Einrichtungen in Furth im Wald, die nicht betroffen sind, sprechen über den aktuellen Pflegealltag

Von Alexander Frimberger · 11. Januar 2024 um 05:00

Nach einem bisher ungeklärten Todesfall in einer Further Altenpflegeeinrichtung hält sich die Staatsanwaltschaft bedeckt. Wir haben jetzt, wenige Wochen nach dem Vorfall, bei Verantwortlichen in anderen Pflegeeinrichtungen ein Stimmungsbild eingeholt.

Mario Binder betreibt einen Intensivpflegedienst in Eschlkam, eine seiner betreuten Wohngemeinschaften befindet sich in Furth im Wald. Kurz nach dem Vorfall in einer anderen Pflegeeinrichtung hatte er befürchtet, dass jetzt mit dem Finger pauschal auf alle Mitarbeiter gezeigt wurde. „Das ist Gott sei Dank nicht geschehen.“ Er betont immer wieder, dass das, was womöglich passiert ist, in der Brache ein absoluter Einzelfall sei. „Solche Fälle bewegen sich im Promillebereich, und das gibt es auch bei anderen Berufsgruppen.“

Keine Auswirkungen

Auswirkungen auf das Tagesgeschäft werde es selbstredend nicht geben. Es ändere sich ja an der Tatsache nichts, dass Menschen Pflege brauchen. „Man kann sich das nicht aussuchen, wie einen Friseurbesuch. Patienten sind weiterhin pflegebedürftig und müssen behandelt werden.“

Trotzdem stimmt ihn das, was möglicherweise passiert ist, natürlich nachdenklich. In der täglichen Pflegearbeit wird ohnehin immer wieder alles, was man tut, auf den Prüfstand gestellt. „Aber wir reflektieren noch einmal mehr, ob auch wirklich alles passt.“ Jedem in der Branche gehe es so, ob es im täglichen Ablauf in den Pflegeeinrichtungen etwas geben kann, wo möglicherweise Unvorhergesehenes passiert, das nicht passieren darf. Binder ist sicher, dass das eigentlich unmöglich ist: „Wenn man sich an alle Vorschriften hält, alle Regeln beachtet, dann kann das nicht passieren.“

Fälle wie der jetzt öffentlich gewordene geben manchem Mitarbeiter zu denken. Aber laut Binder gebe es bei ihm innerhalb der Belegschaft keine Probleme oder Abwanderungsgedanken in andere Berufe. Im Gegenteil, Binder ist mit der momentanen Situation rundherum zufrieden: „Es herrscht eine ausgewogene Mischung von Mitarbeitern und Anfragen für Pflegeplätze.“ Er habe viele gute Bewerbungen auf dem Tisch, könne sogar eine Auswahl treffen. Das sei nicht immer so gewesen. Bisher habe das Pendel immer in die eine oder andere Richtung ausgeschlagen. Binders Aussagen erscheinen mit Blick auf die allgemeine Situation ungewöhnlich.

In Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen wird häufig Mitarbeitermangel beklagt. Viele, die dem Druck nicht mehr Stand halten und abwandern, andere, die sich gar nicht für einen Pflegeberuf entscheiden. Der Intensivpfleger erklärt seine derzeit komfortable Situation so: „Wir haben einen guten Tarifvertrag, zahlen gut und das Klima stimmt.“ Außerdem ist Pflege in seinen Augen ein toller Beruf, „sehr erfüllend.“ Er sieht allerdings einige dunkle Wolken am Horizont: die geburtenstarken Jahrgänge, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, könnten ein Problem werden und zwar dann, wenn überall zu wenig Personal für zu viele betreuungsbedürftige Menschen zur Verfügung steht. „Dann“, so Binder, „wird die Qualität der Pflege leiden.“

Elisabeth Nachreiner ist Pflegedienstleiterin des BRK Pflegezentrums Furth im Wald. „Die tragische Geschichte in einer anderen Einrichtung hat für uns nichts verändert.“ Die tägliche Selbstkontrolle und die Reflexion der geleisteten Arbeit gehört demnach zu den täglichen Routinen in den Pflegeteams. Was sie allerdings schon wundert: „Nach dem Vorfall gab es weder von Bewohnern noch von Mitarbeitern Anfragen, die zu uns wechseln wollen.“

Senioren schweigen

Kein Thema scheint die Angelegenheit innerhalb der Further Seniorenschaft zu sein. Seniorenbeauftragte Brigitte Klappenberger: „Darüber wird bei unseren Treffen überhaupt nicht gesprochen. Niemand schneidet das Thema an.“ Warum dem so ist, kann sie nicht sagen.

Der Fall

Die Staatsanwaltschaft wirft einer 54-jährigen Pflegerin zur Last, einer 93-jährigen Heimbewohnerin ohne deren Einwilligung eine potenziell tödliche Dosis Morphium verabreicht zu haben. Die Geschädigte starb nach der Medikamentengabe. Dem 38-jährigen Mitangeklagten liegt zur Last, die Pflegerin hierzu angestiftet zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln derzeit in alle Richtungen.

Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher betont, dass für die Beschuldigten weiterhin die Unschuldsvermutung gilt.