Ein Jahr Taubenhaus in Kelheim: 92 Eier gegen künstliche getauscht

Bis vor wenigen Jahren waren Tauben und auch Privatleute, die an zentralen Orten in der Kelheimer Altstadt regelmäßig Futter ausstreuten, vielen ein großes Ärgernis. Um dem gegenzusteuern, läuft seit einem Jahr läuft das Projekt „Taubenhaus“.
Das Kelheimer Tauben-Problem hatte vielerlei Facetten. Für Mensch und Tier. Um diese in den Griff zu bekommen, installierte der Stadtrat eine ehrenamtliche Taubenbeauftragte. Seither kümmert sich Fay Hübner um Kelheims Stadttauben.
Fay Hübner: „Happy, wie es läuft“
Zunächst hieß es die Vögel an Futterplätze außerhalb der historischen Innenstadt zu gewöhnen. Vor gut einem Jahr baute das Bauhof-Team am Dach des Wöhrdplatz-Gebäudes ein Taubenhaus. Damit war die Stadt vielen anderen Kommunen voraus, betonte Fay Hübner im Januar 2023.
Inzwischen nehmen laut der 41-Jährigen „70 bis 100 Stadttauben“ den Taubenschlag an. Zudem versucht sie aktuell weitere verwilderte Haus- und Zuchttauben über Futterplätze nahe Aumühlparkplatz über den Stadtgraben ebenfalls ans Taubenhaus heranzuführen.
Fay Hübner ist zwar schon lange im Tierschutz aktiv. Mit einem „Taubenschlag“ hatte sie bislang allerdings keine Erfahrung, sagt sie. Insofern „habe ich nichts erwartet, aber ich bin happy, wie es läuft“.
Damit die Stadttauben mittelfristig weniger werden, tauscht Kelheims Taubenbeauftragte die Gelege der Tauben gegen künstliche aus. Bis zu zehn Jahre alt können Tauben werden, schätzt Hübner. „Im ersten Jahr habe ich 92 Eier getauscht, das ist schon eine Hausnummer“, sagt sie.
Die Brutzeit der Stadttauben erstrecke sich beinahe übers ganze Jahr. „Von März bis in den Winter“, schätzt Hübner. Und auch jetzt werde bereits wieder gebrütet. Sechs getauschte Gelege sind es derzeit. Daran sehe man auch, dass es sich bei den Stadttauben, „nicht um Wildvögel, sondern um domestizierte Tiere“ handele.
Auch an etwas anderem merkt Hübner, dass die Tauben ihr neues „Zuhause“ gut annehmen. Im vergangenen Jahr habe sie „an die 130 Kilo Kot“ aus dem Taubenhaus geholt. „Die würden sich sonst irgendwo in der Altstadt finden“, so Hübner.
Jeden zweiten Tag schaut die 41-Jährige nach dem Rechten. Einmal die Woche werde im Taubenschlag „reine gemacht“.
Bloß nicht! Haferflocken und Kloßteig
Auch eine dringende Bitte an Vogelfreunde im Stadtgebiet hat Fay Hübner. „Bitte die Tiere nicht im Stadtgebiet füttern.“ In jüngster Zeit seien die Stellen wieder mehr geworden, beobachtet sie. Jedoch: „Die Kelheimer Stadttauben brauchen kein Futter, sie werden gefüttert, die Stadt sorge eigens dafür.“ Mitunter finde sie Haferflocken, altes Brot oder sogar Kloßteig vor. Alles sei ungeeignet als Taubenfutter.
Wer Vögel füttern wolle, solle sich auf Wildvögel konzentrieren. „Die fressen aber kleine Saaten und diese hänge man üblicherweise in die Bäume.“ Bei den von ihr angesprochenen Stellen finde sich das Futter stets am Boden.
„Die Leute meinen das bestimmt, ganz lieb und nett, aber in dem Fall ist das einfach kontraproduktiv“, sagt Fay Hübner.
Inzwischen gebe es auch jemanden, der sie bei ihrer Arbeit mit Kelheims Stadttauben unterstütze. Für andere Orte, an denen sie sich ebenfalls engagiert, in Regensburg etwa, wären weitere Helfer aber noch gerne gesehen. Wer Interesse habe, könne sich per E-Mail melden unter: mandy.huebner@tierrechteaktiv-regensburg.de.


