„Weihnachtsdorf“ Haid bei Pitzling lockt Gäste aus ganz Deutschland – Lichterzauber nun vorbei

Das kleine Örtchen Haid bei Pitzling (Landkreis Cham) hat zwar nur rund 125 Einwohner zu verzeichnen. Doch inzwischen ist das „Weihnachtsdorf“ bundesweit bekannt und lockt Besucher aus ganz Deutschland. Nach der Weihnachtszeit stehen nun große Aufräumarbeiten an.
Lichterzauber, unzählige Sterne und freundliche Weihnachtsmänner: Jedes Jahr in der Adventszeit verwandelt sich Haid bei Pitzling in ein leuchtendes Weihnachtsdorf und verzaubert mit seiner märchenhaften Atmosphäre nicht nur die Einheimischen. Auch Anita Vogl wurde vom Weihnachtszauber gepackt und schmückt zusammen mit ihrer Familie jedes Jahr ihr Haus und ihren Garten. Mit unserer Zeitung spricht sie über Stromkosten, gute Nachbarschaft und Touristen aus ganz Deutschland.
Wie alles mit dem Weihnachtsdorf in Pitzling begann
„Als meine Tochter vor 43 Jahren auf die Welt kam, habe ich angefangen, unsere Fenster zu dekorieren. Damals habe ich noch Bilder mit Schneespray auf die Fensterscheiben gemalt, aber das Spray geht nach sechs Wochen nur mit viel Mühe wieder ab“, erinnert sich Vogl. Schon bald kamen immer mehr Dekorationen wie Lichterketten dazu. Die Schneespray-Motive wurden schließlich von Fensterbildern zum Aufkleben abgelöst. „Dann kam alle paar Jahre mal eine neue Lichterkette dazu, und mit der Zeit wurden es immer mehr Dekorationen. Das ist zu einer richtigen Sucht geworden. Aber so richtig extrem wird bei uns in der Nachbarschaft erst seit etwa 20 Jahren dekoriert“, sagt die 66-Jährige.
Inzwischen wurde fast das ganze Dörfchen von der Deko-Sucht gepackt. „Mit der Zeit wurde Haid immer größer. Es zogen viele junge Familien her und immer mehr Einwohner haben angefangen, mitzumachen“, so Vogl.
Auch in puncto Geschmack sind sich die rund 125 Einwohner einig: Um ihre Häuser und Gärten zu schmücken, benutzen sie fast ausschließlich weiße LED-Lichterketten. „Zu bunte und blinkende Lichter gefallen uns nicht besonders“, erklärt Vogl.
„Liebevolle Konkurrenz“ in der Haider Nachbarschaft
Mittlerweile herrsche in der Nachbarschaft eine „liebevolle Konkurrenz“, wie Vogl es beschreibt. Und weiter: „Wir verstehen uns alle sehr gut. Natürlich fragt man sich gegenseitig, ob der Nachbar für die kommende Saison irgendwas Neues geplant, oder ein paar neue Lichterketten gekauft hat. Man lässt sich einfach voneinander anstecken. Und am Ende haben alle aus der Nachbarschaft was davon.“ In der Weihnachtszeit halten sich die Bewohner von Haid gerne und viel im Freien auf, um den Lichterzauber zu genießen. „Wir treffen uns oft, um gemeinsam zu grillen oder einen Glühwein oder Punsch zu trinken, und lassen die Lichter auf uns wirken. Am 6. Januar waren wir alle bei unserem Nachbarn im Garten und haben eine kleine Grillparty veranstaltet, um den Winterzauber bis zur nächsten Saison zu verabschieden“, berichtet Vogl.
So viel kostet der Lichterzauber
Doch nun stehen erst einmal große Aufräumarbeiten an. Bei Familie Vogl sind die Aufgaben strikt verteilt: Während sich Anita um die Dekorationen im Haus kümmert, ist das Schmücken des Gartens die Aufgabe ihres Mannes Xaver. Der Aufbau der Lichterketten und Co. nimmt dabei in etwa zwei Wochen in Anspruch, der Abbau dauert hingegen circa eineinhalb Wochen. Inzwischen kann Anita Vogl die Anzahl ihrer Lichterketten nur noch schätzen: „Es müssten auf jeden Fall um die 70 sein. Manche unserer Lichterketten haben 1200 LEDs.“
Der weihnachtliche Lichterzauber hat aber auch seinen Preis, doch davon lässt sich Familie Vogl nicht aufhalten. „Für die sechs Wochen, an denen die Lichter leuchten, zahlen wir keine 300 Euro. Außerdem haben wir unser Haus schon vor etwa 15 Jahren komplett auf LED umgestellt. Die LED-Lichterketten sind sparsamer, günstiger und auch robuster als die von früher. Manche Leute geben dieses Geld gerne anders aus – zum Beispiel fahren sie mehrmals im Jahr in den Urlaub. Wir machen nur ein Mal im Jahr Urlaub und gönnen uns dafür die weihnachtliche Stimmung in der Adventszeit. Für uns muss das einfach sein“, sagt Vogl.
Besucher aus ganz Deutschland
Durch den weihnachtlichen Lichterzauber ist der kleine Ort mittlerweile bundesweit bekannt. „Es kommen wirklich viele Leute, um sich die Lichter anzuschauen. Nachdem das Fernsehen über uns berichtet hat, kamen an nur einem Wochenende über 1000 Autos nach Haid. Manche sind sogar extra aus Fulda und Hannover angereist. Vor allem während der Pandemie haben sich die Menschen nach weihnachtlicher Stimmung gesehnt. Da bekamen wir dann Anfragen über Facebook von Eltern, die mit ihren Kindern vorbeikommen wollten, um sich unser Weihnachtsdorf anzuschauen“, berichtet Vogl.
Gerade Kinder hätten einen „ganz anderen Bezug“ zu Weihnachten. Über den Lichterzauber in Haid kursieren unter den Kleinen bereits Legenden. „Oft fragen Kinder aus der Region, ob hier in Haid das Christkindl wohnt. Das bejahen wir dann meistens“, erzählt Vogl.
Nun ist der Lichterzauber vorbei – zumindest bis zum nächsten Weihnachten. Dann erleuchtet Haid bei Pitzling wieder hell und lockt Besucher und Touristen ins liebevoll geschmückte Weihnachtsdorf.

