Acht neue Fachkräfte für Jugendsozialarbeit an Schulen im Landkreis Cham

Acht neue Fachkräfte für Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) hat am Dienstag das Chamer Jugendamt vorgestellt – damit sind fast alle Schulen mit mehr als 100 Schülern mit einer sozialpädagogischen Stelle versorgt. Landrat Franz Löffler betonte den Wert der Arbeit solcher Fachkräfte.
Es sei ein besonderer Dienst für die Gesellschaft, der hier geleistet werde, um Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichem Tun zu unterstützen, „auch wenn das nicht immer einfach ist!“ Die „glücklichen“ Schulen, die nun eine solche Fachkraft bekämen oder bereits 2023 bekommen hätten, seien die Grundschulen Chamerau, Chammünster, Wilting, Waffenbrunn-Willmering, die Realschulen Furth im Wald, Cham und Roding sowie die Mittelschule Furth im Wald, so Löffler.
Was kommt 2026?
Der Landkreis nehme diesen Auftrag sehr ernst, sagte Löffler, wobei er auch an die Anfänge erinnerte, als es darum ging, wer zuständig dafür sei. Es gebe nur zwei Stellen an der Schule, die nicht dem Kultusministerium zugerechnet werden könne – eine sei die des Hausmeisters, die andere die der JaS. Beiden zollte er Respekt – auch der Hausmeister sei im gewissen Sinne oft ein „kleiner JaS“. Für die sei das Jugendamt zuständig – eine Behörde, die am Landratsamt heute mit 107 Beschäftigten das größte Sachgebiet darstelle.
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Löffler betonte jedoch, viel mehr sei nicht möglich, weil man sich einfach nicht viel mehr leisten könne. Zudem bekomme man nur noch sehr schwer Fachkräfte, daher mache er sich schon jetzt Sorgen, wenn die gesetzliche Ganztagsbetreuung für die Kinder in der ersten bis vierten Klasse ab 2026 komme – fünf Tage die Woche, täglich 8,5 bis neun Stunden und zum Teil auch noch für die Ferien. Das solle dann als ein einklagbarer Anspruch eingerichtet werden. Da werde es ganz schwierig werden, entsprechend-qualifiziertes Personal zu finden, so der Landrat, denn die Lehrer dürften dafür nicht genommen werden.
Je früher desto besser
Mit dem Ausbau der Sozialarbeit an Schulen verbinde sich die Erkenntnis, je früher man sich Kindern mit Problemen widme, desto mehr Erfolge habe man, sie auf den richtigen Weg zu bringen. Es sei nicht so, dass die Gesellschafter heute schlechter sei und deshalb diese Dinge seien – auffällige Kinder und Jugendliche habe es früher auch gegeben –, vielmehr habe man in der Jugendhilfe dazugelernt und sei an Erkenntnissen reicher geworden. Gestartet sei man vor Jahren mit der JaS an der Mittelschule in Cham, dann sei es an der Berufsschule weiter gegangen.
Nach der Ausweitung auf alle Mittelschulen und Realschulen seien schließlich auch die großen Grundschulen dran gewesen: „Je eher man an die Kinder rankommt, desto stabiler gehen sie ihren Weg!“ Heute sei Sozialarbeit an 34 Schulen im Landkreis vorgesehen und ein Teil der Schulfamilie. Das der Landkreis solche Hilfen an den Schulen anbiete habe einen einfachen Grund: Hier erreiche man dank der Schulpflicht alle Kinder, und hier falle es auf, wenn Unregelmäßigkeiten da seien. „Ich möchte Ihnen aber auch den Erwartungsdruck nehmen“, so Löffler direkt an die acht Fachkräfte – die JaS hebe nicht die Gesellschaftsaufgabe Erziehung auf – die bleibe letztlich bei den Eltern, auch wenn mancher diese Verantwortung „an der Türklinke des Staates“ abgeben wolle und sich gleich beschwere, wenn das Kind ein Kratzer abbekomme.
„Jeder muss seinen Job machen“, so Löffler, ob Eltern, Schule, Dorf, Vereine oder Gesellschaft. Ziel sei ein stabiles Kind und eine funktionierende Schulfamilie.
Landrat Franz Löffler betonte auch, dass der Landkreis für diesen niederschwelligen Zugang zum Jugendhilfeangebot durchaus tief in die Tasche greife: fast 800000 Euro investiert der Landkreis in die JaS pro Jahr. Die Ausgaben für soziale Sicherung und Jugendhilfe sind sowieso die größten Einzelposten im Kreishaushalt – 2023 waren 75 Millionen Euro für dafür vorgesehen. Das sind laut Landratsamt etwa 56 Prozent der laufenden Ausgaben von mehr als 134 Millionen Euro pro Jahr.
Markus Biebl, Leiter des Jugendamts in Cham, betonte, dass die Anforderungen für Bewerbungen um die Stellen hoch seien – ein pädagogisches oder ein erziehungswissenschaftliches Studium sei Voraussetzung. Nur so fördere auch der Freistaat diese Einrichtungen. Doch man sei optimistisch, weitere Kräfte einstellen zu können: „Schon morgen haben wir wieder ein Vorstellungsgespräch!“
Vakant sind jetzt noch JaS-Stellen an der Grundschule Eschlkam und an der Förderschule Cham und Bad Kötzting, wie an den Realschulen Waldmünchen und Bad Kötzting, so Jugendamtschef Markus Biebl. Der Einsatz der JaS mache sich durchaus bemerkbar – vieles, was früher beim Jugendamt gelandet sei, bleibe nun bei der JaS an den Schulen.