Fay Hübner ist Kelheims „Helikopter-Mutti“ der Stadttauben

Die 40-Jährige ist Kelheims Taubenbeauftragte. Acht gefiederte Helfer unterstützen ihre Mission.
Wenn Fay Hübner vom Donautor her die Grünfläche hinterm Spital betritt, bekommen das ihre Schützlinge im Nu mit. Scharenweise fliegen Kelheims Stadttauben dann herbei. Teils laufen sie der Taubenbeauftragten sogar hinterher. Beste Voraussetzung für deren tierische Mission.
Fay Hübner soll dafür sorgen, dass die Tauben ihr neues Heim außerhalb der Altstadt beziehen und sie mittelfristig weniger werden. Bis vor Kurzem waren die Vögel vielen in der Altstadt ein Ärgernis. Teils wurden sie dort auch gefüttert, zwischen Drogeriemarkt Müller und Stadtpfarrkirche. Das sorgte wiederum für noch mehr Tauben und noch mehr Taubendreck.
Seit Mai 2021 im Amt
Seit Mai 2021 ist die 40-Jährige offiziell vom Stadtrat bestellt. Seither kümmert sie sich ehrenamtlich um die Vögel. Die Stadt stellt das Futter. Fay Hübner schätzt, dass es insgesamt an die 200 Stadttauben sind. 75 davon lebten in der Nähe des neuen, städtischen Taubenschlags am Dach des alten Postgebäudes am Wöhrdplatz.
Verwilderte Haustauben
Dabei handelt es sich laut Hübner nicht um wilde Vögel, sondern um verwilderte Haustauben. Bisweilen stoße die ein oder andere Hochzeitstaube, die nicht wieder nach Hause gefunden hat, dazu – und gerät ob ihres strahlend weißen Gefieders am schnellsten ins Visier der Turmfalken.
Vorsitzende des Vereins „Tierrechte aktiv Regensburg“
Fay Hübner hat schon lange ein Herz für Tiere. Seit sie zwölf ist, engagiert sie sich im Tierschutz, sagt sie. Aktuell ist sie auch die Vorsitzende des Vereins „Tierrechte aktiv Regensburg“.
In ihren Augen ist es nicht die Stadt, die bislang ein Taubenproblem hatte. Es seien die Tauben, die ein Problem hätten Futter zu finden. Einst gezüchtet, möglichst viel Nachwuchs zu bekommen, hätte sie der Mensch dann irgendwann sich selbst überlassen.
Durch Zufall zum neuen Ehrenamt
Zu ihrem neuen Ehrenamt sei sie durch Zufall gekommen, sagt die 40-Jährige und grinst. Ein Freund machte sie bei einem Konzert mit Bürgermeister Christian Schweiger bekannt, der trug ihr wenig später die Aufgabe an.
Bislang war Hübner damit beschäftigt, die Tauben aus der Altstadt zu bringen, indem sie sie „Meter für Meter“ an drei Futterplätze außerhalb gewöhnte. Dabei wurde die Blondine mit den Rastas immer wieder von Passanten mit negativen Kommentaren bedacht oder gar angefeindet, ohne, dass diese wussten, was sie da eigentlich tut.
Buchhalterin hat ein Herz für Tiere
Angepöbelt zu werden, das kennt die Tierrechts-Aktivistin von Mahnwachen und Demos in der Domstadt. Da werde gerne aus dem Off geschrien, die Aktivisten sollten besser arbeiten gehen. Wer sich Zeit für ein Gespräch nähme, bekäme zuhören, dass Fay Hübner „40 Stunden die Woche“ ihrem Brotberuf als Buchhalterin nachgeht.
Inzwischen streut sie Mais-, Erbsen- oder Weizenkörner nur mehr vor dem neuen Taubenschlag hoch über dem Wöhrdplatz aus. Schließlich will sie die Tauben dort zum Einzug bewegen. Einzelne Erfolge zeichnen sich ab. Es könne aber bis zu einem Jahr dauern, bis die Mission insgesamt glückt, so Hübner.
Um die Stadttauben zum Einzug zu bewegen, hat sie acht tierische Helfer angesiedelt. Vier Locktauben-Pärchen aus Nürnberg und Regensburg.
Platz für 75 Tauben am Wöhrdplatz in Kelheim
Im ersten Kelheimer Taubenschlag ist Platz für 75 Tiere. Es gibt 50 Nistzellen und 25 Sitzbrettchen an den Wänden.
Das Taubenhaus soll verhindern helfen, dass sich die Tauben uferlos vermehren. Denn sie legen viele Eier. Stets zwei, aber oft im Vier-Wochen-Turnus, weiß Hübner. Um den Nachwuchs einzudämmen, tauscht sie alle Gelege gegen künstliche Pendants aus.
Der Plan: Nur wenige Male im Jahr sollen die Tauben ihre Eier tatsächlich ausbrüten dürfen. Damit sie „den Ort nicht wechseln, weil sie denken, er sei nicht gut zum Brüten“.
Bislang gibt es nur wenige Städte mit Taubenhaus
Mit dem Projekt Taubenhaus sei Kelheim Vorreiter, sagt Fay Hübner. Nur in wenigen Städten gibt es bislang vergleichbares. In Regensburg gibt es am Hauptbahnhof einen Taubenschlag, der ist allerdings nicht in städtischer Hand, sondern wird von der Bahn und dem Verein betrieben.
Im Prinzip würde in Kelheim ein Nach-dem-Rechten-Sehen alle paar Tage reichen. Aber noch bin ich eine „Helikopter-Mutti“, sagt Hübner.
Lillys Taubenhaus
Widmung:Kelheims städtischen Taubenschlag ziert außen ein Schild mit der Aufschrift „Lillys Taubenhaus“. Laut Stadt ist das Häuschen Lilly Wächter gewidmet, „die sich bis zu ihrem Tod Anfang 2021 liebevoll um Kelheims Stadttauben bekümmert hat“.
Tipp:Wer Tauben helfen wolle, solle sie mit Mais, Erbsen, Weizen oder Gerste füttern. Haferflocken oder Reis seien ungeeignet, so Fay Hübner. Sie könnten Tauben gefährlich werden, weil sie den Kropf verklebten.


