Landwirte blockieren A3-Auffahrten: So reagierten Pendler im Landkreis Neumarkt

Der Protest der Landwirte geht in die heiße Phase: In ganz Bayern blockierten Traktoren am Mittwoch Autobahnauffahrten. So lief der Protest im Landkreis Neumarkt an den A3-Zufahrten Oberölsbach, Neumarkt, Neumarkt-Ost, Velburg und Parsberg.
Der Verband LSV blockierte von 5 bis 9Uhr alle A3-Zufahrten im Landkreis Neumarkt mit Traktoren. Inhaltlich ging es den Landwirten vor allem um den Erhalt der Agrardieselrückvergütung für den Treibstoff ihrer Maschinen.
„Die Stimmung ist überwiegend positiv, vor allem die LKW-Fahrer reagieren sehr freundlich“, erzählt Regine Lehmeier. Die Dietkirchener Landwirtin hatte die Demonstration organisiert und sorgte gemeinsam mit einem Team von Ordnern und Vertretern der Polizei für einen reibungslosen Ablauf.
Denn auch wenn die Demonstration offiziell angemeldete wurde, durften die Landwirte nicht machen was sie wollen. Gemeinsam mit der Polizei und dem Landratsamt wurde im Vorfeld ein Plan entwickelt, wie der Protest so ablaufen kann, dass sich keine schwerwiegenden Verkehrsbehinderungen ergeben. So durften beispielsweise nur die Zufahrten, nicht aber die Abfahrten der Autobahn blockiert werden. Rettungsfahrzeuge, Winterdienst und Straßenmeisterei sollten weiterhin passieren dürfen und Rückstaus weitgehend vermieden werden.
Traktor-Ballett
In der Praxis lief das auf eine Art Traktor-Ballett hinaus: Zu einem vorher bestimmten Zeitpunkt drehen sich die schweren Maschinen zur Seite und lassen die Autos ungehindert durchfahren. Danach wird wieder blockiert. Am Autohof Berg kommt dieser Wechsel alle zehn Minuten. An weniger stark genutzten Zufahrten wie etwa Neumarkt-Ost entschied man sich für einen Wechsel alle halbe Stunde.
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„Wir wollen ja nicht die Autofahrer ärgern, sondern ein Zeichen an die Regierung senden, dass sie endlich mal einen anständigen Job machen soll“, sagt Regine Lehmeier. Für sie sei die Blockade eine „notwendige nächste Stufe der Eskalation, nachdem unsere bisherigen Aktionen das Problem noch nicht gelöst haben.“
Friedliche Proteste an fünf Auffahrten
Bei der Polizei zeigte man sich zufrieden mit der Umsetzung des Protests: „Die Landwirte haben sich absolut vorbildlich und friedlich verhalten“, sagt Martin Meier von der Polizeiinspektion Neumarkt. „Es wurde sich an allen fünf Zufahrten an alle vorher getroffenen Auflagen gehalten.“ Laut Angaben der Polizei waren an den fünf Auffahrten insgesamt etwa 70Traktoren und knapp 100Personen an dem Protest beteiligt. Alles sei friedlich und weitgehend störungsfrei verlaufen. Lediglich bei der Auffahrt Velburg habe der Fahrer eines Kleintransporters laut Polizei zu spät gebremst und sei einem Auto aufgefahren. Verletzt wurde niemand. Der Schaden beläuft sich auf circa 1500 Euro.
Autofahrer reagieren gelassen
Bei den betroffenen Autofahrern stieß die Aktion überwiegend auf Zustimmung: „Immerhin geht es hier um unsere Nahrung“, meinte ein Autofahrer. „Da ist es okay, wenn ich ein paar Minuten im Stau stehe.“
„Sie hätten uns vorher sagen können, dass es alle zehn Minuten weitergeht“, sagte ein anderer. „Das war nicht abzuschätzen und deshalb sind viele umgedreht und auf andere Straßen gefahren.“
Tatsächlich herrschte auf der Staatsstraße 2240 nach Berg an diesem Morgen wesentlich mehr Verkehr als auf der Autobahnzufahrt der Anschlussstelle Neumarkt. Hier endete der Rückstau schon lange vor dem Gewerbegebiet Habersmühle und dem Wohnmobilstellplatz von Fritz Berger. Zudem bot der direkt an der Ausfahrt gelegene Autohof die Möglichkeit, der Blockade auszuweichen.
Verständnisvolle Pendler
Wie ein Pendler aus Franken, der beschlossen hatte, den Protest als Pause zu nutzen, da er bereits in Nürnberg eine Blockade mitgemacht hatte: „Insgesamt war ich sicher eine Stunde länger unterwegs als geplant“, sagt er. „Aber für mich ist es in Ordnung. Schließlich sollte das Beispiel Gas doch gezeigt haben, wie wichtig es ist, grundlegende Rohstoffe nicht importieren zu müssen. Und Landwirte produzieren nun mal wichtige Lebensmittel.“
Ganze vier Stunden dauerte der Protest der Landwirte im Landkreis Neumarkt. In anderen Gegenden wurde die Aktion noch auf den Nachmittag ausgeweitet: „Für uns ist das kleine Zeitfenster am Morgen aber ideal gewesen“, meinte Organisatorin Regine Lehmeier gegen Ende der Aktion. Das liege unter anderem auch an ganz praktischen Dingen: „Die Hupen der Traktoren sind nicht für solchen Dauerbetrieb ausgelegt“, verriet Lehmeier. „Die meisten Maschinen geraten nach dieser Zeit an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.
Entscheidende Phase im Streit um Agrardiesel
Auch dass nur an einem Tag protestiert wurde – und nicht wie ursprünglich geplant an zweien – machte ihr nichts aus: „Anfang Februar sollen ohnehin noch mal separate Aktionen des Bayerischen Bauernverbandes stattfinden, da wären wir uns dann selbst in die Quere gekommen.“ Dass die Bauern gerade jetzt noch einmal ihr schweres Gerät auffahren hat einen Grund: Aktuell läuft im Bundestag die Haushaltswoche, bei der abschließend über die Ausgaben und Sparmaßnahmen des Bundes diskutiert wird. Heute soll im Bundestag die Entscheidung über den Agrarhaushalt fallen, morgen wird im Bundesrat ein Antrag des Freistaates Bayern auf „Rücknahme der Kürzungen des Bundes im Agrarsektor“ diskutiert.