Burglengenfeld: Räte stemmen sich erneut gegen Großprojekt für Johann-Sebastian-Bach-Straße

Von Thomas Rieke · 26. Januar 2024 um 05:00

Wie viel Nachverdichtung verträgt der Burglengenfelder Stadtteil Wölland? Diese Frage beschäftigt die Mitglieder des Bauausschusses seit Jahren. Auslöser waren die Pläne für ein Grundstück in der Johann-Sebastian-Bach-Straße. Der langen Geschichte wird nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt.

Weil eine alte Baugenehmigung mittlerweile ihre Gültigkeit verloren hat und sich bauordnungsrechtliche Grundlagen geändert haben, sah sich ein Investor gezwungen, für den geplanten Neubau von Mehrfamilienhäusern in der Johann-Sebastian-Bach-Straße1 einen weiteren Anlauf zu unternehmen. Die Stadtverwaltung sieht die Voraussetzungen für die Genehmigung des Projekts nach wie vor erfüllt. Der Bauausschuss aber lehnte das Projekt einmal mehr ab – und zwar einstimmig.

Das Vorhaben sorgte bereits 2017, als das 3300 Quadratmeter große Grundstück einem anderen Bauträger gehörte, für Schlagzeilen. Nachbarn hatten geklagt, die Baukörper seien mindestens eine Nummer zu groß und fügten sich nicht in das Umfeld ein. Eine Anwohnerin ging sogar gerichtlich gegen das Vorhaben vor, zog aber den Kürzeren.

Neuer Investor wollte noch mehr als der Vorgänger

Dann wechselte das Areal erneut den Eigentümer – und der legte noch ehrgeizigere Pläne vor. Plötzlich war nicht mehr von zwei Gebäuden mit jeweils zwölf Wohnungen die Rede, sondern von drei Baukörpern mit bis zu 34 Einheiten. Zwar wurden einige wenige Wohnungen später wieder gestrichen, aber dem Bauausschuss reichte das nicht. Er lehnte die Pläne ab, die Nachverdichtung sei an dieser Stelle zu stark.

Das Landratsamt sieht keine Gründe, die eine Verweigerung der Zustimmung zuließen. Doch der Bauausschuss beauftragte die Verwaltung mit einer Klage gegen die Genehmigung. Mehr dazu lesen Sie hier.

Selbst als das Landratsamt als Genehmigungsbehörde wenig später unmissverständlich klar machte, dass der Investor einen Anspruch auf Genehmigung habe, weil sein Konzept alle planungsrechtlichen Vorgaben erfülle, blieb der Bauausschuss bei seiner Linie. Die Verwaltung wurde beauftragt, gegen die Genehmigung zu klagen.

Ende 2022 war es tatsächlich so weit. Doch entschieden hat das Verwaltungsgericht Regensburg darüber bis heute nicht. Laut dem geschäftsführenden Beamten Gerhard Schneeberger gab es noch nicht einmal eine Rückmeldung.

Investor bereitet sich auf Niederlage vor

Ungeachtet dessen trifft der Investor offenbar schon Vorkehrungen für eine Niederlage. Er brachte nämlich jetzt das ursprüngliche Konzept wieder aufs Tapet, das lediglich 24Wohnungen, verteilt auf zwei Häuser, vorsieht. Die Genehmigung dafür war schon vor geraumer Zeit abgelaufen, außerdem hat die Stadt zwischenzeitlich eine Satzung geändert, die unter anderem vorschreibt, wie viele Stellplätze vorgehalten werden müssen. Für die vorliegenden Pläne erhöht sich die Zahl von 36 auf 42, berichtete Schneeberger. Hinsichtlich der Abstandsflächen ergäben sich nach ansatzweiser Prüfung aber nur geringfügige Änderungen.

Kurzum: Die Verwaltung empfahl am Mittwoch erneut, das Vorhaben abzusegnen. Doch im Gremium vertrat man eine grundsätzlich andere Auffassung, und auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) positionierte sich gegen den Beschlussvorschlag der Bauverwaltung. Das Vorhaben füge sich nach wie vor nicht gut genug in die Umgebung ein, sagte er. Entscheidend sei nicht, ob es in einiger Entfernung vielleicht bereits einen vergleichbaren Baukörper gebe, ausschlaggebend sei für ihn die direkte Nachbarschaft.

Stadtrat des Bürgerforums hat grundsätzliche Zweifel am Bedarf

Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, sagte, auch ihm seien die Pläne unverändert zu wuchtig. Als Alternative zu den geplanten Blöcken könne er sich aber durchaus mehrere Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften vorstellen. Hans-Edmund Glatzl (BFB) äußerte grundsätzliche Zweifel am Bedarf der geplanten Wohnungen. Wer sich in Burglengenfeld genauer umschaue, werde etliche Leerstände feststellen. Trotzdem versuche ein Investor auf Biegen und Brechen, etwas Neues „reinzuknallen“. Das wolle er, Glatzl, auf alle Fälle verhindern.

Bernhard Krebs (SPD) brachte einmal mehr die Ohnmacht des Gremiums ins Spiel. Man sei sich einig, dass das Projekt für Wölland ungeeignet sei – werde aber vom Landratsamt wieder übertrumpft werden. Unterm Strich bliebe wieder nur der Klageweg. Krebs wörtlich: „Man kommt sich als Stadtrat durchaus schon mal etwas hilflos vor.“