Unterwegs für „Die Bergretter“: Diana Neidhardt aus Lohberg bereitet im Kaunertal Staffel 16 vor

Von Maria Frisch · 23. Januar 2024 um 05:00

Der Hauptwohnsitz von Diana Neidhardt ist nach wie vor ihre Heimatgemeinde Lohberg (Landkreis Cham). „Ich fahre in aller Regel alle zwei Wochen übers Wochenende heim“, bestätigt sie bei einem Besuch in der Winterdrehpause, die gerade schon wieder zu Ende ging. Ab sofort ist sie wieder als Produktionskoordinatorin bei der beliebten Serie „Die Bergretter“ tätig.

Diana Neidhardt hat nach der Realschule zunächst eine Bankausbildung in Cham absolviert und wusste da schon, dass sie das nicht erfüllt. Sie holte an der BOS in Deggendorf das allgemeine Abitur nach. Dann studierte sie Theater- und Medienwissenschaften als Hauptfach sowie Wirtschaftswissenschaften und Psychologie als Nebenfach in Erlangen.

Diana Neidhardt ist früh flügge geworden und mit 19 Jahren bereits zuhause ausgezogen. Schon während ihres Studiums fand sie Jobs beim Fraunhofer Institut Erlangen und in der Pressearbeit beim medienwissenschaftlichen Institut Erlangen. Zusätzlich absolvierte sie Nachtschichten im Geodätischen Observatorium Wettzell.

Zwischen den Studienfächern Psychologie und Medienwissenschaften gibt es durchaus Überschneidungspunkte. „Wenn man die richtig guten Filme anschaut, sieht man, wie hier mit psychologischen Tricks gearbeitet wird“, sagt die Lohbergerin. Apropos Film: Diese Richtung hat ihr eigentlich überhaupt nicht vorgeschwebt. „Als ich mit dem Studium fertig war, habe ich mich in der Pressebranche beworben“, sagt sie.

Maxi Schafroth und der Zufall

Zufällig kam sie mit der Filmbranche in Berührung: Auf einer Party von Maxi Schafroth (Bruder Barnabas am Nockherberg) in München wurde sie Thomas Stammberger vorgestellt, der damals Regisseur bei „Marienhof“ war. Dieser lud sie zu einem Praktikum ein. Wegen eines Krankheitsfalles stieg sie relativ schnell als Continuity am Set ein. Als Continuity hatte Diana Neidhardt die Aufgabe, auf die Anschlüsse zwischen Szenen und Kamerawechsel zu achten, da in einer Filmproduktion in den seltensten Fällen chronologisch gedreht wird.

Außenstehende sind meist überrascht, wie viele Leute bei Dreharbeiten dabei sind. Je nach Tagesdrehplan sind es zwischen 35 und 60 Teammitglieder. Geschafft wird dabei zwischen sieben und einer Minute Filmmaterial pro Tag. „Wenn es mal ein richtig herausfordernder Stunt ist, bringen wir nur ein paar Sekunden fertiges Material zustande“, sagt die Fachfrau.

Der Heli, der in der Bergretter-Serie zu sehen ist, sei ein echter Rettungshubschrauber. „Wir müssen vorher anfragen, wenn wir ihn brauchen. Wenn während der Aufnahmen ein Einsatz ist, wird er abgezogen“, schildert Neidhardt. Die Piloten haben eine super Ausbildung. „Sie haben teilweise schon im Grand Canyon gearbeitet“, spricht die Produktionskoordinatorin mit Hochachtung von deren Flugkünsten.

Assistentenjob bei Hollywood-Produktion

In ihrer Zeit beim Film hat die Lohbergerin viele interessante Leute kennengelernt, zum Beispiel einen Produktionsleiter, mit dem sie auch ihren ersten Film als Produktionsassistentin fertiggestellt hat. „Bei ihm war ich übrigens auch als Trauzeugin“, sagt sie. Das war 2011, kurz nach dem Dreh für die drei Musketiere auf dem Bavaria-Filmgelände. Für diese Hollywood-Produktion war ein Assistentenjob frei, den die damals noch relativ unerfahrene Lohbergerin ergatterte. Als ihr Name dann über die Leinwand flimmerte, war das schon ein erhebendes Gefühl, obwohl Diana Neidhardt eher der Typ ist, der gerne tiefstapelt.

Bei all ihren Aufgaben wurde sie gefühlt immer ins kalte Wasser geworfen. „Vorher hatte ich schon manchmal Bammel. Nach dem ersten Schritt wusste ich mich durchzubeißen.“ Zunächst war sie hauptsächlich in Dreharbeiten in Deutschland eingebunden. Seit den „Bergrettern“, verlagerten sich die Aufnahmeorte nach Österreich. Die TV-Serie besteht seit mittlerweile 15 Jahren. „Dieses Jahr werden wir Staffel 16 drehen“, sagt Neidhardt.

Als Produktionskoordinatorin ist sie eine Art Bindeglied zwischen Produktionsleiter, 1. Aufnahmeleiter und Set. „Wir arbeiten Hand in Hand. Es ist ein tolles Team“, ist die Lohbergerin sehr zufrieden. Ein solches fand sie jedoch auch schon früher zum Beispiel in Berlin. Dort konnte sie zum Beispiel ein halbes Jahr Auszeit nehmen, als ihre Mutter schwer krank wurde. Eine gewisse Sicherheit bedeutet für sie hier auch die Zugehörigkeit zur ZAV in München.

Diese Agentur vermittelte ihr auch das Engagement bei den „Bergrettern“. Die Rede war damals von drei Monaten. „Daraus sind bereits zehn Jahre geworden“, weiß Diana Neidhardt ihr Glück zu schätzen.

Zu den vielen weiteren Aufgaben ist sie auch für einen riesigen Fuhrpark verantwortlich. „Ich weiß eigentlich keinen Tag in der Früh, was mich erwartet“, erzählt sie.

Momentan werden die Vorbereitungen für den Dreh im Kaunertal in Tirol getroffen. Hier werden ab Anfang Februar die Winterfolgen aufgenommen. „Wir drehen praktisch rückwärts. Zuerst die Winterfolgen und dann in Ramsau am Dachstein die Sommergeschichten, die davor ausgestrahlt werden“, sagt sie.

Heidi Klum in der Felswand

„Für mich ist es ein Traumjob!“ Verständlich, wenn man dabei auch noch Heidi Klum persönlich trifft. Zustande kam das Ganze durch den Podcast der Kaulitz-Brüder, in dem es hieß, dass Heidi Klum ein„ Bergretter“-Fan sei. Eine Überraschung war es dann doch, als sie eine Gastrolle erhielt. „Sie kam alleine, war gut gelaunt, und hing viele Stunden ohne Murren oder Meckern in einem Netz an der Felswand“, konnte es Diana Neidhardt gar nicht fassen, weil sie Starallüren erwartet hätte. Heidi Klum stand in der Pause für jedermann für Fotos und Selfies bereit, war unendlich geduldig und völlig unkompliziert.

Der „absolute Hammer“ für Diana Neidhardt war dann die Einladung ins Marquee, jenen Club in New York, in dem Klums berühmte Halloween-Party steigt. „Ich war total überrascht“, gibt Diana Neidhardt zu. Wahrscheinlich kam sie zu der Ehre, weil sie durch die Organisation während der Dreharbeiten eng mit Heidi Klums Büro in New York zusammenarbeitete.

Auch von den Schauspielern der Bergretter-Serie kann Diana Neidhardt nur Positives berichten. Hauptdarsteller Sebastian Ströbel alias Markus Kofler sei für sie der absolute Sonnenschein am Set.

Für die 16. Staffel arbeitet die Crew das gesamte Jahr 2024. „Wir machen drei Drehblöcke. Dazwischen liegen meistens zwei Wochen Homeoffice.

Auch die Abwicklung erledigt sie daheim in Schrenkenthal. Nach den anstrengenden Drehtagen kehrt sie immer gerne ins Elternhaus zurück.

Im Büro der Lohbergerin laufen viele Fäden zusammen.
Die 42-Jährige trägt die Verantwortung für einen großen Fuhrpark (hier vor dem Fahrzeug der Bergrettung Ramsau).