Als der Handball-Bundestrainer Kanus am Regen baute: Alfred Gislasons Besuche in Roding

Von Oliver Hausladen · 10. Januar 2024 um 05:00

Vor der Weltrekordkulisse von 53000 Zuschauern im Düsseldorfer Fußballstadion startet Alfred Gislason heute Abend als Trainer der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz in die Handball-Europameisterschaft, doch auch die Rodinger Dreifachturnhalle (Landkreis Cham) ist dem Isländer alles andere als fremd, berichtet sein langjähriger Weggefährte Lothar Schacke.

Zwei Mal, mit Gummersbach und dem THW Kiel, absolvierte er hier Freundschaftsspiele gegen den TB 03, einmal sogar verbunden mit einem Trainingslager. „Gislason hat sich in Roding sehr wohl gefühlt, vor allem auch wegen der Natur“, erinnert sich Schacke gerne. Der jahrelange Funktionär, der unter anderem auch fünf Jahre lang als Teamguide („Quasi ein Mädchen für alles“) für die Nationalmannschaft Islands fungierte und dabei bei der Europameisterschaft 2010 in Österreich sensationell den dritten Platz belegte, kennt den aktuellen deutschen Bundestrainer schon seit langem. „Wir standen auch privat in Kontakt und tun es heute noch“, erzählt der aus Kassel stammende Schacke, der mit der Bundeswehr nach Roding kam und den Handball-Sport hier mitetablierte.

Hochkarätige Testspiele in der Rodinger Sporthalle

Zum ersten Mal kam Gislason 2007 als Trainer des Bundesligisten VfB Gummersbach nach Roding. Neben einem Trainingslager, bei dem die Spieler unter anderem mit ihm Flöße bauen mussten, wie sich Schacke erinnert, stand auch ein Freundschaftsspiel in der Rundturnhalle an. „Das wurde damals mit dem ASV Cham mit dem damaligen Abteilungsleiter Albert Striegl organisiert, und war ein großer Erfolg vor einer vollen Halle“, sagt der heute 80-jährige Schacke.

2011 kam Gislason noch einmal nach Roding, dieses Mal mit dem ruhmreichen THW Kiel. Eine komplett gefüllte (mit Zusatztribünen) Halle sah damals einen standesgemäßen 31:18-Erfolg des deutschen Rekordmeisters gegen die wacker kämpfenden Rodinger. Anschließend wurde bei einem großen Empfang auch Weißbier mit Gislason getrunken, wie Fotos von der Feier zeigen. „Es waren tolle Erlebnisse und für mich eigentlich auch der Beginn des Rückzugs als Organisator“, sagt Schacke.

Und sogar noch ein drittes Mal kam der Isländer nach Roding, wie Schacke verrät – dieses Mal allerdings privat, „um mit mir Golf spielen zu gehen.“

Alfred Gislason: „Menschlich absolut top und großes Fachwissen“

Wie der deutsche Bundestrainer so drauf ist? „Man darf ihn nicht ärgern“, sagt Schacke mit einem Schmunzeln. Menschlich sei er „absolut top“, lasse auch alle Beteiligten zu Wort kommen, berichtet er. Zudem verfüge Gislason, der in seiner Heimat enormes Ansehen genieße, über ein riesiges Fachwissen. Deshalb werde er langfristig auch mit der deutschen Nationalmannschaft Erfolg haben, ist er überzeugt. „Er hat es bei allen seinen Stationen geschafft, junge Mannschaften aufzubauen, die dann Erfolg hatten“, sagt Schacke. Allerdings benötige seine Arbeit Zeit, um zu fruchten, „er ist kein Trainer für eine Saison.“ Deshalb hofft er, dass Gislason als Bundestrainer auch nach der Europameisterschaft im eigenen Land im Amt bleiben wird, egal wie das sportliche Ergebnis letztlich aussieht.

Was drin sein wird für die deutsche Nationalmannschaft? „Die ersten drei Spiele sind sehr wichtig“, sagt Schacke, als Top-Favorit sieht er die DHB-Auswahl trotz des Heimvorteils nicht.

Hoffen auf das Halbfinale bei der Handball-EM

Weiterzukommen sei eine Pflichtaufgabe, wenn es im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich aber eine Niederlage gibt, kann es in der Hauptrunde schon schwierig werden, zumal die Punkte mitgenommen werden. „Ich hoffe aber auf das Halbfinale. Das Publikum kann einen großen Faktor ausmachen“, sagt der früher weit gereiste Schacke, der sich die Spiele dieses Mal gesundheitsbedingt vor dem Fernseher anschauen wird.

Als Top-Favoriten auf den Titel sieht er Weltmeister und Olympia-Sieger Dänemark sowie Frankreich – „und mein Geheimfavorit ist natürlich immer Island“, sagt er lachend.

Handball-EM: Start, Modus und Partien in München

Deutscher Auftakt heute gegen die Schweiz: Die deutsche Nationalmannschaft startet am heutigen Mittwoch um 20.45 Uhr mit der Partie gegen die Schweiz in der eigens umgebauten Düsseldorfer Fußball-Arena in die Europameisterschaft. 53000 Zuschauer werden vor Ort mit dabei sein.

Frankreich und Mazedonien warten in der Vorrunde: Die restlichen beiden Vorrundenspiele bestreitet das Team von Bundestrainer Alfred Gislason am Sonntag, 14. Januar, um 20.30 Uhr gegen Außenseiter Nord-Mazedonien sowie am Dienstag, 16. Januar, um 20.30 Uhr gegen Mit-Favorit Frankreich.

Einzug in die Hauptrunde als erstes Ziel: Schafft des die DHB-Auswahl auf einen der beiden ersten Plätze, geht es mit vier Partien in der Hauptrunde weiter. Erster und Zweiter der beiden Hauptrunden-Gruppen bestreiten dann überkreuz die beiden Halbfinals, die (wie auch das Endspiel) in Köln stattfinden.

Vorrunden-Spiele in der Olympiahalle: Auch in Bayern finden Vorrunden-Spiele der Handball-Europameisterschaft statt. Island, Ungarn, Serbien und Montenegro sowie Dänemark, Portugal, Tschechien und Griechenland bestreiten ab Donnerstag ihre Partien in der Münchner Olympiahalle.

Fünf Jahre lang war Lothar Schacke (re.) „Teamguide“ der isländischen Nationalmannschaft und wurde dabei unter anderem sensationell Dritter bei der Europameisterschaft 2010 in Österreich. Fotos: privat