Statt Hohenbogenliste: Warum Eschlkams Bürgermeister Florian Adam zu den Freien Wählern geht

Von Stefan Weber · 24. Januar 2024 um 05:00

Im Hohenbogenwinkel sorgt der Bürgermeister von Eschlkam nicht nur in der politischen Landschaft für Aufsehen: Er will zum einen nicht mehr auf der Hohenbogenliste kandidieren und sich zum anderen auch politisch umorientieren.

Florian Adam ist seit 2020 Bürgermeister der Marktgemeinde Eschlkam, und er stand damals auch als Kandidat für den Kreistag zur Wahl – an Stelle 33 auf der Liste mit 60 Namen; Bürgermeister des Marktes wurde er mit deutlichem Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten, doch für den Kreistag reichten rund 6100 Stimmen und Platz neun letztlich nicht. Ein Wahlausgang, der den heute 44-Jährigen künftig nicht mehr zu beschäftigen braucht, denn er hat dem Vorsitzenden der Liste, Rimbachs Bürgermeister Heinz Niedermayer mitgeteilt, dass er nicht mehr dort antreten werde.

Gründe gebe es viele, sagt Adam im Gespräch mit unserer Zeitung – am häufigsten fällt der Satz: „Das haben wir immer so gemacht, das ist mir zu wenig.“ Für ihn sei es nach drei Jahren in der Kommunalpolitik zur „Halbzeit“ der Wahlperiode an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen, und das habe bedeutet, die Konsequenzen zu ziehen und die seit 1996 bestehende Hohenbogenliste (HBL) zu verlassen.

Reine „Kreistagsliste“?

Technisch gesehen sei die vor allem dazu da, um den Mitgliedsgemeinden Eschlkam, Neukirchen b. Hl. Blut, Arnschwang, Rimbach und Gleißenberg zu Gewicht im Kreistag zu verhelfen. Ein Konzept, das mit sechs und fünf Sitzen im Prinzip in den vergangenen Jahren auch aufgegangen sei, weiß Adam. „Aber bei der vergangenen Wahl waren es dann nur noch vier Sitze“, sagt er, womit mindestens einer der fünf Bürgermeister nicht in den Kreistag hätte kommen können. Satzungsgemäß sollte die Liste weiter Zwecke verfolgen, wie die Zusammenarbeit unter den Gemeinden, sei es Kultur, Verkehrsanbindung oder auch Naturschutz.

Ziele, die Eschlkams Bürgermeister, der übrigens parteilos ist und auch bleiben will, bei den Freien Wählern besser aufgehoben sieht als bisher. Hier sei die auch bei der HBL angekündigte Verjüngung der Kandidaten bereits Realität und mit derzeit sieben Sitzen im Kreistag die Wahrscheinlichkeit auch höher, hier etwas bewegen zu können. Da er dem Ortsverband der Freien Wähler in Bad Kötzting beitreten wird, sollte seine nächste Kandidatur für den Kreistag also auf der Liste Freie Wähler Bayern geschehen.

Das könne er im übrigen, ohne der Partei an sich beizutreten, sagt Markus Hofmann – Der Bürgermeister von Bad Kötzting sei, das sagt Adam selbst, gemeinsam mit seinen Kollegen aus Blaibach, Arrach und Zandt (alle Freie Wähler) in den vergangenen drei Jahren eine Art politische Heimat und ein Netzwerk geworden, von dem er sich auch für die Zukunft mehr verspreche als von der Hohenbogenliste. „Ich sehe ja auch, wohin der Wählerwille geht“, sagt Adam und verweist damit indirekt auf die steigende Zahl der Sitze der Freien Wähler im Kreistag (aktuell sieben) zu den sinkenden der HBL. „Außerdem muss mir ja auch eine persönliche Entscheidung zugestanden werden“, sagt Adam, der den Schritt, die Verbindung zu den Nachbargemeinden auf der Liste aufzukündigen, auch selbst als großen Schritt sieht – doch blieben die eben auch in der Politik bisweilen nicht aus, wie etwa Markus Hofmann vor seiner Wahl 2014 selbst bewiesen habe, als er vor der Bürgermeisterwahl nach vielen Jahren aus der CSU ausgetreten sei. Hofmann selbst freut sich vielleicht auch deshalb, mit Florian Adam einen weiteren Freie-Wähler-Kollegen im Chefsessel eines Rathauses im Altlandkreis begrüßen zu können, womit die FW immer mehr zur CSU im Altlandkreis aufhole.

Das sagen die Bürgermeister

Während Florian Adam nach eigenen Angaben überrascht worden sei vom hohen Zuspruch, den er auch aus der Bevölkerung für seinen Schritt erhalten habe, fällt die Reaktion seiner Bürgermeister-Kollegen sehr kühl aus. „Ohne Kommentar“, sagt Markus Müller, stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Neukirchen b. Hl. Blut dazu. „Für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Rimbachs Bürgermeister Heinz Niedermayer, der aktuell Vorsitzender der HBL ist. Wie Adam, hatte auch er sich erst 2020 um das Bürgermeisteramt beworben, war auf der Kreistagsliste aber auf Platz vier vertreten – auch wenn der nichts genutzt hatte, da er mit rund 5800 Stimmen noch hinter Adam gelandet war. „Wenn er gewollt hätte, wäre er schon damals weiter vorne gesetzt worden“, versichert Niedermayer, der außerdem darauf hinweist, dass Adam erst im Oktober als Listensprecher in den Vorstand gehoben worden sei. „Damals war noch alles in Ordnung, darum verstehe ich nicht, was sich in der Zeit geändert haben sollte“, sagt Heinz Niedermayer.

2020 gar nicht auf die Hohenbogenliste gesetzt werden wollte Wolfgang Daschner, der Bürgermeister von Gleißenberg. Er war vor drei Jahren – ebenso wie Adam und Niedermayer – erstmals um das Amt des Bürgermeisters angetreten. „Da wollte ich mich auch erst einmal auf die neue Aufgabe konzentrieren“, sagt er, warum er auch nicht für den Kreistag kandidiert habe. Die Vorteile der HBL für seine Gemeinde seien aber nicht von der Hand zu weisen. Gleißenberg als kleinste Gemeinde des Landkreises mit 860 Einwohnern hätte es ansonsten sehr schwer, im Kreistag gehör zu finden. Dass ein Bürgermeister einer Mitglieds-Gemeinde „grundlos die Liste verlässt“, sei „nicht schön“. Aber: „Wer glaubt, dass er im Ortsverband von Bad Kötzting mehr Vorteile für den Markt im Hohenbogenwinkel herausholen kann, dem wünsche ich viel Glück“, sagt er noch. Keine Äußerung gibt es vom Arnschwanger Bürgermeister Michael Multerer zu diesem Zeitpunkt, da er sich in Urlaub befindet. Thema wird der Austritt von Florian Adam bei der Hohenbogenliste heute übrigens bei einem Treffen der HBL-Vorstandschaft sein. Bei dem wird es nicht nur um die Gründe gehen, sondern auch, wer die Aufgabe als Listensprecher künftig übernehmen soll.

„Wie soll das Vorteile für die Gemeinde bringen?“ Wolfgang Daschner, Bürgermeister Gleißenberg
„Dieser Schritt ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Heinz Niedermayer, Bürgermeister Rimbach, Vorsitzender der Liste
„Dazu sage ich: ,Ohne Kommentar.‘“ Markus Müller, Bürgermeister Neukirchen b. Hl. Blut