Tat am helllichten Tag – und keiner hat was gesehen? Rätsel um Vergewaltigung in Regensburg

Von André Baumgarten, Philip Hell · 25. Januar 2024 um 18:39

Dieser Fall erschüttert Regensburg: Vor wenigen Tagen soll eine 27-Jährige im Fürst-Anselm-Park vergewaltigt worden sein. Während die Tat vielen Regensburgern keine Ruhe lässt, ermittelt die Polizei mit Hochdruck.

Zum Zeugenaufruf „gingen bisher keine wesentlichen Hinweise ein“, sagt Polizeisprecher Claus Feldmeier. Videoüberwachung und mehr Beleuchtung, die Polizei und Stadtoberhaupt zuletzt in Aussicht gestellt hatten, lassen auf sich warten.

Die Mittelbayerische hat sich am Donnerstagmittag vor Ort umgehört. Ab und zu fällt ein schwacher Sonnenstrahl auf das Geäst, in dem die 27-Jährige vergewaltigt worden sein soll. Ein Ehepaar schlendert vorüber. Am Obelisken bleiben sie stehen. Ob sie von der Tat schon gehört haben? „Wir haben gerade drüber geredet“, sagt die Frau. „Natürlich beschäftigt uns das. Wie kann es sein, dass so etwas am helllichten Tag auf einem belebten Platz passiert? So etwas läuft doch nicht geräuschlos ab!“ Ihr Mann wirft ein: „Die Medien schreiben von Büschen. Wo sind hier bitte Büsche?“ Er zeigt auf das Geäst am Wegrand. „Wenn die Leute da vorbeigehen… Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“

Vergewaltigung in Regensburg: Kollektives Kopfschütteln

Der Park ist belebt. Menschen zieht es zum Bahnhof, manche gehen Bummeln. Viele Tagesgäste schlendern durch den Park. Von der Tat haben sie nichts mitbekommen, sagen einige. Aber der Regensburger Bahnhof, das wissen sie alle, der sei gefährlich. Eine Gruppe junger Migranten geht in Richtung Schwammerl. Ob sie von der Vergewaltigung gehört hätten? Sie schütteln den Kopf. Sie seien öfter am Bahnhof, aber nur für ein paar wenige Stunden. Und sonst? „Arbeit, viel Arbeit.“

Es geht auf 13 Uhr zu. Zwei junge Frauen kommen vorbei. Natürlich haben sie von der Vergewaltigung gehört. „Sowas passiert schon öfter. Man hofft natürlich immer, dass man selbst nicht betroffen ist.“ Die beiden versuchen, den Park abends zu meiden. „Es ist schon sehr dunkel hier. Vielleicht sollte man ein paar Bäume wegschneiden.“ Immerhin stehe die Polizei nun öfter hier. Die beiden haben schon einen Selbstverteidigungskurs gemacht. „Da braucht mir keiner herzukommen“, sagt eine von ihnen selbstbewusst. Eine andere junge Frau arbeitet in der Nähe. Sie ist der Ansicht, dass das Sicherheitsrisiko für Frauen generell nachts höher ist. „Das beschäftigt alle Frauen – und es geht nicht nur von Migranten aus.“

Der jüngste Fall geschah am helllichten Tag. Doch kann es wirklich sein, dass mitten in Regensburg niemand mitbekommen hat, dass eine junge Frau vergewaltigt wird? Florian Rottke war am Freitag im Schwammerl. Er betreibt das Kult-Café seit Sommer 2022. „Der Tag war tatsächlich sehr ruhig.“ Gerade deshalb stutzte er beim Lesen der Polizeimeldung. Das Opfer soll am Schwammerl angesprochen worden sein – „Ich habe nichts gesehen“, sagt der Brücke-Stadtrat.

Drogenverkauf zuletzt deutlich abgenommen

Rottke habe mittlerweile „einen Blick dafür bekommen, wenn etwas nicht stimmt“. Der Drogenverkauf habe zuletzt deutlich abgenommen – ob wegen des Wetters oder den verstärkten Kontrollen vermag er nicht zu beurteilen. Was passiert sei, sei „ein schreckliches Verbrechen, und ich hoffe, dass es schnell aufgeklart wird“. Für gefährlich halte er den Fürst-Anselm-Park tagsüber dennoch nicht.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Neun Sexualdelikte gab es laut Polizei 2022 im Bahnhofsviertel. Aktuelle Zahlen für 2023 gibt es erst im März mit der Kriminalstatistik. Die Steigerung wird „einen Höchstwert über die letzten Jahre darstellen“, so Feldmeier. Im aktuellen Fall wären wenige Hinweise gekommen, es seien aber mehrere Personen ermittelt und befragt worden. Zeugen könnten sich weiter unter Tel. (09 41) 50 62 88 8 melden.

Die Chancen, die zwei Männer zu finden, stehen nicht schlecht: Zum einen dürften die auffälligen Tattoos auf dem Handrücken eines Täters die Suche erleichtern, zum anderen ist der Bereich um den Tatort großflächig videoüberwacht. Daher stehe „die Auswertung der Videoaufzeichnungen im Bahnhofsumfeld im Fokus“, erklärt Feldmeier.

Wo bleiben die Kameras?

Doch sollten nicht bessere Beleuchtung und Videokameras für Sicherheit sorgen? Mehr Videoüberwachung sei „in der Planung und Prüfung“, so die Polizei. Man befinde sich im Austausch mit der Stadt als Sicherheitsbehörde und anderen relevanten Stellen. Die Prüfung rechtlicher wie technischer Voraussetzungen laufe – auch für den Bereich am Schwammerl. Der wäre auch vor der Tat bereits Teil der Pläne gewesen. „Die Polizei hat hier den Hut auf“, sagt dazu Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra.

Für neue Straßenlaternen im Bereich der Allee am Fürst-Anselm-Park warte man noch ab, was für die Videokameras notwendig wäre. „Das greift ineinander, aber wir sind im engen Austausch.“ Und auch die Naturschutzbehörde habe in diesem „sensiblen und geschützten Bereich am Schlosspark“ ein Mitspracherecht, so von Roenne-Styra. Wann es Kameras und Laternen geben wird, vermochte niemand zu sagen.