzen und gemeinsam mit Gernot Hartwig bei einem Vor-Ort-Termin mit den Ministern Herrmann und Bernreiter nach Lösungen zu suchen, wie der BN-Referent sie präsentiert hatte.