Wegen der angespannten Finanzlage: Nittenauer Bücherei wird vorerst nicht barrierefrei

Viele Nittenauer kommen gern in die Stadtbibliothek: Im Schnitt verzeichnet die Einrichtung pro Monat 625Besucher. Doch es könnten noch mehr sein – wenn der Zugang barrierefrei wäre. Die Stadt beschäftigt sich schon lang mit diesem Problem. Eine Lösung ist vorerst aber nicht in Sicht.
Im vergangenen Jahr hat die Stadtbücherei ihren 111. Geburtstag mit einer ganzen Reihe von Jubiläumsveranstaltungen gebührend gefeiert. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sie schon mehrere Umzüge hinter sich hat. Im Oktober 1912 hatten Pfarrer Andreas Ruhland und Kooperator Johann Röseneder, beide Gründungsmitglieder des Katholischen Pressevereins in Nittenau, knapp 250 Bücher gestiftet – und bald darauf konnte die Ausleihe in einem Raum des damaligen Baders Hildebrand in der Kolpingstraße starten.
Doch dort sollte die Bücherei nicht dauerhaft bleiben. 1953 beispielsweise fand sie im damaligen Schulhaus gegenüber der Kirche eine Heimat. 1968 wurde sie ins Jugendheim St.Wolfgang verlagert – bis sie 1988 schließlich in das Gebäude am Marktplatz 3 umsiedelte, wo sie auch heute noch im ersten Stock auf einer Fläche von knapp 160 Quadratmetern zu finden ist. 2023 hat die Bücherei bereits rund 22500 Ausleihen registriert.
Einen Aufzug gibt es nicht
Der aktuelle Standort ist für Menschen mit Handicap problematisch: Nach oben führt nur eine Treppe, einen Aufzug gibt es nicht. Auch Senioren, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, oder Müttern mit Kinderwagen oder Babyschale fällt es schwer, die Stufen in den ersten Stock zu bewältigen.
In den vergangenen Jahren hat die Frage, ob und wie man die Bücherei barrierefrei gestalten kann, die Stadt immer wieder beschäftigt – und auch die Frage, ob die Einrichtung an einen neuen und größeren Standort ziehen könnte, stand im Raum. Büchereileiterin Monika Wild hatte beispielsweise bei der Hauptausschusssitzung im März 2022 den Mitgliedern berichtet, die Bücherei brauche mehr Fläche, um die Medien besser präsentieren und Veranstaltungen abhalten zu können. Ideal wäre aus ihrer Sicht eine Bücherei in zentraler Lage mit barrierefreiem Zugang, führte sie in ihrem Bericht für den Ausschuss aus.
Stadtrat stimmte gegen Machbarkeitsstudie
Doch die Chancen, dass die Stadtbücherei in naher Zukunft tatsächlich für jeden Besucher zu erreichen ist, stehen derzeit schlecht. Im April 2023 hatte der Stadtrat beschlossen, den Standort am Marktplatz beizubehalten. Gleichzeitig hatte das Gremium die Verwaltung beauftragt zu prüfen, unter welchen Rahmenbedingungen er für eine barrierefreie Nutzung ertüchtigt werden kann.
Wie Pressesprecherin Alexandra Oppitz auf Nachfrage der Mittelbayerischen erläuterte, habe eine verwaltungsinterne Begehung im Nachgang zu der Stadtratssitzung stattgefunden. Dabei habe man keine Lösung für eine barrierefreie Erschließung finden können. „Deshalb wurde dem Stadtrat vorgeschlagen, eine Machbarkeitsstudie für die Herstellung der Barrierefreiheit zu beauftragen“, so Oppitz weiter. Der Stadtrat hat sich mittlerweile in nichtöffentlicher Sitzung gegen die Erstellung der Machbarkeitsstudie ausgesprochen, wie kürzlich in öffentlicher Sitzung bekannt gegeben wurde.
Nach Angaben der Stadt liegt ein Grund darin, dass es aufgrund der „bekannten räumlichen Gegebenheiten“ sehr unwahrscheinlich sei, dass eine barrierefreie Erschließung überhaupt realisierbar sei – oder allenfalls mit sehr umfangreichen Umbaumaßnahmen. Diese seien aufgrund der aktuellen Haushaltssituation und der Tatsache, dass es sich bei der Bücherei um eine freiwillige Aufgabe der Kommune handelte, nicht umsetzbar.
Büchereibesucher sind von der Situation genervt
Viele Büchereibesucher empfinden diese Situation als unbefriedigend – und Leiterin Wild kennt die Probleme vor Ort gut. „Wir haben 30 junge Familien mit mehreren Kindern, davon das Kleinste im Kinderwagen. Für diese Mütter ist der Büchereibesuch schwierig, da die Kleinsten zu den Büchereiräumen hoch getragen werden müssen“, sagt sie. Somit hätten die Mütter und Väter nur noch eine Hand frei, um den älteren Kindern beim Treppensteigen oder Bücher tragen zu helfen. „Auch viele unserer älteren Leser bedauern es, dass ein Büchereibesuch schwierig ist. Sie befürchten, dass ein Besuch mit zunehmender Gebrechlichkeit gar nicht mehr möglich ist“, so Wild. Wenn das Büchereipersonal gerade nicht an der Ausleihtheke beschäftigt sei, helfe man so gut wie möglich.
Wie es langfristig mit der Bücherei weitergeht, die rund 13500 Bücher und andere Medien beherbergt, bleibt abzuwarten. Laut Stadt genießt die fehlende Barrierefreiheit am derzeitigen Standort eine Art Bestandsschutz. Erst im Falle einer Umsiedlung müsse die Stadt einen Zugang gewährleisten, den auch Menschen mit Behinderung bewältigen können. So bleibt Bürgern, die die Räume nicht erreichen können, nur eine Möglichkeit: Sie können das digitale Angebot der Bücherei zu nutzen.
