Lobbyist Christopher Sieler unterstützt Neumarkter Landwirte mit seinem Fachwissen

Von Peter Romir · 19. Januar 2024 um 17:00

Christopher Sieler ist als Lobbyist für das Unternehmen Syngenta in Berlin. In Neumarkt plauderte er aus dem politischen Nähkästchen. Foto: Romir

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Berliner Lobbyist nach Neumarkt kommt. Im Fall von Agrar-Lobbyist Christian Sieler war es der Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung (VLF), der ihn nach Neumarkt holte um sich praktische Tipps für die eigene Öffentlichkeitsarbeit abzuholen. Sieler wollte die Gelegenheit aber auch nutzen, um mit ein paar Klischeevorstellungen über seinen Beruf aufzuräumen.

Seit vier Jahren ist er als Lobbyist für das chinesische Agrar-Chemiunternehmen Syngenta in tätig. Dort gehört es laut Sieler unter anderem zu seinen täglichen Aufgaben, die Politiker für Pflanzenschutzmittel und Saatgut zu begeistern.

Daher hatte er tatsächlich ein paar praktische Tipps für die Neumarkter: „Geht raus und erzählt den Menschen von Eurer Arbeit und was Eure Probleme sind“. Viele Menschen – gerade in der Großstadt Berlin – hätten keine wirkliche Vorstellung davon, was Landwirte tun. Das biete auch Chancen: „Vor dem Brandenburger Tor fühlen sich Traktoren fremd an – aber dadurch gewinnen sie auch Aufmerksamkeit.“

Abgeordnete als Kontakt nach Berlin

Eine weitere gute Möglichkeit sei, sich an die Abgeordneten aus dem jeweiligen Wahlkreis zu wenden: „Nach meiner Erfahrung werden alle Anfragen von Bürgern immer gelesen und beantwortet. Eine Garantie, dass die Wünsche auch erfüllt werden, gibt es aber nicht.“

Sieler spricht hier aus Erfahrung. Immerhin arbeitete er selbst drei Jahre im Büro des CSU-Bundestagsabgeordneten Thomas Silberhorn: „Es ist gut, dass ich die Abläufe und die Menschen vor Ort kenne, so fällt es mir leichter, die richtigen Ansprechpartner zu finden.“ Weiterhin sei es sinnvoll Anliegen genau zu formulieren: „Je präziser das Thema gefasst ist, desto kleiner wird der Kreis der zuständigen Personen.“

Die Macht der Lobbyisten – ein Klischee?

Natürlich kennt Sieler die Klischeevorstellungen über seinen Beruf: Mächtige Männer mit viel Geld, welche die Regierung aus dem Schatten heraus lenken. Seine Sicht auf die Dinge ist eine andere: „Für mich ist Lobbyismus in erster Linie ein Handwerk und zwar ein klar geregeltes.“ Zur Transparenz trage etwa das Lobbyregister des Bundestages bei, das alle Interessensvertreter in Berlin öffentlich sichtbar macht. Auch handele es sich bei der Arbeit eher um Diplomatie, als um Manipulation: „Es geht in erster Linie ums Zuhören, Verstehen und die Suche nach für alle tragbaren Kompromissen.“

Lobbyregister mit 6000Einträgen

Bei seinem Tun sei er weitgehend auf sich gestellt. Er habe weder ein Team noch große logistische Unterstützung, erzählt er. „Ich bin der einzige von meinem Unternehmen, der in Berlin vor Ort ist.“ Besonders viel Macht misst er sich deshalb nicht bei: „Im Lobbyregister des Bundestages stehen über 6000Organisationen. Da bin ich nur eine Stimme in einem großen Konzert von Meinungen aus den unterschiedlichsten Richtungen.“ Tatsächlich zeigt ein Blick auf www.lobbyregister.bundestag.de die enorme Bandbreite: Von der Kosmetiker-Innung über das Zentrum für KI-Risiken bis zur Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft. Sich in dieser Vielzahl überhaupt Gehör zu verschaffen, ist Sielers Aufgabe.

Landwirtschaft braucht Planbarkeit

Aufgewachsen ist er im Sauerland. Seine Familie hatte land- und forstwirtschaftliche Betriebe, so dass ihm die Vertretung einer Agrar-Firma leicht fällt. Zu den aktuellen Bauernprotesten will er sich nicht direkt äußern, aber seine Grundmaximen sprechen auch so eine deutliche Sprache: „Landwirtschaft braucht Planbarkeit“, ist er sich sicher. „Es ist immer besser, langfristige Strategien zu entwickeln, als ad hoc Probleme lösen zu müssen.“