Von Furth im Wald über die Grenze: Lohnt sich Tanktourismus nach Tschechien wieder?

Von Furth im Wald im Landkreis Cham zum Tanken und essen gehen nach Tschechien fahren, lohnt sich das? Darauf gibt es eine klare Antwort: Ja und Nein.
Natürlich ist der Blick auf die Tankpreise in Deutschland nicht mehr als eine Momentaufnahme. Diese wechseln täglich und darüber hinaus von Zapfstation zu Zapfstation. Wer öfter mal hinschaut, erkennt, dass der Treibstoff in Furth im Wald häufig einige Cent günstiger ist als in der Umgebung. „Das liegt natürlich an der Grenznähe“, weiß Dennis Heldt, Pressesprecher des ADAC Nordbayern und Spezialist auf dem Gebiet Spritpreise.
Lohnt sich Tanktourismus in Tschechien?
Ein weiterer Faktor ist in der Regel die Tankstellendichte. „Daher sind die Preise in Städten häufig niedriger.“ Ein Blick über die Grenze nach Tschechien zeigt, dass die Tankfüllung noch einmal günstiger wird. Je nach Antriebsart des Fahrzeuges am Donnerstag- vormittag zwischen 17 und 23 Cent je Liter. Trotzdem rät der ADAC vom Tanktourismus ab. Heldt: „Klar, wer auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit nur drei oder vier Kilometer von der Grenze entfernt ist, kann das schon mal machen.“
Auch wenn eine grundsätzliche Aussage wegen der schwankenden Preise nicht möglich ist, so hält man beim Automobilclub schon Anfahrten von rund 20 Kilometern für wenig zielführend: „20 Kilometer hin, 20 wieder zurück, da ist der Vorteil letztlich nur noch marginal.“ Außerdem, so Heldt, müsse man auch die Zeit, die man auf den Tankausflug verwendet, einrechnen.
Was der ADAC dagegen durchaus empfiehlt, in seinem direkten Umfeld immer die günstigste Tankstelle anzufahren, denn: Zwischen den Tankstellenbetreibern herrscht ein Wettbewerb. Heißt also, wer beim günstigsten Anbieter tankt, der zwingt die Konkurrenz, die Spritpreise zu senken.
Wie sich die Preise in den kommenden Monaten entwickeln werden, kann auch Fachmann Heldt nicht voraussagen. Der CO2-Preis, der zum 1. Januar von der Bundesregierung angehoben wurde, spielt dabei laut Heldt eine untergeordnete Rolle. „Viel wichtiger ist der Wechselkurs des Dollars zum Euro.“Öl wird in Dollar gehandelt, steigt der Kurs, steigen auch die Preise an der Zapfsäule. Laut ADAC schlüsselt sich der Preis für einen Liter Superbenzin für 1,79 Euro so auf: 85 Cent entfallen auf Kosten, CO2-Abgabe und Gewinn, 65,4 Cent auf die Energiesteuer und 28,6 Cent auf die Mehrwertsteuer. „Man muss aber sehen, dass die Steuergelder für Straßenbau und Infrastruktur verwendet werden“, sagt Heldt.
Tanken mit Ausflug in Tschechien kombinieren
Lukrativ kann sich der Sprung über die Grenze gestalten, wenn man das Tanken mit einem Ausflug verbindet. Auf Stippvisite in Domazlice, nur wenige Kilometer von der Grenze in Schafberg entfernt, offenbart ein Blick auf die Speisekarten der Lokale erstaunliches: Einen Schweinebraten mit Kraut und Knödel gibt es umgerechnet und aufgerundet für 7,10 Euro (175 Kronen), ein Lachssteak mit Grillgemüse für 12 Euro (295), Tiramisu für 3,30 Euro (80) und ein Bier ab 1,90 Euro (45). In einem anderen Lokal stehen auf der Burger-Karte Preise von elf bis knapp 12 Euro (249 bis 289). Ein Dolchstoß für die Gastronomie vor Ort? Christian Kienberger ist 3. Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreisverband Cham. Er sagt: „Grundsätzlich ist es immer ein Problem, wenn man Gäste verliert.“ Er gibt der Mehrwertsteuer, die im Gastgewerbe wieder auf 19 Prozent angehoben wurde, eine große Mitschuld. „Überall im Ausland um uns herum gelten sieben Prozent.“
Zu bedenken sei dabei auch, dass alle anderen Kosten für Energie, Mitarbeiter und vieles mehr gestiegen sind. Den Preis von rund sieben Euro für einen Schweinebraten findet er „Wahnsinn. Selbst wenn ich ihn zu dem Preis verkaufen wollte, ginge das nicht.“
Hoffnung auf Mehrwertsteuer: Vielleicht geht noch was
Wie man das in Tschechien hinbekommt, ist ihm schleierhaft. Schließlich hätten die Preise dort auch angezogen. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass nach wie vor viele von Tschechien nach Deutschland fahren, um bei uns in den Supermärkten einzukaufen. Kienberger fürchtet das fortschreitende Wirtshaussterben auf dem Land. Deswegen wird der Dehoga am Montag mit Delegationen aus ganz Deutschland nach Berlin reisen und protestieren. Auch die Oberpfälzer sind dabei. „Vielleicht“, hofft er, „geht mit der Mehrwertsteuer ja noch was.“


