Frühstücken mit einem Handball-Helden

Von Claus Gehr · 28. Januar 2015 um 00:00

Während ihn noch die ganze Nation für seinen grandiosen Auftritt im Tor der deutschen Handball-Nationalmannschaft beim 23:16-Sieg im WM-Achtelfinale über Ägypten feierte, frühstückte Carsten Lichtlein mit seiner Schwester. Möglich machen das die Errungenschaften der multimedialen Welt.

Denn während der 34-Jährige im Mannschaftsquartier der deutschen Handballer in Doha im Wüstenstaat Katar meist als Erster den Tag beginnt, bereitet sich auch Silke Lichtlein 4300 Kilometer nordwestlich entfernt in Regensburg auf ihren Arbeitstag vor. Und auch wenn sie sich aufgrund der räumlichen Trennung nicht die Brötchen reichen oder gegenseitig den Kaffee einschenken können, so beginnen sie den Tag dank des Nachrichtendienstes WhatsApp derzeit immer gemeinsam. „Carsten und ich sind beide Frühaufsteher. Wir unterhalten uns und schicken uns Bilder“, erzählt Silke Lichtlein.

„Er ist unglaublich ruhig und konzentriert

Die Lehrerin am Regensburger Vom-Müller-Gymnasium ist natürlich mächtig stolz auf ihren zwölf Jahre jüngeren Bruder und voller Bewunderung. Denn während die aus dem unterfränkischen Heidingsfeld stammende Familie Lichtlein die Erfolge des 2,03 Meter Torhüters und seiner Teamkollegen feiert, bleibt der ganz gelassen. „Es ist unglaublich, wie ruhig und konzentriert er ist“, sagt Silke Lichtlein. Schon am Morgen nach dem Sieg gegen Ägypten sei er schon wieder voll fokussiert auf das Viertelfinale am Mittwoch (16.30 Uhr MEZ/Sky) gegen Gastgeber Katar gewesen.

Dabei hätte er auch gut den Moment genießen können. Nachdem er sich viele Jahre hinter Kollegen wie Henning Fritz, Johannes Bitter oder Silvio Heinevetter hinten anstellen musste, ist er in Katar endlich zur Nummer eins im deutschen Tor aufgestiegen und hat größten Anteil am Viertelfinaleinzug der deutschen Handballer. Gegen die Ägypter parierte der Torhüter des VfL Gummersbach 56 Prozent aller gegnerischen Würfe und wurde offiziell zum Spieler des Spiels gekürt.

Olympia 2016 das große Ziel

Seine Schwester, deren Sohn Nils in der männlichen C-Jugend des ESV 1927 Regensburg in der Bayernliga dem Ball hinterherjagt, überrascht das nicht. „Carsten ist wirklich immer perfekt vorbereitet und schaut sich die Gegner ganz genau an. Er tut alles, um sein Ziel zu erreichen.“ Dieses ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Dafür sollte Deutschland in Katar am Ende einen der ersten sieben Plätze belegen und sich anschließend in der Qualifikation behaupten. Als Weltmeister wären Lichtlein und Co. sogar direkt qualifiziert. Doch erst einmal drückt ihm seine Schwester Silke am Mittwoch gegen Katar wieder vor dem Fernseher die Daumen und freut sich schon auf das gemeinsame Frühstück am Donnerstag.