Bauernprotest: Verband vlf und Minister Füracker stellen sich in Neumarkt hinter die Landwirte

Von Jürgen Schlegel · 11. Januar 2024 um 11:30

Ganz im Zeichen der Bauernproteste stand die Jahreshauptversammlung des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung Neumarkt e.V. (vlf) in Neumarkt. Vorsitzender Peter Hollweck sagte, es gehe nicht nur um die Diesel-Subvention, der für einige Betriebe existenziell sei, aber nicht für alle. Vielmehr habe sich im Laufe der Jahre Frust angestaut.

Neben finanziellen Einschnitten sorgten auch die zunehmenden Auflagen und die zunehmende Bürokratie für Unmut. Das Ausbringen von Dünger sei mittlerweile so kompliziert, dass es an Fachfirmen vergeben werde. Hollweck klagte, die Preise würden künstlich niedrig gehalten. Seit Jahrzehnten sei man gewohnt, günstig essen und trinken zu können, der Wert der Nahrungsmittel sei nicht mehr bewusst. Er forderte eine Teilhabe der Landwirte am Inflations-Ausgleich. Im weiteren Verlauf dankte Hollweck allen Vereinsmitgliedern für die Unterstützung. Der vlf sei ein Verband, der der Landwirtschaft vor Ort dienen solle.

Geschäftsführer Johann Paulus erwähnte in seinem Geschäftsbericht, dass der 1336 Mitglieder starke Verein im vergangenen Jahr ein volles Veranstaltungsprogramm mit etwa 2800 Teilnehmern angeboten habe, darunter eine mehrtägige Herbstlehrfahrt nach Südtirol. Das regelmäßige Treffen der Meister biete einen Blick über den Tellerrand.

Gerhard Paulus hört als Geschäftsführer auf

Paulus erklärte weiterhin, dass er die Altersgrenze erreicht habe und dem vlf gerne weiter zur Verfügung stehe. Für das Amt des Geschäftsführers müsse man jedoch einen Nachfolger suchen. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker dankte dem vlf für seine Arbeit. Diese sei seit Jahren von besonderer Qualität.

Als eines der Probleme in der Gesellschaft nannte Füracker, dass viele den Eindruck hätten, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt werde. Arbeit müsse sich wieder lohnen. „Wir müssten uns wieder anstrengen im Land“, so der Minister. Hier seien die Bauern Vorreiter. Er verstehe die Demonstrationen, es gehe nicht nur um 21 Cent Agrardiesel.

Lippmann: Respekt für Demos

Der stellvertretende Landrat Dirk Lippmann (SPD) zollte den demonstrierenden Landwirten Respekt, dass die Aktionen friedlich verlaufen seien. Die Stellung der Landwirte in der Wertschöpfungskette müsse gestärkt werden. Den vlf bezeichnete Lippmann als eminent wichtig, denn Fort- und Weiterbildung seien immer notwendig.

Der Kreisobmann des BBV, Michael Gruber, lobte die gute Zusammenarbeit zwischen vlf und BBV. Gruber erklärte, das Wort Subventionen gefalle ihm nicht. Es gebe lediglich einen Ausgleich, der aber für die Bauern überlebenswichtig sei.

Anschließend gab Christopher Sieler Einblick in seine Lobby-Arbeit in Berlin – Sieler ist Angestellter des Pflanzenschutzmittelherstellers Syngenta. Er beklagte, dass die Anforderungen an die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln steigen würden.

Lobbyist schildert seine Sicht

Während Gentechnik in der Medizin bereits anerkannt sei, sei das in der Landwirtschaft nicht so. Das hänge auch damit zusammen, dass der Verbraucher davon keinen unmittelbaren Vorteil habe. An die Landwirte gerichtet erklärte Sieler, man müsse wieder eine ehrliche und offene Debatte mit den Verbrauchern führen.

Für ihr Engagement in der Erwachsenenbildung in den vergangenen 15 Jahren wurde Tanja Koch mit dem Silbernen Verbandsabzeichen geehrt. Unter anderem war sie von 2013 bis 2023 für das Frauenprogramm des Verbands verantwortlich.

Josef Hierl, von 2003 bis 2023 Vorsitzender des Vlf wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Hierl ist noch im Vorstand vertreten.