Landwirte und Mittelständler freuen sich über Zuspruch und geben sich weiterhin kämpferisch

Von Alexander Frimberger · 12. Januar 2024 um 17:00

Eine Woche Bauernproteste ist bald rum. Die Landwirte rund um Ränkam haben sich mit 70 Traktoren beteiligt. Und auch der Mittelstand hat versucht zu mobilisieren. Wie lautet das Fazit von zwei Organisatoren, die derzeit wenig Schlaf bekommen?

Erstmals traf man sich am Montagmorgen gegen sechs Uhr auf dem Parkplatz am Grenzübergang Schafberg. Fabian Obl, der in Ränkam 55 Milchkühe im Stall stehen und darüber hinaus einen Job hat, gehört zur Gruppe der Organisatoren in Ränkam und Umgebung. „Am Dienstag habe wir es ruhen lasen“, ansonsten waren die wütenden Landwirte die ganze Woche unterwegs.

Zuspruch ist groß

Die Landwirte haben Sternfahrten unternommen, an Kundgebungen teilgenommen und von Bad Kötzting über Cham, Weiding, Chamerau, Miltach, Blaibach und weiteren Orten in einem großen Teil des Landkreises ihrem Unmut Luft gemacht. Sein Fazit: „Wir waren die ganze Woche gleich stark unterwegs, aber man kann beobachten, dass uns die normale Bevölkerung überholt.“ Will heißen, der Zuspruch ist in den Augen von Obl riesengroß.

Überall sei man den Traktoren- und Landmaschinen-Kolonnen nur freundlich und positiv begegnet. „Es gab kein negatives Wort, nur Lob, weil wir uns so gut verhalten haben.“ Letztlich wollte man den Verkehr ja auch nicht lahm legen, sondern vor allem sichtbar sein. „Nur ein einziges Mal hat mir ein älterer Mann, der uns mit seinem Pkw entgegengekommen ist, den Mittelfinger gezeigt.“ Doch vorbei ist der Protest noch nicht. Auch am Freitagabend traf man sich am Grenzübergang Schafberg und rollte los. Am Samstag, soll es weitere Aktionen auch in Cham geben. „Für uns als Landwirte hat das alles sicher etwas gebracht, der Zusammenhalt untereinander ist schon brutal“, freut sich Obl.

Etwas verhaltener fällt das Resümee von Peter Wanninger aus. Er arbeitet als Subunternehmer zum Beispiel im Kabelbau, sitzt an seiner Betriebsstätte in Arnschwang im Führerhaus seines Lkws und sagt: „Der Montag war gut, dann nicht mehr so.“ Er organisiert in seinem Bereich die Proteste für den Mittelstand, auch für die Speditionen. Er kämpft weiter, wohl mit einigem Erfolg, wie er glaubt. Die WhatsApp-Gruppe, in der sich inzwischen über 340 Aktive organisieren, steht unter der Überschrift: Ausgepresst. „So fühlen wir uns, ausgepresst und abgehängt.“ Der Mittelstand leiste die selbe Arbeit wie früher, hätte aber mit wesentlich mehr Kosten zu kämpfen. Das, ist er sicher, werde auf Dauer nicht gut gehen. „Maut, Energiepreise und vieles mehr – so, wie es jetzt ist, geht es an die Existenz.“ Darum hat man sich den Bauern angeschlossen. Die hätten den Funken entzündet, jetzt soll ein Feuer daraus werden. „Wir haben uns der Sache der Bauern angenommen und die werden sich dann auch unserer Sache annehmen“, ist er sicher. Wie Obl hat Wanninger lobende Worte für Polizei und Landratsamt. Auch von dieser Seite haben man großen Zuspruch und Verständnis erfahren.

Extremere Maßnahmen

Am Montag soll es in Berlin eine Gesprächsrunde mit Vertretern der Bauernschaft und der Regierung geben. Und was, wenn da kein zufriedenstellendes Ergebnis zu Stande kommt? Dazu hat Obl eine klare Meinung. Ohne konkret zu werden, sagt er: „Wenn am Montag nix weitergeht, dann werden die Maßnahmen extremer werden.“

Peter Wanninger will etwas verändern. Fotos: Frimberger
Der Parkplatz an der Grenze Schafberg ist ein Traktorentreffpunkt.