Zahl der Beschäftigten im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf erreicht fast Rekordwert

Von Hubert Heinzl · 16. Januar 2024 um 17:00

Trotz Kriegen und Krisen in aller Welt – der Arbeitsmarkt in der Mittleren Oberpfalz hat sich im vergangenen Jahr als erstaunlich robust erwiesen. Im Agenturbezirk Schwandorf mit den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Cham und der kreisfreien Stadt Amberg kletterte die Zahl der Beschäftigten in ungeahnte Höhen.

Zugleich stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt nur leicht auf 3,2 Prozent. Beides lässt sich auf die Migration aus dem Ausland zurückführen. Von „stabilen Verhältnissen“ sprach der Chef der Arbeitsagentur Schwandorf, Siegfried Bäumler, am Freitag bei der Jahrespressekonferenz in Schwandorf. Positiv bewertete er vor allem den Anstieg der Beschäftigung auf gut 174000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Jahr 2023 – rund 25600 mehr als zehn Jahre davor. Parallel dazu ist auch der Anteil der ausländischen Arbeitnehmer kontinuierlich gewachsen. Inzwischen liegt er bei rund 14,3 Prozent. Allein seit 2022 kamen 1075 Beschäftigte aus dem Ausland dazu. Den größten Anteil stellt Tschechien.

Arbeitslosenquote unter dem Bayern-Schnitt

„Migranten haben wesentlich zu dem Aufwuchs beigetragen“, so Bäumlers Schlussfolgerung. Die Arbeitsagentur sieht nach seinen Worten in Fachkräften aus dem Ausland auch das größte Potenzial für den Arbeitsmarkt in der Region – deutlich ergiebiger als die Bemühungen, Frauen für das Berufsleben zu reaktivieren oder Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren, was ebenfalls gelingt. „Aber hätten wir die Ausländer nicht, dann hätten wir noch viel mehr offene Stellen.“ Nach wie vor seien die Unternehmen „sehr einstellungsbereit“, so der Agenturchef.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit von 2,9 Prozent im Jahr 2022 auf 3,2 Prozent im vergangenen Jahr (in ganz Bayern: 3,4Prozent) fiel nach Einschätzung der Arbeitsagentur moderat aus und ist gleichfalls auf die Migration, sei es aus der Ukraine oder den „klassischen Asylherkunftsländern“, zurückzuführen. Denn hier läuft der Übergang in den Arbeitsmarkt nach den Worten Bäumlers schon allein wegen der Sprachprobleme „immer zeitverzögert“.

Beschäftigung bei Ukrainern nimmt zu

Das gilt zum Beispiel auch für die Flüchtlinge aus der Ukraine. Hier waren nach den Daten der Arbeitsagentur im Juni des vergangenen Jahres 709 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt und weitere 198 in Mini-Jobs. Bis Jahresende könnten es fast 1000 sozialversicherungspflichtige Jobs geworden sein. „Es gelangen regelmäßig Flüchtlinge in Beschäftigung“, unterstreicht Bäumler, die Bleibeperspektive verstärke sich. Mehr als die Hälfte der ukrainischen Flüchtlinge könne „sich vorstellen, in Deutschland zu bleiben“.

Den 884 Ukrainern, die im Juni 2023 arbeitslos gemeldet waren, gilt nun das besondere Augenmerk der Arbeitsagentur. Bei ihrer Vermittlung in den Arbeitsmarkt haben sich nach den Worten von Bernhard Lang, Geschäftsführer Operativ der Arbeitsagentur, die Gewichte verschoben.

Gewichte bei der Vermittlung verschieben sich

Vereinfacht ausgedrückt: Früher war es oberstes Ziel, einem Ingenieur auch einen Job als Ingenieur zu verschaffen. Und das konnte dauern. Inzwischen verstärken sich die Bemühungen, den Einstieg in Arbeit niederschwellig zu gestalten. Die deutsche Sprache, so die Idee, soll „möglichst berufsbegleitend“ erlernt werden. Begrenzender Faktor ist nach den Erfahrungen der Agentur dabei unter anderem das Lehrpersonal. Die Wartezeiten auf Sprachkurse können schon einmal über ein halbes Jahr betragen.

Die Weiterbildung hat die Arbeitsagentur Schwandorf noch einmal deutlich forciert. Im Jahr 2022 summierten sich die Aufwendungen für die Weiterbildung Arbeitsloser, aber auch der Beschäftigten samt Lohnzuschüssen auf einen Betrag von gut sieben Millionen Euro. Im vergangenen Jahr legte die Agentur noch einmal 1,7Millionen Euro drauf. Das Hauptaugenmerk liegt nach den Worten Langs auf der Qualifizierung der Berufstätigen, um beispielsweise Helfern eine Perspektive zu bieten: „Wir verfolgen einen präventiven Ansatz, der spätere Arbeitslosigkeit verhindert.“

Der Ausblick auf das Jahr 2024 ist besser als die Stimmung. „Stabil bis aufwachsend“ lautet Siegfried Bäumlers Prognose für die Beschäftigung. Er rechnet in der Mittleren Oberpfalz heuer mit bis zu 1500 zusätzlichen Jobs – vor allem im Gesundheitswesen, im Metall- und Maschinenbau, im Erziehungsbereich, in Hotellerie und Gastronomie sowie in der öffentlichen Verwaltung.

Niedrigste Quote im Landkreis Cham

Und das sind die einzelnen Arbeitslosenquoten im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf: Die niedrigste Quote hatte 2023 der Landkreis Cham (2,9Prozent, Vorjahr: 2,7Prozent) vor dem Landkreis Amberg-Sulzbach (3,0 Prozent, Vorjahr: 2,6Prozent), dem Landkreis Schwandorf (3,1 Prozent, Vorjahr: 2,9 Prozent) und der Stadt Amberg (4,8Prozent, Vorjahr: 4,2 Prozent).

Sie informierten über die Entwicklung: Siegfried Bäumler, Vorsitzender der Geschäftsführung, und Bernhard Lang, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Schwandorf (v. l.). Foto: Hubert Heinzl