Panische Angst vorm Autofahren: So lernt man, die Furcht zu besiegen

Von Peter Romir · 1. Februar 2024 um 16:08

Autofahren bedeutet für viele Menschen Stress. Für manche sogar so viel, dass sie sich gar nicht mehr ans Steuer trauen. Oder lange Umwege in Kauf nehmen, um nicht auf die Autobahn zu müssen. Wie sich das ändern lässt, weiß Alexandra Bärike, Diplompsychologin und Fahrlehrerin.

Seit genau 20Jahren hilft sie Menschen mit Fahrangst nicht nur zurück auf die Autobahn, sondern auch zu einem gesundem Selbstbewusstsein. Die Kölnerin ist in ganz Deutschland aktiv – auch in der Region Neumarkt.

Frau Bärike, wie kamen Sie dazu, sich auf Angst im Auto zu spezialisieren?

Alexandra Bärike: Ich habe mir meinen Traum vom Psychologiestudium damit finanziert, dass ich zehn Jahre als Fahrlehrerin gearbeitet habe. Dabei lernte ich die Ängste der Fahrschüler kennen und es lag nahe, die beiden Dinge miteinander zu verbinden.

Woher kommt eigentlich der hohe Stresspegel beim Autofahren?

Der Straßenverkehr ist ja ein sozialer Raum. Darin sind wir ständig mit den Wünschen anderer konfrontiert: Autofahrer etwa, die drängeln oder Beifahrer, die einen kritisieren Aber auch die eigene Erwartung, möglichst schnell und perfekt sein zu müssen. Um da gelassen zu bleiben, braucht es ein gutes Selbstbewusstsein.

Wie trainieren Sie dieses Selbstbewusstsein?

Als erstes schauen wir uns die Ursachen an: Warum haben die Menschen so eine starke Belastung? In der Regel ist es beruflicher oder privater Stress, der dahintersteckt. Den muss man zuerst weitgehend in Ordnung bringen – dann erst kann das Konfrontationstraining beginnen.

Konfrontationstraining? Das bedeutet sie scheuchen die Leute mit Vollgas auf die Autobahn?

Nein (lacht), ein gutes Konfrontationstraining ist sehr, sehr sanft. Man begibt sich in eine Situation, die ein klein wenig herausfordernder ist, als das, was der Mensch allein bewältigen kann. Wenn sich dann das Gefühl einstellt: „Das kann ich“, dann wird wieder ein kleines bisschen draufgesetzt.

Das Training ist also wesentlich mehr psychologische Sitzung als eine klassische Fahrstunde?

Richtig. Ich arbeite ja vorrangig mit Menschen, die wirkliche Panik-Attacken haben, die Teil einer Angst-Erkrankung oder eines Burnouts sind. Bei manchen kommt die Angst im Auto, bei anderen, wenn sie im Flugzeug oder ICE sitzen und wissen, es dauert fünf Stunden, bis die Türen wieder aufgehen.

Sind denn solche Panik-Attacken einmalige Ereignisse?

Leider nicht. Der Körper speichert die Umstände ab. Wenn ich einmal Panik auf der Autobahn hatte, merkt er sich die blauen Schilder, die Spuren oder die Tunnels und sendet beim nächsten Mal wieder Alarmsignale.

Betrifft die Angst vor dem Autofahren Männer und Frauen gleichstark?

Zu mir kommen definitiv mehr Frauen. Ich habe aber auch festgestellt, dass es Männern viel schwerer fällt, über ihre Ängste beim Autofahren zu sprechen. Das ist oft extrem schambehaftet und mit Selbstvorwürfen verbunden. Da hilft es erst mal mit der Angst angenommen zu werden.

Sind Menschen mit Panikattacken eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer?

Also ich hatte in 20Jahren noch keine Person, die aufgrund einer Panikattacke einen Unfall hatte. Denn zum Glück ist vieles beim Autofahren ja automatisiert und funktioniert auch unter Stress. Aber nach innen fühlt es sich trotzdem sehr schlimm an.

Was kann ich tun, wenn ich merke, dass ich Angst bekomme?

Atmen Sie tief durch und akzeptieren Sie Ihre Angst, ohne sie zu bewerten. Sie können sich darauf konzentrieren, tief bis in ihren Bauch einzuatmen und mit gespitzten Lippen verlangsamt auszuatmen. Oder Sie sprechen ein Mantra oder einen hilfreichen Satz aus. „Ich bleibe ganz bei mir“ oder „Meine Angst darf sein und ich schaffe das!“

Kann ich beängstigende Situationen auch ohne professionelle Hilfe trainieren?

Bei leichten Ängsten ja. Suchen Sie sich Stunden mit ruhigem Verkehr und eine Begleitung, die Ihnen Mut macht. Überfordern Sie sich nicht, sondern trainieren Sie lieber regelmäßig und leichter, so dass Sie mit einem Erfolgserlebnis das Training beenden. Bei großen Ängsten oder Panik sollten Sie sich professionelle Hilfe holen.

Training: Im Kreis Neumarkt finden wieder Fahrtrainings vom 12. bis 15. Februar, vom 18. bis 22. März und vom 8. bis 12. Mai statt.

Info und Anmeldung: www.angstfrei-autofahren.de