34 neue Wohnungen im Stadtteil Wölland
Groß war die Entrüstung 2017 im Burglengenfelder Stadtteil Wölland, als ein Investor ankündigte, er wolle auf dem rund 3300 Quadratmeter großen Grundstück in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 1 zwei Wohnblöcke mit jeweils zwölf Einheiten errichten. Die Pläne wurden nicht realisiert, doch nun versucht ein anderer Bauträger, die neu gegründete Oktagon GmbH aus Regensburg, ihr Glück. Sie beabsichtigt den Bau von drei Gebäuden mit 34 Wohnungen.
Am Donnerstag präsentierte Diplom-Ingenieur Günther Gruber, Prokurist bei der Firma Steininger, im Namen von Oktagon dem Bauausschuss das Konzept. Er hatte genau beobachtet, wie kontrovers das Vorhaben von 2017 in den kommunalpolitischen Gremien diskutiert worden war. Auch die (letztlich gescheiterten) Bemühungen einer Anwohnerin, das Projekt juristisch zu verhindern, verfolgte er aufmerksam. Insofern gab er sich keinen Illusionen hin und rechnete auch jetzt mit Widerspruch.
Pläne, die „der Stadt guttun“?
„Ich kann mir vorstellen, was in Ihren Köpfen vor sich geht“, sagte Architekt Gruber. 2017 sorgten schonzwei Blöcke mit zwölf Wohnungenfür Aufregung – und nun setze ein anderer Investor noch eins drauf. Aber Gruber beteuerte, er habe vieles anders gemacht als der Vorgänger und ein Konzept entwickelt, „das der Stadt guttun wird“. Mit Fakten versuchte er, diese These zu untermauern.
Laut Gruber fügen sich die neuen Baukörper besser in die Hanglage ein. Die Firsthöhe sei deutlich niedriger als die des Projekts von 2017. Man habe sich für eine Tiefgarage entschieden, um die Autos weg von der Straße zu bringen. Es gebe einen Innenhof mit Spielplatz. Die Nachbarschaft außenherum sei so optimal geschützt. Auch sei das Konzept geprägt von Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Die Flachdächer würden begrünt und mit Photovoltaik bestückt. Für die Heizung setze man auf eine „intelligente“ Wärmepumpenlösung; Regenwasser werde effektiv bewirtschaftet.
„Bezahlbarer Wohnraum“ für diverse Lebensmodelle
Die Wohnungen seien zwischen 46 und 109 Quadratmeter groß. Der Investor spreche also alle Generationen und Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen an. Dank verbesserter Fixkostenverteilung hielten sich die Kaufpreise in Grenzen. Gruber sprach von „bezahlbarem Wohnraum“.
Stadtbaumeister Franz Haneder berichtete, die Pläne seien das Ergebnis mehrerer intensiver Besprechungen. Die Experten der Verwaltung hätten sie genauso kritisch begutachtet wie die des früheren Investors. Unterm Strich halte man sie für in Ordnung. Die Mitglieder des Ausschusses sparten ebenfalls nicht mit Lob – weigerten sich aber letztlich einstimmig, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen.
Einen Bebauungsplan verschlafen?
Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, merkte an, vieles, was Architekt Gruber vorgeschlagen habe, gehe „in die richtige Richtung“. Trotzdem könne er das Projekt nicht befürworten. Die Bedenken der Anlieger seien schon 2017 zu massiv gewesen. Bernhard Krebs (SPD) sagte, in seiner Münchner Zeit wäre er froh gewesen, wenn in seiner Nachbarschaft Gebäude entstanden wären, die dem nun vorliegenden Format entsprochen hätten. „Aber wir sind eben in Burglengenfeld.“ Die Stadt, so gab Krebs zu bedenken, sei in den letzten Jahren rasant gewachsen, der Kommune sei es aber nicht gelungen, die Infrastruktur anzupassen. „Diesen Versäumnissen müssen wir uns nun stellen.“ Er habe keine Lust, auch künftig für Kindergärten immer wieder Containerlösungen beschließen zu müssen.
Gregor Glötzl (BWG) bescheinigte Gruber, das Projekt füge sich in die Umgebung ein. Gleichzeitig warnte er vor einer Zustimmung. Damit würden weiteren Vorhaben ähnlicher Größe im Quartier Tür und Tor geöffnet. Norbert Wein von den Grünen fand anerkennende Worte für das „Konzept der Nachhaltigkeit“, doch auch er sei gegen „Nachverdichtungum jeden Preis“. Josef Schießl (FWL) schlug vor, den Charakter des Viertels durch einen Bebauungsplan zu schützen.
Anlieger aus dem Quartier sind entsetzt
Das wäre grundsätzlich möglich, so der Leiter der Bauverwaltung, Gerhard Schneeberger. Doch die Idee kommt zu spät. Günther Gruber erklärte auf Anfrage, er habe zwar Verständnis für die Haltung der Räte, doch rechtlich sei der Bauträger auf der sicheren Seite. Aus Gesprächen mit der Verwaltung und dem Landratsamt dürfe er schließen, dass die Pläne den Segen der Genehmigungsbehörde bekämen. Der Antrag werde nun abschließend eingereicht, die Stadt leite ihn ans Landratsamt weiter. In Kürze wolle Oktagon die Nachbarn schriftlich über das Vorhaben informieren.
Zu den Adressaten zähltGottfried Zeis. Er hatte am Dienstag von den neuen Plänen erfahren. Seine erste Reaktion: „Wir sind entsetzt. Vor allem wundert es uns, dass das Vorhaben bereits im Bauausschuss verhandelt wird, wo wir noch nicht einmal um eine Unterschrift gebeten wurden.“