„Jedes mal aufs Neue eine Überwindung“: Bad Kötztinger geht regelmäßig zum Eisbaden

Andreas Oexler aus Bad Kötzting (Landkreis Cham) geht regelmäßig nach der Wim-Hof-Methode im Blaibacher See zum Eisbaden. „Neugier“, „Zeitvertreib“ und das Austesten der positiven Effekte haben ihn und seine Freunde anfangs gereizt. Wir haben ihn beim Eisbaden mit der Kamera begleitet und uns die Meinung eines Chamer Kardiologen eingeholt.
Sonntagmittag im Januar. Die Sonne scheint. Der Himmel über dem zugefrorenen Blaibacher See ist leicht bewölkt. Die Thermometeranzeige rutscht allmählich gegen Null, je länger es auf dem Seeufer liegt. Andreas Oexler (26) tritt aus dem roten Bootshäuschen heraus: er trägt eine Winterjacke, Handschuhe, und eine kurze rote Badehose. Er hat Neoprenschuhe an, über seine Schulter hat er eine Spitzhacke geworfen.
Es ist angerichtet, um ein Loch in den zugefrorenen See zu schlagen. Der Bad Kötztinger will dort nämlich eisbaden gehen. Das macht er seit 2020 regelmäßig. „Ich bin über Freunde und Wim Hof zum Eisbaden gekommen. Ein Jahr lang war mal eine Flaute, aber seitdem bin ich drangeblieben“, sagt der 26-Jährige im Gespräch mit unserer Mediengruppe. Neugier, Zeitvertreib und das Austesten der positiven Effekte haben ihn und seine Freunde damals gereizt, erzählt er.
Die Wim-Hof-Methode
Über das Eisbaden hat sich Oexler unter anderem mit dem Buch „Nie wieder krank“ von Wim Hof und Koen de Jong informiert. Wim Hof kommt aus den Niederlanden, ist Extremsportler und wird auch The Iceman genannt. Auf ihn ist die Wim-Hof-Methode zurückzuführen, die aus drei Komponenten besteht: Atemübungen, Kältetraining und Einsatzwille. Diese Kombination solle sich positiv auf die Gesundheit auswirken.
Leute am Ufer beobachten Andreas Oexler
Zurück am Blaibacher See. Dort, wo im Sommer die Kanus aus dem Wasser gezogen werden, steht ein Mann mit seinen zwei Söhnen. Als sie den Bad Kötztinger in seinem – für einen Wintertag – sonderbaren Outfit erblicken, werden sie ganz still und fangen an, ihn zu beobachten. Oexler steigt auf den zugefrorenen See und geht einige Meter hinein. Plötzlich bleibt er stehen. Er beginnt, das Eis mit der Spitzhacke einzuschlagen. Es platscht und klirrt. Kurze Zeit später ist ein Loch in der Eisdecke. „Wenn ich vorher das Eis einschlagen muss, reicht das zum Aufwärmen.“
Vier- bis fünfmal die Woche habe er das Eisbaden durchgezogen. Im Moment schafft er es nur noch am Wochenende, da er unter der Woche wegen seines Teilstudiums zum Lehrer für Sport, IT und Werken in Bayreuth lebt, und es dort „nur knöchelhohes Gewässer“ gibt, sagt er.
Um sich an das Eisbaden heranzutasten, sind Andreas Oexler und seine Freunde anfangs bereits ab September regelmäßig in den See gehüpft. „Im September ist das Wasser noch nicht so kalt, aber schon so kalt, dass es Überwindung kostet, reinzugehen.“ Dann haben sie sich „Woche für Woche langsam rangetastet“, um sich abzuhärten, erzählt er.
Es wird ernst – Jacke runter und rein ins Eisloch
Jetzt wird es ernst. Andreas kommt zurück ans Ufer, legt die Spitzhacke ab, zieht seine Jacke aus und geht geradewegs zurück zum Eisloch. Dort angekommen setzt er sich an die Kante. Erst steckt er seine Beine in das Loch hinein, nach ein paar Sekunden lässt er sich in das kalte Nass hineingleiten. Jetzt steht er bis zum Bauchnabel zwischen den Eisklumpen. Nach etwa eineinhalb Minuten geht er in die Hocke und sitzt dann im eiskalten Blaibacher See. Das Wasser reicht ihm bis zu Hals. „Ist’s kalt? Ich kann gar nicht zuschauen!“, ruft der Mann mit den zwei Söhnen Oexler zu. „Es geht eigentlich. Man stellt sich’s schlimmer vor, wie’s ist“, ruft er zurück.
„Es kostet jedes Mal aufs Neue Überwindung. Aber nach einer Zeit ist man es gewohnt und weiß, was einen erwartet.“ Etwa drei bis fünf Minuten dauert das Ganze. Dabei achtet Oexler darauf, dass seine Atmung gleich bleibt, also so wie im Normalzustand. „Ich probiere, nicht in die Schnappatmung zu kommen, dann ist das Gefühl gleich angenehmer.“
Es ist vollbracht. Andreas Oexler steigt mit einem breiten Grinsen aus dem Eisloch und kehrt zurück zum Ufer. Sein Körper ist komplett gerötet. Nun heißt es abtrocknen und sich anziehen, um den Körper wieder aufzuwärmen.
Glücksgefühle zeigen sich
Eisbaden soll unter anderem die Stimmung verbessern – bei Andreas hat es das offensichtlich getan. „Du schüttest danach Glücksgefühle aus, bist gut drauf und freust dich“, sagt Oexler. Zudem soll Stress verringert, die Durchblutung verbessert, das Immunsystem angekurbelt und viele Krankheiten wie Rheuma oder Depression besiegt beziehungsweise gelindert werden. Oexler war, wie er sagt, nicht mehr krank, seitdem er regelmäßig Eisbaden geht.
Die Vorteile bestätigt auch Prof. Stefan Buchner, Chefarzt und Facharzt für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie bei den Sana Kliniken des Landkreises Cham. „Eisbaden scheint den Organismus auf vielfältige Weise positiv zu beeinflussen“, teilt Prof. Buchner auf Nachfrage mit. Jedoch zeigten sich die positiven Effekte nur dann, wenn man das Eisbaden auch regelmäßig betreibt.
Trotz all der Vorteile sei Vorsicht geboten. „Langsames Gewöhnen an die Kälte ist bedeutsam, besonders für Anfänger. Ideal wäre es, im Sommer mit dem Baden im See oder Fluss zu beginnen und dies dann durch die Jahreszeiten bis in den Winter hinein fortzusetzen. Auch Wechselduschen nach Kneipp oder Saunagänge mit anschließender eiskalter Dusche sind eine gute Vorbereitung auf das Eisbaden. Wichtig ist, auf den Körper zu hören und das Baden sofort abzubrechen, wenn es unangenehm wird. Es ist und bleibt ein Schockzustand für den Körper, daher sollte man nicht alleine eisbaden, um im Notfall Hilfe zu haben“, so Prof. Buchner.
Bei Vorerkrankungen wie Bluthochdruck sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Auch bei einer akuten Erkältung sei das Eisbaden nicht geeignet. „Im schlimmsten Fall und insbesondere bei langen Eisbädern kann es durch das zu starke Absinken der Körperkerntemperatur zu Erfrierungen, Unterkühlung, Bewusstseinsstörungen und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen“, so Prof. Buchner.


