Regensburger Wirtschaftsexperte: „Fake News spalten und schaden der Wirtschaft“

Von Christian Eckl · 16. Januar 2024 um 05:00

Der Regensburger Wirtschaftswissenschaftler Michael Dowling spricht mit der Mediengruppe Bayern über ein Trump-Revival, Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten und ihre Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft.

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Die Welt war schon immer im Umbruch. Doch spätestens seit der Pandemie und dem Beginn des Ukrainekriegs Anfang 2022 wird man den Eindruck nicht mehr los: Es sind multiple Krisen, die nicht nur die politische Stabilität in den westlichen Demokratien infrage stellen. Stabilität und Verlässlichkeit war jahrzehntelang Geheimnis des Erfolgs der deutschen Wirtschaft. Was bedeutet eine Welt im Umbruch und mit Brüchen für die lokale Wirtschaft?

„Krisen gab es zu allen Zeiten“, sagt Michael Dowling von der Universität Regensburg. Der gebürtige US-Amerikaner ist Professor für Innovations- und Technologiemanagement. Er sagt aber auch: „Derzeit sind die Krisen nur krasser.“ Wirtschaftsunternehmen mussten zu allen Zeiten gut gerüstet sein, um durch den Sturm der Zeitgeschichte zu segeln. „Aber insbesondere seit der Pandemie, aber auch durch Ereignisse wie im vergangenen Jahr, als ein Containerschiff durch einen Unfall im Suezkanal steckenblieb, ist klar: Die Abhängigkeit von globalen Lieferketten ist immer noch sehr groß.“

Suezkanal unter Beschuss

Ein Containerschiff, das im Kanal steckenbleibt ist das eine – doch derzeit ist die Welt mit einem Konflikt beschäftigt, der den Warenverkehr über den Kanal gefährdet: Die Huthi-Rebellen aus dem Jemen beschießen Handelsschiffe und gefährden damit die Lieferketten. Zwölf Prozent des weltweiten Seehandels fährt über dem von Ägypten kontrollierten Kanal, der bereits als Folge des Sechstagekriegs zwischen Israel und den arabischen Nachbarn zwischen 1967 und 1975 unpassierbar war.

Kein Wunder, dass die USA hier eingreifen: Einst hatte der frühere Bundespräsident Horst Köhler das Wort Wirtschaftskrieg in den Mund genommen und war angesichts des folgenden Protests zurückgetreten. Doch auch in Deutschland ist man sich zusehends darüber bewusst, dass auch die Freiheit des Handels weltweit verteidigt werden muss. Dowling beobachtet bei der Wirtschaft vor Ort dennoch, dass sich die Unternehmen unabhängiger von den globalen Wirtschaftsströmen machen wollen: „Auch mittelständische Unternehmen versuchen, neue Wege zu gehen und die Abhängigkeit zu reduzieren“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Eine Diversifizierung der Lieferkette beobachtet der Wirtschaftswissenschaftler dabei ebenso wie die Akquise von neuen Kunden. Eine sich wandelnde Welt bietet auch Chancen.

Demokratien als stabile Grundlage – China als Gegenentwurf

Über Jahrzehnte hinweg erwiesen sich die westlichen Demokratien als stabil, gute Voraussetzungen also für erfolgreiches Wirtschaften. Ist die Demokratie also der einzige Nährboden für Wachstum und Wohlstand? „China ist das klassische Gegenbeispiel“, erläutert Dowling. Zwar sei der Motor etwas ins Stocken geraten, aber das kommunistische Land ist eine glasklare Diktatur: „China hat immer noch Wachstumsraten, von denen wir nur träumen können“, sagt Dowling. Und doch: „Die Verlässlichkeit der deutschen Wirtschaft von Beginn des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren an bis heute geht mit dem Erfolg Hand in Hand“, sagt Dowling.

In den USA, seiner einstigen Heimat, beobachtet er mit Besorgnis, wie die Gesellschaft sich immer weiter spaltet. Zwar wurde Donald Trump abgewählt, aber sein Revival könnte unmittelbar bevorstehen. Am 5. November 2024 finden die US-Wahlen statt. Wieso schafft es Trump offenbar erneut innerhalb seiner republikanischen Partei, wieder als Favorit dazustehen? „Die große Polarisierung der USA erklärt sich mit der Medienlandschaft“, meint der gebürtige Amerikaner. „Die Anhänger Trumps werden täglich stundenlang von Fox-News beschallt und glauben, was dort als neutraler Journalismus verkauft wird, aber keiner ist.“ Soziale Medien wie Facebook und Plattformen wie X würden das weiter befeuern. „Man lebt nur noch in seiner eigenen Blase, bekommt nur noch bestimmte Informationen zugespielt – und immer dann, wenn es zu Spaltung und Unruhen kommt, ist das nie gut für die Wirtschaft“, meint Dowling.

Gefangen in der Blase

Ähnliche Tendenzen bei uns gibt es derzeit bei Bürgern, die sich in Richtung AfD verabschiedet haben. „Für die sind ARD, ZDF und auch die Mittelbayerische Zeitung die Lügenpresse“, bedauert der Wirtschaftsprofessor. In eigenen Kanälen wie Telegram oder auch TikTok, ein chinesisches Portal mit besonders hoher Fake-News-Dichte, holen sich diese Medienverweigerer ihre „alternativen Fakten“. Laut Dowling sei es im Moment schwierig, durch Aufklärung und Informationen – einst die Stärke der Demokratie – auch auf diese Menschen zuzugehen, die sich da gerade verabschieden.

Dass es auch in Deutschland immer wieder Unternehmer gibt, die beispielsweise gezielt in die Demokratie infrage stellende Parteien Spenden stecken, habe es aber laut Dowling „auch zu allen Zeiten gegeben“. Auch Unternehmer seien Menschen – und Menschen tun eben hin und wieder irrationale Dinge.