Vom Altar zur Anatomie: Angehender Regensburger Pastor wechselt in die Pflege

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. Januar 2024 um 15:00

Erst tauschte er das BGB gegen die Bibel, dann startete der Regensburger Florian Lagerbauer im April 2022 eine Umschulung zum Pflegefachmann. Sein langfristiges Ziel ist es, die Tätigkeiten als Pastor und als Pflegefachmann verknüpfen zu können.

„Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten, war schon immer meine Passion“, erklärt Florian Lagerbauer. Doch auch zum Theologiestudium fand der gebürtige Straubinger erst über einen Umweg. Denn nach seinem Abitur begann er zunächst mit dem Jura-Studium in Regensburg, wie es in einer Mitteilung der Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) heißt. Nach kurzer Zeit wurde ihm allerdings klar: Das Studium interessiert ihn zwar – doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass er etwas Anderes machen sollte.

BGB gegen Bibel getauscht, um doch Pfleger zu werden

Ein Jahr zuvor hatte seine Schwester ein Studium an einem Theologischen Seminar im rheinland-pfälzischen Westerwald abgeschlossen und berichtete ihm immer wieder begeistert davon. Das brachte ihn „auf die richtige Spur“, meint der 31-Jährige.

Kurzum entschied er sich, das „BGB gegen die Bibel zu tauschen“. Er brach das Studium ab und zog nach Nordrhein-Westfalen. „Ich hatte schon damals ein großes Interesse an den psychologischen Inhalten und an der Seelsorge“, sagt Lagerbauer. Die Arbeit in den freikirchlichen Gemeinden und das Theologiestudium gaben ihm den Sinn, den er im Jurastudium nicht fand. Doch es sollten neue Herausforderungen auf ihn zukommen. „Und zwar ziemlich einschneidende.“ Die Corona-Pandemie und damit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote. Durch die geschlossenen Gemeinden wurde die Pastorenstellensuche nach dem Studium sehr schwierig.

Pastor und Pfleger Florian Lagerbauer: Aus Plan B wurde Plan P

„Die Pandemie war sehr hart für mich. Die Arbeit als freikirchlicher Pastor hätte mir großen Spaß gemacht. Mir wurde aber schnell klar, ich brauche eine krisensichere Alternative. Ein Plan B musste her“, so Lagerbauer, „oder wie in meinem Fall ein Plan P“.

Über einen Freund, der als Pflegefachmann in einer forensischen Klinik in der Nähe von Koblenz arbeitete, lernte er den Beruf des Pflegehelfers kennen. Die Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen im Praktikum gefiel ihm auf Anhieb. „Als Seelsorger war mir der Umgang mit psychischen Problemen teilweise schon vertraut. Und trotzdem konnte ich so viel neue Möglichkeiten der Gesprächsführung kennenlernen. Außerdem war das regelmäßige Einkommen Balsam für die Seele.“ Lagerbauer bewarb sich im Landeskrankenhaus Rheinland-Pfalz in Andernach, nahe Koblenz. Doch es sollte wieder anders kommen. Nach sechs Jahren „Exil“ wollte Lagerbauer mit seiner Frau zurück in die Domstadt. Deshalb bewarb er sich für einen Ausbildungsplatz an den medbo Pflegeschulen.

„Die Arbeit als Pflegehelfer in der forensischen Klinik hat mir gezeigt, dass ich mein Wissen im psychiatrischen Bereich aufbauen möchte. Die medbo Pflegeschulen waren daher meine erste Wahl“, so der 31-Jährige. „Nicht zuletzt, da hier meine Ausbildung zum Pflegefachmann als Umschulung vom Arbeitsamt finanziell gefördert wird.“

Pastor und Pflegefachmann

Wieder zurück in Regensburg kam auch prompt die Anfrage der freikirchlichen Gemeinde, die Lagerbauer während des Jurastudiums besuchte. „Und so kann ich nun beide Leidenschaften ausleben“, freut er sich. Die medizinischen Themen der Ausbildung findet Lagerbauer am spannendsten. Die verschiedenen Einsatzschwerpunkte runden die Ausbildung für ihn ab. „Ich kannte ja nur die Psychiatrie. Heute kann ich mir auch gut verschiedene somatische Bereiche als späteres Arbeitsfeld vorstellen.“ Die Verknüpfung von Theorie- und Praxisphasen findet er klasse. Sein langfristiges Ziel: Die Tätigkeit als Pastor und als Pflegefachmann verknüpfen zu können.