Wirtschaftskrimi in Regensburg: Ex-Mitarbeiter klaut Kundendaten im Millionenwert

Von André Baumgarten · 26. Januar 2024 um 05:00

Spionageverdacht gegen Mann aus dem Landkreis Regensburg führt zu Heroinfund: Als die Kripo im August zur Hausdurchsuchung anrückt, geraten ursprüngliche Vorwürfe bald ins Hintertreffen. Nun muss der Beschuldigte vor Gericht.

Was ein Big Player aus der Photovoltaik-Branche im Sommer anzeigt, liest sich wie ein Wirtschaftskrimi: Kundendaten im Wert von rund zehn Millionen Euro soll ein Ex-Mitarbeiter ausspioniert und gestohlen haben – um selbst Geschäfte zu machen und sie womöglich einem Mitbewerber anzubieten. Das ist als gewerbsmäßige Verletzung von Geschäftsgeheimnissen strafbar. Trotz Geständnis wurde das Verfahren gegen den jungen Mann eingestellt – 57 Gramm Heroin wurden ihm zum Verhängnis.

Als die Ermittler der Kriminalpolizei im August 2023 zu einer Hausdurchsuchung anrückten, sollten sie Beweise für einen beispiellosen Datendiebstahl finden. Gigabyte von detaillierten Kundeninfos, Preislisten und Geschäftsunterlagen sollen vom Server eines namhaften Photovoltaik- und Solarunternehmens aus dem Raum Regensburg gezogen worden sein.

Der Verdacht fiel früh auf den jungen Mann. Das bestätigte der Regensburger Strafverteidiger Jörg Meyer, der als Anwalt die Interessen der Firma vertritt. Details zu dem Fall will er jedoch nicht preisgeben. „Wir sprechen hier von einem hochsensiblen Bereich und von Millionenwerten.“

Unternehmen erstattet selbst Anzeige

Laut MZ-Recherchen war es eine Strafanzeige der Firma, die auf die Spur des Mannes führte. Zuständig war das auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Kommissariat 3 der Kripo in Regensburg. Die Ermittler übernahmen den heiklen Fall. Und sie wurden offenbar schnell fündig: Der junge Mann, der gerade sieben Monate im Dienste des Unternehmens gestanden und dann im Frühjahr 2023 gekündigt haben soll, geriet in den Fokus. Er soll versucht haben, einen Ex-Kollegen für seine Idee zu begeistern.

Genau diesem Zeugen offenbarte der Beschuldigte aus dem Landkreis Regensburg sein Geheimnis: Er habe alle Dateien vom Firmenserver heruntergeladen und gespeichert. Stundenlang soll das gedauert haben. Seine Pläne scheinen bereits sehr konkret gewesen zu sein. Um an Geld zu kommen, bat er seinen Kollegen, wohl absichtlich zu viel gelieferte Solarmodule bei einem Kunden abzuholen. Vom Erlös hätte er die nötige Software zur Projektierung von Photovoltaikanlagen bezahlen wollen, hieß es. Doch dazu kam es nicht. Genauso wenig wie zur angedachten Abwerbung von Monteuren – der Zeuge informierte nämlich seinen Arbeitgeber.

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Nur kurze Zeit später erließ das Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss wegen gewerbsmäßiger Verletzung von Geschäftsgeheimnissen. Beim unangemeldeten Hausbesuch stellten die Fahnder aber nicht nur Datenträger und Laptops sicher. Die Kripo fand zudem Rauschgift bei dem jungen Mann. Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher auf MZ-Nachfrage bestätigte, wurden im August 2023 in der Wohnung 57 Gramm Heroin und geringe Mengen von anderen Drogen beschlagnahmt.

Wegen Drogenhandels angeklagt

Weitere Ermittlungen hätten schließlich zu dem Verdacht geführt, dass der junge Mann nur wenige Tage vor dem Zugriff zehn Gramm Heroin verkauft haben soll. Daher wurde er zum Schöffengericht in Regensburg angeklagt. Die Vorwürfe lauten auf Besitz und Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte. Das Strafgesetzbuch sieht für derartige Fälle eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr vor, in minderschweren Fällen drei Monate bis zu fünf Jahre.

Einziger kleiner Lichtblick für den Beschuldigten: Die Vorwürfe hinsichtlich des Datenklaus bei seinem Ex-Arbeitgeber wurden vorläufig fallengelassen. „Das Verfahren wurde eingestellt, weil ihm in Bezug auf den Betäubungsmittelvorwurf letztlich eine deutlich höhere Strafe droht“, erklärte Rauscher.