Die CO2-Abgabe macht das Heizen teurer: Das raten Experten

Mit Beginn dieses Jahres hat die Bundesregierung den CO2-Preis von 30 auf 45 Euro pro Tonne erhöht. Das bedeutet einen Anstieg der Heizkosten für die Besitzer von Gas- oder Ölheizungen. Welche finanziellen Belastungen kommen dadurch genau auf die Betroffenen zu? Und wie reagiert man am besten darauf?
„Das muss man bei jedem Haus einzeln feststellen“, urteilt Klaus Nottebaum. Der Diplom-Physiker arbeitet als Energieberater für den Verbraucher Service Bayern. Dieser Verein bietet jeden ersten Montag im Monat eine unabhängige Energieberatung im Landratsamt Neumarkt an, bei der genau solche Fragen geklärt werden (siehe Textende).
180 statt 140 Euro im Jahr
Bei seiner Musterrechnung für ein Einfamilienhaus mit Gasheizung und einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr kommt Nottebaum auf eine CO2-Abgabe von 180 Euro, statt wie bisher 140Euro jährlich. „Bei einer Ölheizung fällt der Preisanstieg noch größer aus, da Öl noch mehr CO2 freisetzt.“ Hier rechnet er für die gleiche Energiemenge mit etwa 250Euro im Jahr. Dass das Heizen teurer wird, sei aber – entgegen populärer Polemik nicht der Ampelregierung anzulasten, erklärt Kathrin Kimmich, Klimaschutzmanagerin bei der Innovationsagentur Regina des Landkreises Neumarkt.
EU nutzt „Zuckerbrot und Peitsche“
„Dass die Preise für fossile Energien steigen, ist nichts Neues und geht letztlich auf die EU zurück“, so Kimmich. „Bereits seit 2021 gibt es das Brennstoffemissionshandelsgesetz, das eine CO2-Steuer auf Öl und Gas erhebt.“ Ziel davon sei es, das Heizen mit fossilen Energieträgern schrittweise immer teurer zu machen. Gleichzeitig sollen Fördergelder alternative Energieformen voranbringen. „Ich nenne es Zuckerbrot und Peitsche“, sagt Kimmich. Aufgrund des Ukraine-Krieges und der daraus folgenden Strom- und Gaspreisbremse wurde der geplante stetige Anstieg der Steuer zuletzt angehalten. Nun soll sie aber wieder regelmäßig steigen.
Dämmen oder Heizung erneuern?
Seitdem häufen sich bei den Energieberatern die Anfragen, ob es günstiger sei, das Haus besser zu isolieren – oder eine komplett neue Heizung anzuschaffen, die nicht mit Gas oder Öl funktioniert. „Je besser ein Haus gedämmt ist, desto geringer ist auch der Energiebedarf für das Heizen“, meint Kimmich. „Allerdings ist eine Gebäudesanierung oft sehr umfangreich und dadurch teurer als der direkte Austausch der Heizung.“
„Dämmen sollte immer die erste Wahl sein“, sagt Kaminkehrermeister Peter Wilhelm. Der Leiter des Mühlbacher Aus- und Fortbildungszentrums für Kaminkehrer ist selbst schon seit über 30Jahren als Energieberater aktiv. Und hielt sich in dieser Zeit stets an den Wahlspruch: „Erst die Hülle, dann die Heizung“ – sprich: Erst einmal das Haus richtig dicht machen, bevor man die Energieerzeugung ändert. „Denn am Wichtigsten ist es doch, den Energiebedarf zu senken. Was nutzt mir eine moderne Heizung, wenn die meiste Wärme durch Fenster oder Decken wieder verloren geht?“
Alternative Wärme für alte Häuser
Energieberater Klaus Nottebaum beantwortet die Frage so: „Bei älteren Häusern kann man sich durchaus mal die Fenster oder das Dach ansehen. Aber eine neue Heizung ist immer zu empfehlen, besonders, wenn man dafür eine Förderung bekommen kann.“
Langfristig sind sich die drei Experten aber einig, dass sich ein Umstieg auf alternative Heizmethoden lohne: „Gerade bei Neubauten sind Wärmepumpen oder Pelletheizungen auf alle Fälle gut“, sagt Peter Wilhelm. „In Neubau-Gebieten gibt es oft gar keine Gasleitungen mehr.“ Für Altbauten empfiehlt er momentan eher noch eine Hybrid-Lösung aus verschiedenen Energieträgern.
Für Klaus Nottebaum ist aktuell die Wärmepumpe die beste Heizmethode: „Es gab da viel Forschung und Beratung, aber zurecht steht sie immer noch ganz oben auf der Favoriten-Liste“. Und Klimaschutzmanagerin Kimmich ergänzt: „Ich habe in den letzten Monaten viele Leute getroffen, die glaubten, clever zu sein, weil sie noch schnell eine Ölheizung installiert haben. Aber aus meiner Warte, war das nicht umsichtig gehandelt.“
Öl- und Gaspreise steigen
Denn spätestens für 2027 sagen die Experten einen weiteren Anstieg des Öl- und Gaspreis voraus: Dann soll nämlich ein europaweiter Zertifikathandel für CO2 auch im Wohnbaubereich eingeführt werden. „Ob dieser dann die bisherige deutsche Abgabe auf CO2 ersetzen oder zusätzlich dazukommen wird, ist noch nicht geklärt“, sagt Klaus Nottebaum. Eine drastische Anhebung der Preise 2027 schließt er aktuell zwar noch aus, „aber billiger werden Öl und Gas dann auch auf keinen Fall.“
Vielleicht ist es da ein kleiner Trost, wenn Kaminkehrer Peter Wilhelm mit einem Blick auf die Klimaverhältnisse sagt: „Die Zeit der immens kalten Winter ist ohnehin vorbei. Wir leben meist in einer Übergangszeit mit milden Verhältnissen und müssen gar nicht mehr so viel heizen, wie noch vor zwanzig Jahren.“
Termine in Neumarkt
Energieberatung: Unabhängige und kostenlose Energieberatung gibt es jeden ersten Montag im Monat von 15.30 bis 18Uhr im Landratsamt Neumarkt, Nürnberger Straße1. Nächster Termin ist der 5.Februar. Die Beratung wird durchgeführt vom VerbraucherService Bayern. Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 0800-809802400.
Vorträge: Klimaschutzmanagerin Kathrin Kimmich macht immer wieder Informationsabende zu Wärmenetzen als Alternative für ältere Häuser. Der nächste ist am 5. Februar um 19Uhr im Spitalstadl, Marktplatz 10 in Freystadt. Am 18.März spricht sie um 19Uhr im Gasthaus Neugebauer in Parsberg-Hernried über das Heizungsgesetz.