Diskussionen um Bauern-Protest am Galgenberg: So lief der Tag in Regensburg

Ein leises Hupkonzert kündigt aus der Ferne an, was da gerade auf Regensburg zurollt. Tausende Landwirte aus dem Landkreis und darüber hinaus haben sich am frühen Montagmorgen auf den Weg in die Domstadt gemacht, um ihrem Ampel-Ärger Luft zu machen. Der Tag des großen Bauern-Protests im Protokoll.
• 5.30 Uhr: Große Solidarität in Nittendorf
Auf dem Rewe-Parkplatz in Nittendorf bekommen die Bauern Kaffee und eine Brotzeit. Bäckereifachverkäuferinnen bekunden Solidarität. Polizisten geben letzte Instruktionen. Dann geht es los in Richtung Regensburg. An der ehemaligen B8 treffen die Nittendorfer auf den etwa 100 Traktoren starken Konvoi aus Hemau. Die Stimmung bei den Landwirten ist gut, bei den restlichen Verkehrsteilnehmern auch. Immer wieder winken Leute den Bauern zu, heben den Daumen. Weitere Gruppen rollen aus Köfering, Bad Abbach, Schönach, Hauzendorf und Regenstauf an.
• 7 Uhr: In der Innenstadt ist alles wie immer
Die Busse sind pünktlich, zumindest in der Regensburger Innenstadt. Die Schulen haben offen. Auch sonst hat (fast) nichts geschlossen: Lediglich der Alte Schlachthof blieb aus Solidarität mit den Bauern zu. Neben der Bauern-Kundgebung wurden keine weiteren Veranstaltungen bei der Stadt angemeldet, wie Sprecherin Juliane von Roenne-Styra erklärt. Keine Spur von einem Generalstreik, von dem in den vergangen Wochen in Sozialen Medien immer wieder die Rede war.
• 8 Uhr: Hupkonzert im Stadtnorden
An der Kreuzung der Frankenstraße mit der Drehergasse in Steinweg drosseln Traktoren den Verkehr in Richtung Oberpfalzbrücke. Hinter einer der Maschinen müssen Autofahrer Geduld beweisen – auch der Fahrer eines Busses, als er eine Haltestelle ansteuern will. Lautes Hupen ist auch aus Richtung der Frankenbrücke zu hören, wo ein Konvoi aus mehreren Traktoren unterwegs ist. Autofahrer weichen auf die kleineren, zum Teil verkehrsberuhigten, Seitenstraßen aus.
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• 9 Uhr: Das ganz große Verkehrschaos bleibt aus
Gähnende Leere in der Furtmayrstraße. Durch die Weißenburgstraße fährt ein einzelner Traktor. Es deutet sich an: Das befürchtete Verkehrschaos bleibt aus. Viele haben das Auto wohl vorsichtshalber stehen lassen. Selbst in der Frankenstraße, von wo aus sich ein Konvoi gerade hupend auf den Weg in die Donau-Arena macht, fließt der Verkehr auf der linken Fahrspur flüssig. Die Polizei berichtet auf Nachfrage von einem geordneten Ablauf der Veranstaltung. Einem Beamten war am Vormittag „keine größere Störung“ bekannt.
• 10 Uhr: Zusammenkunft an der Donau-Arena
Auch die Traktoren aus Regenstauf haben jetzt das Regensburger Ortsschild erreicht. Über die Walhalla-Allee fahren sie die Kundgebung an. Auch in der Pilsen Allee und auf dem Odessa-Ring sind nur noch Schlepper zu sehen. Der Kreisverkehr vor dem Parkplatz der Donau-Arena wird zum Nadelöhr. Wer als Autofahrer hier vorbei muss, der hat schlechte Karten.
• 11 Uhr: Mit Verspätung zur Kundgebung
Eigentlich sollte jetzt die Kundgebung beginnen. Der Beginn muss nach hinten verschoben werden. Zu viele Schlepper seien noch draußen auf der Straße, teilen die Veranstalter, die schon auf der Bühne stehen, mit. Jubel im Publikum. Josef Habenschaden, der die Sternfahrt aus Kneiting organisiert hat und auf dem Platz für Ordnung sorgt, schätzt, dass jetzt schon Tausende Menschen da sind. Mit einem E-Bike fährt er über den Parkplatz und zeigt den Neuankömmlingen, wo sie noch ein Plätzchen für ihre Boliden finden. Zahlreiche haben Schilder an den Traktoren montiert. „Es reicht“, steht auf einem geschrieben. „Immer auf die Kleinen“ war auf einem anderen zu lesen. Häufigstes Motiv neben den Sprüchen: eine Ampel.
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• 11.45 Uhr: Bühne frei für Bauern und Politiker
Es geht los. Ely Eibisch, Präsident des Oberpfälzer Bauernverbandes und Vize auf Landesebene macht seinem Ärger Luft über die geplanten – und teils zurückgenommen – Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Es geht um die Besteuerung von Agrardiesel und landwirtschaftlichen Gefährten, doch die Anliegen der Bauern gehen tiefer. „Zuviel ist zuviel“, sagt Eibisch und spricht von faulen Kompromissen. Er fordert ein klares Bekenntnis der Ampel zur Landwirtschaft. Egal bei welchem Redner, wenn es um die aktuelle Regierung geht, wird es laut im Publikum. Zahlreiche Plakate an den Traktoren der Demonstranten haben das bereits vermuten lassen. Neben Eilisch spricht Andreas Fischer vom Verein „Landwirtschaft verbindet Bayern“ auf der Bühne über die aus seiner Sicht prekäre Lage in der Landwirtschaft. Landrätin Tanja Schweiger, Staatssekretär Tobias Gotthardt (beide Freie Wähler) sowie der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer und der Landtagsabgeordnete Patrick Grossmann (beide CSU) sprechen in Grußwörtern Solidarität aus – und schelten die Ampel.
• 14.45 Uhr: Diskussionen an der Arcaden-Kreuzung
Die Bauern brechen zu einer Stadtrundfahrt auf. Über die Bajuwarenstraße, die Galgenbergstraße und Friedenstraße geht es weiter in die Furtmayrstraße. Von der Weißenburgstraße, über die Nibelungenbrücke und durch die Isarstraße geht es zurück zur Donau-Arena. Am Fuße des Galgenbergs haben sich Unterstützer der Landwirte versammelt. Zwei junge Männer haben sich mit einem „Die Ampel muss weg“-Plakat am Straßenrand postiert. Hupend stimmen ihnen viele der Landwirte zu. Unten, an der Kreuzung zur Friedenstraße, steht Marianne Schröppel. „Gott schütze den Bauernstand“ steht auf dem Plakat, das sie wie einen Rucksack trägt. Jeder Bauer bekommt von ihr ein Lächeln und einen Daumen nach oben. An der Arcaden-Ampel schaut sich ein junger Mann die Rundfahrt auch. Auch er ist hier, um die Landwirte in ihrem Protest zu unterstützen. Dass ein vorbeikommender Rentner den Bauern Reichtum vorwirft – die sündteuren Traktoren belegten das –, regt ihn auf. „Die Bauern brauchen die Maschinen ja, um arbeiten zu können“, sagt der junge Mann.
• 17 Uhr: Die Veranstaltung löst sich langsam auf
Nach der Stadtrundfahrt machen sich die ersten Landwirte auf den Heimweg. Immer wieder sind einzelne Schlepper im Stadtgebiet zu sehen. Die Polizei zieht da schon eine „positive Zwischenbilanz“. Vereinzelt seien Straf- und Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Die beiden Regensburger Inspektionen berichten am Abend jedoch von „keinen besonderen Zwischenfällen“.



