Seit 65 Jahren Jagdpächter: Josef Daschner zwischen harter Arbeit und Familiensinn

Im November wurde Josef Daschner von der Jagdgenossenschaft Bernried geehrt: Seit sage und schreibe 65 Jahren hat er die Jagdpacht in Bernried inne.
Seinen Humor hat der gebürtige Bernrieder auch mit 94 Jahren nicht verloren. Dabei wurde er in eine Zeit hineingeboren, die den Menschen viel abverlangte. „Arm wie eine Kirchenmaus“ sei seine Familie gewesen, erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln. Als 14-Jähriger begann er eine Waldfacharbeiterlehre bei den Bayerischen Staatsforsten. Das war 1943, im vorletzten Jahr des Zweiten Weltkriegs.
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Daschner erinnert sich noch heute an jedes Detail, auch an die letzten 14 Kriegstage, als er gerade 16 Jahre alt war und eingezogen worden ist: „Da mussten wir eine Panzerfaustausbildung auf dem Gibacht machen.“ Cham sei damals gerade bombardiert worden. Er weiß noch heute, wie die Flieger der Amerikaner „über unsere Köpfe drübergeflogen sind“.
Ganz zum Schluss, etwa um den 25. April, habe er nach Winklarn in den Steinbruch gemusst, als die Amerikaner von Norden her aus Richtung Wernberg, gekommen seien. Der Schreiner Sepp (Josef Brunner) aus seinem Dorf und der Gschlossbauer Hans (Hans Zwicknagl) aus Flischbach seien auch dabei gewesen, erinnert sich Daschner. „Dass mir keiner mehr abhaut“, hatte der einarmige Oberleutnant damals zu den jungen Burschen gesagt. Dann aber, nach zwei Tagen, haben sie den Oberleutnant nicht mehr gesehen und auch sonst niemanden mehr. „Und wir haben unsere Radl gehabt und sind heimgefahren.“
Daheim in Bernried habe er dann zu seiner Familie gesagt: „Geht in den Keller, ich bleibe draußen stehen.“ Der damalige Bernrieder Bürgermeister habe die weiße Fahne aus dem Kirchturmfenster gehängt – Bernried wurde verschont, als die Panzer gekommen und durch das Dorf gefahren sind. Die amerikanischen Truppen fuhren weiter nach Wetterfeld, um dort die Überlebenden der Evakuierung des Konzentrationslagers Flossenbürg zu befreien.
Der Krieg war zu Ende
Dann war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Josef Daschner war, wie erwähnt, bei der Forstdienststelle Bernried als Waldfacharbeiterlehrling beschäftigt, die der Förster Josef Ertl aus Sulzbach-Rosenberg leitete. Holz machen, das ist eine Familientradition: Auch sein mit 52 Jahren früh verstorbener Vater Georg war bei der Forstdienststelle beschäftigt gewesen.
Damals sah diese Arbeit freilich noch ganz anders aus als heute. Zuerst einmal musste man sommers wie winters zu Fuß in die Arbeit gehen, dafür hatte sich der heute 94-Jährige selbst Holzschuhe angefertigt. Die weiteste einfache Wegstrecke von Bernried nach dem Öderberg waren rund fünf Kilometer, erinnert er sich. Mit im Gepäck für die Brotzeit waren zwei gekochte Eier und schwarzer Feigenkaffee, im Winter wurden die Becher über einem kleinen Feuer im Wald gewärmt. Später baute man dann kleine Lohhütten. Oft gab es auch eine Milchsuppe, weil die Familie zwei Kühe und ein paar Ziegen hatte.
Die beiden Winter 1941 und 43/44, noch zu Kriegszeiten, seien besonders streng gewesen, fällt ihm ein. Den ganzen Dezember und Januar bis zum 1. April habe es viel Schnee und Regen gegeben, die Bäume lagen im Schnee, was die Arbeit erschwerte. Nichtsdestotrotz mussten die Männer bei jedem Wetter den Winter über durcharbeiten. Auch die Arbeitsgeräte sind damals viel einfacher gewesen als heute: Im Gepäck dabei hatten die Männer eine Hacke, einen Keil, eine Säge und auch eine Zugsäge, einen Schlegel und eine Wendezange. Unter anderem habe er Buchenschwellen für die Eisenbahnlinie machen müssen, erzählt Daschner.
Der Bernrieder ist mit zwei Schwestern aufgewachsen, Fanni und Anne, die schon verstorben sind. Seine Mutter war nach dem frühen Tod des Vaters, Josef Daschner war damals erst 24 Jahre, 37 Jahre lang allein. Er selbst heiratete mit 25 Jahren Katharina Haberl aus Großbergerdorf. Das Paar bekam zwei Söhne. Seine Frau ist im Jahre 2022 verstorben. 67 Jahre war das Paar verheiratet und konnte diamantene Hochzeit feiern.
Bevor er selbst die Jagdpacht übernahm, ging Daschner zuerst in Hiltersried auf die Jagd, Alois Heilingbrunner als Kreisjagdmeister sei damals für den Landkreis Waldmünchen zuständig gewesen.
Zu dieser Zeit hatte er schon ein Motorrad, mit dem er dorthin fahren konnte, erinnert der Bernrieder sich. Auch sein Schwager sei ein Jäger gewesen, und am Anfang gingen sie oft zusammen auf die Jagd. 1958 übernahm Josef Daschner das Revier in Bernried. Das Jagdrecht, das die Amerikaner nach dem Krieg hatten, war von diesen wieder freigegeben worden. Die dafür notwendige Jägerprüfung hatte er 1951 in Weiden gemacht. Leopold Hofstetter aus Rötz habe damals bereits ein Auto gehabt und ihn mitgenommen.
Das erste Gewehr, eine Doppelflinte, kaufte sich Josef Daschner für 50 Mark von einem Jäger. Um den „Drilling“, eine Jagdwaffe, zu finanzieren, musste er drei alte Gewehre seines Großvaters einlösen, weiß er noch heute. Und seinen ersten Bock, 15 Kilo schwer, hat er drei Kilometer durch den Wald heimgetragen. Das Wild hatte damals ein Wildhändler aus Regensburg abgenommen, dorthin wurde es mit dem Zug transportiert, oder, wenn es nicht anders ging, auch schon mal mit dem Motorrad zu ihm gefahren. Zum Teil hat es die Familie auch selber verwertet. Der Verbiss im Wald durch die Rehe war früher nebensächlicher als heute, erinnert sich Daschner.
Das Hauptproblem damals wurde eher in den Füchsen gesehen, wenn sie die Hühner aus dem Stall geholt haben. Ein weiteres Problem war damals auch noch die Tollwut. Etwa alle zehn Jahre habe es eine Tollwutserie gegeben. Wenn dann ein kranker Fuchs mit einem Hund an der Kette gerauft habe, blieb nichts anderes übrig, als den Hund für drei Monate einzusperren und zu sehen, ob Symptome auftraten, oder ihn gar erschießen zu müssen, weil es für die Tollwut kein Heilmittel gab, ebenso wie natürlich für die infizierten Füchse. Vor knapp vier Jahrzehnten seien dann Köder mit einem Impfstoff gegen die Tollwut per Hand oder mit dem Flieger ausgelegt worden, seit etwa 15 Jahren gilt Deutschland nun als tollwutfrei.
Auch in der Rehkitzrettung war Josef Daschner früh aktiv geworden, als immer mehr die Mähwerke mit Traktoren die Mahd mit der Hand ersetzten. Heute wird mit Drohnen gesucht, früher habe man die Wiesen zu Fuß abgesucht, nach den Rehkitzen, nach Fasanen und Hasen.
Josef Daschner ist einer, dem man anmerkt, dass er immer gut mit den Leuten ausgekommen ist, er lacht viel, wenn er aus seinem Leben erzählt. Auch mit den Jagdgenossen sei es stets eine gute Gemeinschaft und Zusammenarbeit gewesen. Bis vor ein paar Jahren hat der Bernrieder noch selbst sein Brennholz gemacht. Seit er in Rente ist, hatte er mehr Zeit für das Angeln am Eixendorfer See, „mal um fünf Uhr früh, mal um fünf Uhr abends“. Bis voriges Jahr war Daschner noch regelmäßig auf dem Hochsitz. Auch jetzt hält er sich noch fit und marschiert mit seinen Walkingstöcken. Seine letzte Wildsau hat er 2022 geschossen.
Mitglied in vielen Vereinen
Bei den Waldmünchner Jagdhornbläsern war er als Gründungsmitglied ein halbes Jahrhundert dabei, hat lange Zeit im Bernrieder Kirchenchor gesungen, außerdem ist er Mitglied beim SV Bernried und bei zwei Anglervereinen. Auch als Imker war Daschner aktiv und hatte bei der FFW Bernried erst den Posten des zweiten Kommandanten inne und war dann auch eine Periode lang Vorstand.
Mittlerweile sind drei Generationen Jagdpächter in der Familie: 1982 kam Daschners Sohn Hubert als Mitpächter hinzu, 2021 seine Enkelin Kathrin. „Das ist einmalig, wenn die Jagd so lange Zeit innerhalb einer Familie weitergegeben wird“, hatte Konrad Platzer, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Bernried, bei der letzten Jahresversammlung der Jagdgenossen anerkennend festgestellt.
Wenn Josef Daschners Leben auch eines ist, das von viel harter Arbeit geprägt war, es ist auch ein erfülltes, vom Wirken für die Gemeinschaft und vom Familiensinn.

