Hier begann die Energiewende schon vor 30 Jahren: Nun wird Berchings Heizwerk erweitert

Vor 30 Jahren kostete das Heizöl nur 30 Pfennig pro Liter – und doch hat man in Berching entschieden, ein Hackschnitzelheizwerk zu bauen. Inzwischen hat sich alles geändert, die Energiewende steht an. Jetzt wird erweitert.
Ein Kraftwerk, das nur mit Holz heizt? Und dennoch genug Energie für zahlreiche Gebäude einer Stadt liefern soll? „Diese Idee klang Anfang der 90er Jahre für manche noch ziemlich verrückt“, lacht der Berchinger Bürgermeister Ludwig Eisenreich. Wenige sahen damals überhaupt Bedarf für ein eigenes Kraftwerk: „Immerhin kostete das Heizöl nur 30Pfennig pro Liter und von Klimaschutz hat noch niemand gesprochen.“
Dass Berching sich zu dieser Zeit trotzdem für den Bau eines eigenen Biomassekraftwerks entschied, sei laut Eisenreich vor allem das Verdienst von Josef Schneider gewesen. Der damalige Geschäftsführer des Maschinenrings war sich sicher, dass ein solches Kraftwerk genau das richtige sei, um das neue Freizeitbad Berle zu beheizen.
Erfolgsmodell Hackschnitzelheizung
Noch heute befeuert die relativ kleine Anlage an der Zufahrt zum Bad nicht nur das Berle, sondern auch das Rathaus, die Kulturhalle, zwei Kindergärten und die Realschule. „Die Hackschnitzelheizung ist ein Erfolgsmodell“, schwärmt Christian Meier. Als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Nahwärme Berching ist er Schneiders Nachfolger bei der Organisation der Energieversorgung. Doch anders als sein Vorgänger, habe er kaum mit Ablehnung zu kämpfen: „Wir haben inzwischen viele Anfragen von Menschen, die auch ihre Häuser an das Kraftwerk anschließen lassen wollen.“
Wärme aus der Region
Der Grund dafür liegt laut Meier in der Weltpolitik: „Putins Überfall auf die Ukraine hat gezeigt, wie wichtig es ist, nicht von Gas aus dem Ausland abhängig zu sein, sondern die Wärme vor Ort zu produzieren.“ Beim Biomassekraftwerk sei alles regional, wie Meier erzählt: „Das Holz stammt von Forstwirten der Umgebung und aus dem eigenen Wald der Stadt Berching.“ Verarbeitet würden ausschließlich Stücke, die sonst nirgends mehr verwendet werden können. Reste aus Sägewerksholz und Waldhackschnitzel etwa. Die nach dem Brennvorgang übrig bleibende Asche wandert wieder zurück als Dünger in den heimatlichen Wald. Durch diesen geschlossenen Kreislauf bliebe nicht nur die Wärme, sondern auch der finanzielle Ertrag in der Region: „Bei uns geht das Geld nicht an irgendwelche Oligarchen, sondern an Forstwirte vor Ort“, freut sich Bürgermeister Eisenreich. 41davon beliefern als sogenannte Kommanditisten das Kraftwerk mit Holz.
Neues Verteilernetz für die Innenstadt
Doch mit der steigenden Nachfrage gelangte das System an seine Grenzen: „Wir feuern aktuell mit aller Kraft“, erzählt Christian Meier. „Weitere Gebäude können wir in dieser Form nicht beheizen.“ Deshalb wurde auf der Gesellschafterversammlung der Nahwärme Berching im November beschlossen, das Kraftwerk deutlich zu erweitern: Von aktuell 1000 Kilowatt auf 2300 Kilowatt Kesselleistung. Parallel dazu soll das Verteilernetz ausgebaut werden, so dass neue Gebäude an die Wärmeversorgung angeschlossen werden können. In dem geplanten Gebiet befindet sich die komplette Innenstadt innerhalb der Stadtmauer, bis hinunter zur Europahalle und zur Grundschule. In einem weiteren Schritt soll die Vorstadt bis zum Kanal angebunden werden.
Bauarbeiten haben begonnen
Im Inneren des Kraftwerks haben die Erweiterungsarbeiten bereits begonnen, der zusätzliche Anbau wird im Frühjahr folgen, so dass im Herbst alles abgeschlossen sein soll.
An den Ausbaukosten in Höhe von 2,2Millionen Euro beteiligt sich der Bund mit 40 Prozent. „Das haben wir gerade noch vor der Haushaltssperre genehmigt bekommen“, freut sich Bürgermeister Eisenreich.
Bewohner der Berchinger Innenstadt, die an das Netz angeschlossen werden möchten, können unter www.altmuehl-sulz-energie.de Informationen zum Anschluss und zu Fördermöglichkeiten finden.


