Feuerwehr-Kommandant beschreibt Aufgabenfeld – und räumt mit Vorurteilen auf

Über Arbeitsmangel kann sich die Feuerwehr Furth (Landkreis Cham) nicht beschweren. Und die Aufgaben werden mehr. Sind die Aktiven für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet sind? Kommandant Franz Stoiber hat eine klare Meinung und räumt auch mit Vorurteilen auf.
„Wir hatten 274 Einsätze im vergangenen Jahr, die allermeisten davon sind glimpflich ausgegangen“, sagt Stoiber. Der spektakulärste Einsatz war für ihn ein Stallbrand in Warzenried, bei dem rund 300.000 Euro Sachschaden entstanden sind. „Häufig können wir aber schon bei der Entstehung eines Brandes oder durch schnelles Handeln am Unfallort Schlimmeres verhindern.“ Grund dafür ist die fortgeschrittene Technik mit Handyalarmierung oder Funkmeldeempfängern.
Was 2023 in Furth schon ein Problem war, wird sich in den nächsten beiden Jahren noch verstärken: die Baustellensituation. Bekanntlich wird ja derzeit an allen Ecken und Enden gewerkelt, um die Stadt für die Landesgartenschau 2025 hübsch zu machen. „Wegen der Straßensperrungen müssen wir zum Teil tagesabhängig reagieren können“, so der Chef der Further Floriansjünger. Möglich gemacht wird das auch mittels einer internen Whatsapp-Gruppe, in der Informationen weitergegeben werden. „Die Zeit bleibt nicht stehen, wir aber auch nicht.“ Und wenn die Further gar nicht durchkommen, dann gibt es immer noch die Ortsfeuerwehren im Umkreis, die zu Hilfe eilen können. Das ist einer der Gründe, warum Stoiber die häufig gehörte Forderung nach Abschaffung kleiner Feuerwehren absolut nicht verstehen kann. „Davon rate ich ganz klar ab. Wir brauchen jede Ortsteilfeuerwehr, weil wir gerade in unserer Zeit jeden Mann und jede Frau brauchen.“
Außerdem, so sein Credo, kennen die Ausbilder vor Ort die Menschen und können ihre Leute viel gezielter ansprechen.Die Frage ist für Stoiber nicht, ob die Aufgaben vielfältiger werden, auch aufgrund des Klimawandels sind sie es schon. Vegetationsbrände während Hitzeperioden im Sommer nehmen zu, Überschwemmungen nach langen Regenperioden im Winter auch. „Das Einsatzspektrum ist breit.“ Weiteres Problem sind die neuen Antriebsarten Kraftwägen. E-Autos oder Hybrid betriebene Pkw, die in einen Unfall verwickelt sind, müssen anders gesichert werden, als Benziner.
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Auch ein Problem: das automatische Notrufsystem eCall. Das ist in Neuwagen inzwischen vorgeschrieben. Deshalb Stoibers Bitte, zu antworten, wenn sich die Notrufzentrale meldet. Tut man es nicht, geht das System automatisch von einem Notfall aus und schickt die Einsatzkräfte los. „Wer den Knopf im Auto versehentlich drückt, soll sich auch melden. Keine Angst, eine Strafe gibt es dafür nicht.“ 65 aktive Floriansjünger, von denen 40 zum Stammpersonal gehören, stehen für die mannigfaltigen Aufgaben bereit. „Auch wir haben quasi Fachkräftemangel“, beschreibt Stoiber die Situation. „Wir bräuchten rund 80 Aktive mit einem Stamm von dann 65 Leuten.“ Gerne auch Frauen, die in Furth absolut unterrepräsentiert sind.
Was ihn aber freut: Im vergangenen Jahr haben sich ein 35-Jähriger und ein 49-Jähriger der Truppe angeschlossen. „Für beide ist es nicht ganz leicht, wenn sie mit jungen Leuten unter 20 Jahren im Schulungsraum hocken.“ Natürlich wirbt Stoiber immer um neue Aktive. „Man kann jeden Dienstag ab 19 Uhr bei der Übung im Feuerwehrzentrum vorbei kommen.“
Zusammenfassend sagt Stoiber: „Wir sind gut aufgestellt, auch mit unseren umliegenden Feuerwehren, und was wir nicht haben, beschaffen wir. So steht heuer ein Großereignis an: Ein neues Drehleiterfahrzeug, das 845000 Euro gekostet hat, wird seinen Dienst in der Drachenstichstadt antreten. „Übrigens bekommen Bad Kötzting und Waldmünchen baugleiche Fahrzeuge.“
Löschfahrzeug kommt 2027
Gerade wurde im Stadtrat außerdem beschlossen, im Jahr 2027 ein Tanklöschfahrzeug für rund 600000 Euro anzuschaffen, das mindestens 4000 Liter fassen kann. Auch eine Maßnahme um Brände bei Hitzewellen zu bekämpfen. Auch wenn die Fahrzeuge bezuschusst werden, sind das stolze Summen für die kommunalen Haushalte. Allen Kritikern aufgrund der hohen Ausgaben hält Stoiber entgegen: „Wenn ich die Hilfe will, muss ich auch das Equipment zur Verfügung stellen. Wir gehen ohnehin sehr pfleglich mit den Fahrzeugen um.“ Aber nach 30 Jahren ist die Sicherheit in vielen Fällen nicht mehr gewährleistet. „Man muss bedenken, wir leisten freiwillig Hilfe, haben meist Familie und Kinder.“
Seit geraumer Zeit gibt es Berichte, dass Einsatzkräfte bei der Ausübung ihrer Tätigkeit angegriffen werden. Das kann Stoiber für Furth nicht bestätigen. Was stimmt, dass der Ton auf der Straße häufig rauer wird. Pkw-Fahrer, die pöbeln oder Sperrungen umfahren, gebe es schon. Und: „Früher habe ich beim Martinszug zwei Kollegen eingesetzt, heute sind es zwölf.“ Einfach deswegen, weil die Rücksicht abgenommen hat.