Forelle auf der Roten Liste: Sie würde vom Abriss des Wehrs an der Wutzschleife profitieren

Die Meldung am 3. Januar in der Tagesschau war für Naturfreunde schockierend. Der Allerweltsfisch, die Forelle, steht erstmals auf der Roten Liste für gefährdete Tierarten.
Das gilt für Deutschland und insbesondere für Bayern. Noch 2021 war die Bachforelle in Bayern auf der Vorwarnliste. Seitdem ist ihr Bestand weiter geschrumpft, insbesondere in Bayern, wo es einst große Bestände gab, heißt auf tagesschau.de. Seit 2024 gilt die Forelle als gefährdet.
Keine einzige Forelle im Rückstau des Wehres der Wutzschleife
Was das mit Rötz zu tun hat? Ziemlich viel, wenn man sich das Gewässergutachten des Wasserwirtschaftsamtes über das Wehr der Wutzschleife zur Hand nimmt. Dort wird die Forelle als eine von neun untersuchten Fischarten vorgestellt. mit einem klaren Ergebnis. Bei der Fischbestandserhebung von 8. September 2021 wurden unterhalb des Wehres 18 Forellen gefangen, oberhalb des Wehres waren es 0 Bachforellen. Nochmal in aller Deutlichkeit: In der freifließenden Schwarzach unterhalb des Wehres gab es 18 Bachforellen, oberhalb des Wehres keine einzige Forelle. Ähnliche Ergebnisse gibt es auch für andere Fischarten. Im freifließenden Gewässer leben sehr viele von ihnen, im Stau des Wehres nur sehr wenige. Nur bei einer Fischart ist das Verhältnis anders, ist aus der Statistik auf der Seite des Wasserwirtschaftamtes herauszu lesen: Bei der Laube einen zu den Karpfenfischen gehörenden Tier.
Wann wird eigentlich ein Tier als gefährdet eingestuft? Laut Definition des Bayerischen Landesamtes für Umwelt dann, wenn die Art „merklich zurückgegangen“ ist oder „durch laufende bzw. absehbare menschliche Einwirkungen bedroht sind“. Als so eine „laufende menschliche Einwirkung“ könnte man das Wehr, auch wenn es schon ein Jahrhundert da ist, beschreiben.
Wehr ist eine deutliche Breme für Fischarten
Dass sich die Zusammensetzung der Fischarten oberhalb der Staustufe und unterhalb deutlich unterscheiden, bestätigt auf unsere Nachfrage der Leiter der Abteilung Gewässerentwicklung beim Wasserwirtschaftsamt Weiden, Christian Motz: „Die Artenzusammensetzung unterhalb unterscheidet sich teils deutlich von jener oberhalb der Wehranlage Wutzschleife.“
Warum Forellen unterhalb des Wehres leben, aber im Staubereich oberhalb nicht, beschreibt Motz so: „Forellen gehören zu den strömungsliebenden Fischarten. Sie besiedeln schnell fließende, sauerstoffreiche, kühle und klare Gewässer. Zur Fortpflanzung schlagen sie in vorwiegend kiesigem Sohlsubstrat flache Gruben ein, um dort ihre Eier abzulaichen. Diese Lebensraumvoraussetzungen liegen in dem naturnahen Gewässerabschnitt der Schwarzach unterhalb der Wehranlage Wutzschleife bis zur Stauwurzel der Vorsperre des Eixendorfer Sees auf einer Länge von ca. 400 Metern vor.“
Oberhalb des Wehres sieht Motz dagegen „die typischen Kennzeichen eines Staubereiches auf. Dort ist keine Strömung zu beobachten.“ Forellen kämen ist solchen Wasserzonen eher selten vor.
900 Meter mehr Fluss für eine Rote-Listen-Art
Was nach einem Rückbau des Wehres für die Forelle und andere Fische geschehen würde, beschreibt der Experte so: „Mit dem geplanten Rückbau der Wehranlage Wutzschleife möchte das Wasserwirtschaftsamt Weiden den ca. 900 Meter langen Rückstaubereich in eine frei fließende Gewässerstrecke zurückführen. So können auf großer Strecke wieder ideale Lebensräume für die wertgebenden, strömungsliebenden Fischarten geschaffen werden.“ Ein solche strömungsliebende Fischart ist unter anderem die Rote-Listen-Art Forelle. Zum Ende seines Schreibens verweist Motz zudem auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die die Schwarzach bis 2027 wieder in einen „guten ökologischen Zustand“ bringen soll.
Wie es um die Forelle steht, scheint auch der hiesige Fischereiverein Neunburg zu wissen. Die Fischerjugend brachte erstmals etwa 2000 Bachforelleneier in speziellen Brutboxen aus. Und zwar in der Schwarzach unterhalb des Eixendorfer Sees und in Schwazach zwischen dem Hillstetter Wehr und der Vorsperre, berichtet der Rötzer Alois Decker aus der Vorstandschaft des Fischereivereins. Aus den meisten der Fischeier seien mittlerweile schon kleine Fischchen geworden, die die Brutboxen verlassen hätten, sagt Decker.
Forellen mögen es kühl und wandern immer stärker zur Quelle
Thomas Ring, der Fachberater für Fischerei beim Bezirk Oberpfalz, sieht die Forelle als eine Verliererin des Klimawandels. Die Gewässer würden immer wärmer und sie seien immer weniger beschattet, wegen menschlicher Eingriffe und wegen des Bibers. Also ziehe sich die Bachforelle immer weiter flussaufwärts zurück, weil dort das Wasser kühler ist.
In der Schwarzach sollten eigentlich bis zu zwei Prozent Forellen vorkommen. Weil es weniger sind, sei die Aktion des Neunburger Fischereivereins positiv zu bewerten. Solche Aktion gebe es auch an anderen Orten. Zum Beispiel in der Nähe des Waldnaabtales bei Windischeschenbach. Dort würden Forelleneier ausgesetzt, um den Flussperlmuscheln zu helfen, deren Larven eine zeitlang parasitär in Forellenkiemen leben müssen. Einige wenige Flussperlmuscheln gibt es auch im weiteren Oberlauf der Schwarzach.
Ein Wehr wie das der Wutzschleife biete den Forellen keinen Lebensraum, weil die Strömung fehle und weil das gestaute Wasser zu warm werde, sagt Ring.
Kommentar von Martin Hladik: Die launische Forelle
Das Wutzschleifenwehr gehört zu den schönsten, wild-romantischen Ecken an der Schwarzach bei Rötz. Als Nicht-Rötzer war das eine meiner ersten Wanderentdeckungen in der Region. Und das soll weg, für ein paar Meter freifließenden Fluss? Kein Wunder, dass sich dagegen die Rötzer gewehrt haben. Deswegen ist der Abriss noch in der Warteschleife, weil man neben der Wasserfauna jetzt die Insektenwelt untersuchen will.
Die launische Forelle im Bächlein helle, besingt Franz Schubert. Wer es weniger romantisch will, bitte schön: Etliche Fischereivereine haben das Tier in ihrem Wappen. Oder noch simpler, eine Forelle (wenn auch wahrscheinlich eine Regenbogenforelle) haben die meisten von uns schon einmal auf dem Teller gehabt. Und ausgerechnet dieser Allerweltsfisch, den praktisch jeder kennt, gehört jetzt zu den gefährdeten Arten. Das ist fast so, als würde man sagen, es gibt bald keine Füchse mehr im Wald.
Auch wenn die Wutzschleife sicher nicht Forellen gefährdet, geholfen hat das Stauwehr dem Fisch nicht. Und 900 Meter mehr freifließender Fluss, würden dieser gefährdeten Art und vielen weiteren helfen, wieder etwas verlorenen Lebensraum zurückzugewinnen. Ein ziemlich kräftiges Argument bei allem optischen Reiz den das Wehr hat.