Pflanzenschutz, Müllcontainer und Co: Auch Mittelständler profitieren von KI

Vor nicht ganz einem Jahr schien es alles auf den Kopf zu stellen: ChatGPT. Autoren, Designer oder Steuerberater – ganze Berufsstände sahen ihre Jobs durch das KI-Tool bedroht. Künstliche Intelligenz ist seitdem in der breiten Gesellschaft angekommen. Auch in der Wirtschaft ist das Thema – nicht erst seit vergangenem Jahr – in aller Munde. In Bayern hilft beispielsweise das Programm „KI-Transfer Plus“ Firmen dabei, in dem Bereich Fuß zu fassen. Nun soll die Förderung in die mittlerweile dritte Runde gehen.
Bewerben können sich kleine und mittelständische Unternehmen. Eher am oberen Ende dieser Definition: Die Horsch Maschinenbau GmbH, die aber mit dem vom Bayerischen Staatsministerium für Digitales geförderten Programm den Sprung ins KI-Zeitalter geschafft hat. Der Landtechnik-Hersteller aus Schwandorf ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Lag der Jahresumsatz 2015 noch bei etwa 250 Millionen Euro, ist es heute fast das vierfache. Auch die Mitarbeiterzahl ist in der Zeit von knapp 750 auf etwa 3300 angewachsen. Um dem extrem starken Wachstum Herr zu werden, habe man vor etwa sechs Jahren die Digitalisierung – und damit auch KI – in den Vordergrund gestellt, erklärte Maximilian Aurbach von Horsch bei einer Informationsveranstaltung zu „KI-Transfer Plus“ gestern an der OTH Regensburg.
Horsch Maschinenbau entwickelte verschiedene KI-Anwendungsfälle
Denn 2021 war Horsch dann Teil der ersten Runde des damals neuen Förderprogramms. In dessen Rahmen beschäftigte man sich bei dem Landmaschinen-Bauer mit verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von KI. Neben zwei internen Anwendungsfällen zu den Schätzpreisen von Konstruktionsteilen und der automatischen Ermittlung von Zolltarifnummern für den Export ins Ausland war auch die automatische Pflanzenerkennung Thema.
Die kann beispielsweise bei der mechanischen Bodenbearbeitung zum Einsatz kommen. Dank KI kann eine Kamera Nutzpflanze von Unkraut unterscheiden. Entfernt wird dann folglich nur das Letztere. Ähnlich funktioniert es auch beim Ausbringen von Dünger oder Pestiziden − nur die Pflanzen bekommen das Mittel ab, und nicht der ganze Acker.
Eigene KI-Abteilung in Schwandorfer Unternehmen
Mittlerweile ist bei Horsch eine eigene Abteilung mit KI-Projekten beschäftigt. Während sich die sogenannte Pflanzen-Mittelpunktserkennung noch in der Entwicklung befindet, sind die aus den beiden internen Anwendungsfällen entstandenen Tools mittlerweile tagtäglich bei dem Oberpfälzer Unternehmen im Einsatz.
Auch nach Ende des Förderprogramms arbeitet Horsch laut Aurbach an weiteren KI-Projekten. Im Moment entwickelt der international tätige Landtechnik-Hersteller eine eigene Übersetzungsplattform für Webseiten und Handbücher.
Mit „KI-Transfer Plus“ habe die Digitalisierung einen großen Schritt bei dem Unternehmen gemacht, erklärt Aurbach. Nicht nur von den im Rahmen des Programms entwickelten Anwendungsfällen würde man nun profitieren: „Was man auch nicht unterschätzen darf: Wir fühlen uns jetzt gewappnet für KI.“ Er ist überzeugt, dass man als Unternehmen heute an KI nicht vorbei komme. Mit dem gewonnenen Know-how aus dem Förderprogramm könne man nun aber selbst entscheiden, was sich lohne und was nicht.
Emz-Hanauer nutzt KI um die Lebensrestdauer von Batterien zu berechnen
Der Kosten- und Nutzenfaktor von KI kam bei der Veranstaltung an der OTH immer wieder zur Sprache. „Das Thema KI einfach nebenbei zu behandeln, ist relativ schwierig“, sagte auch Florian Scherr von emz-Hanauer. Das Unternehmen aus Nabburg (Lkr. Schwandorf) entwickelte im Rahmen der ersten Förderrunde von „KI-Transfer Plus“ einen eigenen Anwendungsfall für Künstliche Intelligenz, der sich aktuell in Italien im Praxistest befindet: Dabei handelt es sich um ein Tool, dass die Lebensrestdauer der Batterien von intelligenten Müllcontainern in Italien berechnet. Solche KI-Projekte ließen sich nur umsetzen, wenn die Firma auch wirklich dahinter stehe und beteiligten Mitarbeitern entsprechend Zeit einräume, sagte Scherr. Das bestätigte auch Nicole Höß, Geschäftsführende Referentin des des Regensburg Center for Artificial Intelligence (RCAI), einem von mittlerweile acht KI-Regionalzentren in Bayern, welche die am Förderprogramm teilnehmenden Firmen betreuen: „Ohne ein Management, das dahinter steht, geht es nicht.“