Berching bei Touristen beliebt – Höchstwert aus dem Jahr 2000 aber unerreichbar

Von Bernhard Neumayer · 29. Januar 2024 um 19:00

Radfahrer und Wanderer im Naturpark Altmühltal sowie Tagungsgäste von Firmen: Die Großgemeinde Berching im Landkreis Neumarkt steht bei Gästen rein statistisch nach wie vor hoch im Kurs, wie die aktuellen Übernachtungszahlen belegen. Doch wie fällt die Jahresbilanz von Hoteliers wirklich aus?

Markus Plank, Vorsitzender der Tourismusgemeinschaft Berching, ist nach eigenen Angaben „hochzufrieden“, was er im Frühjahr und Sommer 2023 gesehen hat – nämlich viele Touristen. Der Chef des Brauereigasthofs Winkler macht das daran fest, dass die Sitzplätze der Außengastronomie in Berching voll gewesen seien. Natürlich sei jetzt im Winter nicht so viel los. „Aber in der Gesamtheit steht Berching hervorragend da“, sagt Plank, der froh sei, dass die Altstadt so schön saniert worden sei. Dadurch bekomme Berching noch mehr Flair.

Tagungsgäste statt Touristen in Berching

Zurückhaltender fällt das Fazit von Egon Schmidt aus. Es seien schon mal mehr Touristen in Berching gewesen, empfindet der Wirt der Gewürzmühle. Schmidt hat das Gefühl, dass nach den Corona-Jahren, in denen viele den Urlaub in Deutschland entdeckt haben, 2023 wieder mehr Touristen ins Ausland geflogen seien.

Dennoch sei er mit den Übernachtungszahlen zufrieden. Die 43 Zimmer und Suiten der Gewürzmühle seien überwiegend von Tagungsgästen belegt worden. In diesem Bereich verzeichne die Gewürzmühle eine steigende Tendenz. „Dadurch können wir die niedrigere Zahl an Touristen etwas verschmerzen“, sagt Schmidt.

Auch im Hotel Post in Berching sorgen vor allem Tagungsgäste und Geschäftsreisende für ein „signifikantes Geschäft“, wie Inhaberin Denise Amrhein auf Nachfrage mitteilt. Die Zahl der Touristen beschränke sich auf die warmen Monate.

Und darin sei Berching nicht mit Beilngries zu vergleichen, sagt Amrhein, die mit ihrem Mann Christian neben der Post in Berching auch das Hotel Fuchsbräu in der Nachbargemeinde betreibt. „In Berching ist die Zahl der Touristen nicht die Welt, aber es ist trotzdem ordentlich“, findet Amrhein, die 2023 zwar keine „bombastische“ Saison erlebt hat, wie sie sagt. Aber zufrieden sei sie dennoch mit der Auslastung der Zimmer in der Post. „Und über die Auslastung unseres Biergartens können wir uns überhaupt nicht beschweren“, sagt Amrhein.

Auch Markus Meyer ist sehr zufrieden mit der abgelaufenen Tourismussaison – der ersten mit dem neuen Wohnmobilstellplatz an der Stampfermühle. Mit rund 500 Übernachtungen habe der Betreiber im Premieren-Jahr gerechnet. Am Ende sind es nach Angaben von Meyer mit 1060 mehr als doppelt so viele geworden. Das sei überwältigend – macht insgesamt aber natürlich nur einen kleinen Anteil aus.

Von 1. Januar bis 30. November 2023 meldet die Stadt Berching 44.880 gewerbliche Übernachtungen. Die Zahlen für Dezember liegen nach Angaben der Stadt noch nicht vor. Ob die Übernachtungszahlen der gewerblichen Betriebe (ab neun Betten) 2023 das Niveau von 2022 (46.128Übernachtungen) erreicht hat, ist demnach unklar. Deutlich zu erkennen ist aber, dass das Tal der Corona-Jahre 2020 und 2021 (27.623 bzw. 32.998 Übernachtungen) in den vergangenen beiden Jahren überwunden wurde.

Tourismus in Berching: 2003 war schwächstes Jahr

Die 44.880 gewerblichen Übernachtungen 2023 – private Unterkünfte mit weniger als neuen Betten sind dabei nicht erfasst – liegen auch jeweils über den Zahlen der Vor-Corona-Jahre. Diese pendelten sich im Zeitraum von 2008 bis 2019 zwischen 37.130 Übernachtungen (2011) und 44.022 Übernachtungen (2013) ein.

Der niedrigste Wert im 21.Jahrhundert – die beiden Corona-Jahre ausgeklammert – lag im Jahr 2003 bei 36.881 Übernachtungen. Ein Ausreißer nach oben stellte 2007 dar – mit 47.801 Übernachtungen.

An die touristisch besten Zeiten in den vergangenen 23 Jahre kommen die 47.801 Übernachtungen von 2007 aber nicht heran. 2001 meldete die Stadt Berching in der gesamten Großgemeinde 65.345 gewerbliche Übernachtungen, im Jahr zuvor gar 70.687 – ehe die Zahl 2002 auf einen Schlag auf 41.732 Übernachtungen nach unten sauste. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand: 2002 machte das frühere Hotel Post dicht, das ein Garant für hohe Übernachtungszahlen war.

Betrachtet man die vergangenen Jahre, bewegt sich Berching auf einem „gleichbleibenden guten Niveau“, wie die Stadt die Zahlen auf Nachfrage einstuft. Neben den gewerblichen Betrieben trage auch der private Sektor (etwa Ferienwohnungen mit weniger als neun Betten) zum Wirtschaftsfaktor bei. Diese Zahl schätzt die Stadt aber nur: 2022 lag sie bei 8700 Übernachtungen.