Verspätungen, Ausfälle und volle Züge: Bei Pendlern herrscht Frust – und schon wieder ist Streik

Von Wolfgang Endlein · 22. Januar 2024 um 11:00

Seit Anfang Dezember gibt es bei S-Bahn und Regionalexpress (RE) Veränderungen. Die S3 wurde zur S1 und fährt nun bis Bamberg. Der RE hingegen nur noch bis Regensburg. Und jetzt soll erneut gestreikt werden. Nach einem Monat sind die Kritikpunkte von Pendlern vielfältig. Was sagt die Bahn dazu?

Die Beschwerde Nummer eins, die bei Pendlern zu hören ist, bringt Heike Sturm auf den Punkt: „Die S-Bahn Strecke Neumarkt-Nürnberg war bis zur Fahrplanänderung die pünktlichste im gesamten Verbundgebiet. Seit dem Fahrplanwechsel hat sich die Pünktlichkeit die der DB angepasst. Einfach nur unmöglich“. Sie ist nicht der einzige Fahrgast, der von mehr Verspätungen berichtet. Jetzt hat die Lokführergewerkschaft GDL auch noch den nächsten Streik angekündigt.

Auch die Ausfälle sollen sich nach Beobachtungen von Pendlern gehäuft haben. „Erst gestern wieder: Früh eine S-Bahn komplett ausgefallen. Die nächste 20 Minuten Verspätung. Zurück auch zehn Minuten Verspätung“, schildert Kerstin Bogner ihre Erfahrung.

Pendler beobachten zudem, dass die Züge mit mal mehr mal weniger Zügen fahren. „Es ist ein Lotteriespiel, ob bei der jeweiligen S-Bahn zwei Teile gekoppelt sind“, sagt ein junger Mann aus Berngau. Wenn es nur einer sei, dann werde es zu den Stoßzeiten sehr voll. Das hat auch Tina Göhring schon erlebt: „Frühs eine Garnitur, so dass man ab Burgthann stehen musste – inklusive 20 Minuten Verspätung“.

Von vollen Zügen ist laut etlichen Pendlern aber vor allem der Regionalexpress betroffen. Hier setzt die Bahn nicht mehr die doppelstöckigen Züge ein, sondern ein Modell, das dem der S-Bahn ähnelt.

Umsteigezeiten bei Stadtbussen und RE sehr knapp

Den RE muss man zudem erst erwischen. Denn das wird ebenfalls kritisiert: Die Fahrpläne von Stadtbussen und Regionalexpress passen nicht gut zusammen. Die Umsteigezeiten sind teils eng bis nicht zu schaffen – es sei denn, der RE verspätet sich. Und auch der Wegfall der Direktverbindung nach München ist Teil der Kritik an den neuen Verhältnissen beim Regionalexpress. Ab Dezember 2024 soll sich das laut Bayerischer Bahngesellschaft (BEG) aber wieder ändern.

„Die versprochene Verbesserung durch den neuen Fahrplan blieb aus“, schlussfolgert Andreas Höfler dennoch. Der neue Fahrplan sei für Pendler eine Zumutung.

Für manche Pendler hat die verlängerte S-Bahn-Linie 3 aber auch Vorteile. So wie für einen Berngauer, der beruflich nach Erlangen pendelt. Er muss nicht mehr in Nürnberg umsteigen und spart sich insgesamt zehn Minuten – wenn der Zug pünktlich fährt.

RE braucht zwischen Neumarkt und Nürnberg weniger Zeit

Positiv lässt sich generell festhalten: Die Taktung von S-Bahn und RE hat sich im Vergleich zum vorherigen Fahrplan in der Dichte verbessert. An Werktagen wurde der Zwei-Stunden-Takt beim RE nachmittags und abends um zwei Verbindung erweitert. Ab Dezember 2024 soll der RE stündlich fahren. Zudem braucht der RE zwei, drei Minuten weniger als bisher. Auch hier gilt: Wenn er pünktlich ist.

Ein kleines Detail der neuen Verhältnisse sind zudem die besser zu merkenden Fahrzeiten der S-Bahn. Sie fährt immer zur zwölften, 32. und in Hauptverkehrszeiten auch zur 52. Minute einer Stunde.

Und doch bleibt die Kritik. Was sagt die Bahn zu all dem? Eine Sprecherin erklärt auf Anfrage, dass die Bahn grundsätzlich mit dem Auftakt der verlängerten Linie S1 zufrieden sei. Auf die Frage, ob es Zahlen zu Verspätungen bei der S1 gibt, erklärt die Bahn: Für eine fundierte Bewertung sei es noch zu früh. „Wir beobachten die Betriebslage intensiv“, versprach die Bahn-Sprecherin.

Erfahrungsgemäß müssten sich Betriebsabläufe und neuer Fahrplan zunächst einspielen. Hinzu kommt, dass die Bahn den neu hinzugekommenen Abschnitt Bamberg-Nürnberg seit Jahren auf vier Gleise ausbaut. 2025 soll das abgeschlossen sein. Der Abschnitt zwischen Nürnberg und Regensburg ist hingegen nach wie vor zweigleisig, aber ebenfalls stark befahren.

S-Bahn: Bahn kündigt an, dass sie besser werden muss

Die gesamte S-Bahn in der Region Nürnberg bewege sich aktuell auf dem Pünktlichkeitsniveau des vergangenen Jahres, erklärt die Bahnsprecherin. „Wir wissen, dass wir hier besser werden müssen und arbeiten mit Hochdruck daran, unseren Reisenden eine zuverlässige und stabile Reisemöglichkeit anbieten zu können.“

Im Oktober hatte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Bahnverkehr im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, schlechte Zahlen bei der Pünktlichkeit für 2022 präsentiert. Regionalzüge und S-Bahnen in Bayern waren so selten pünktlich wie noch nie seit mindestens 26 Jahren. Auch die Zugausfälle waren angestiegen. Grund sei die Infrastruktur.