Wenn das Haustier flüchtet: Catrin Röhricht von der Tierhilfe Weiding klärt auf

Von Alexander Frimberger · 8. Januar 2024 um 11:00

Beim Spaziergang kracht ein Schuss durch den Wald, an Silvester knallen Raketen und Kanonenschläge, der Hund bekommt Panik und rennt weg. Was kann man dann tun? Besser noch, wie kann man vorsorgen? Das haben wir Catrin Röhricht von der Tierhilfe Weiding (Landkreis Cham) gefragt.

„Wir sind voll“, sagt die engagierte Tierschützerin. 20 Hunde beherbergt sie im Moment, die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Immer wieder kommt es natürlich vor, dass herumlaufende Hunde aufgegriffen und zur Tierhilfe gebracht werden. „Silvester“, sagt sie, „war in diesem Jahr relativ harmlos.“ Da hat es auch andere Jahre gegeben, in denen deutlich mehr Ausreißer bei ihr ankamen. Nur ein Hund ist diesmal vor der alljährlichen Knallerei in Panik davongerannt und wurde zu ihr gebracht. „Es war die Fellnase einer älteren Frau, die hat ihn nach einer Stunde wieder abgeholt.“

Trauiges Seniorenschicksal

Dieses Happy End ist Mensch und Tier übrigens nicht immer gegönnt. Röhricht erklärt, dass immer mehr alte Hunde aus einem anderen Grund im Tierheim landen. Das, was dahinter steckt, ist traurig. Häufig sind es Senioren, die betagte Tiere haben. „Irgendwann reicht einfach das Geld nicht mehr, um die Tiere zu versorgen.“ Das gilt vor allem, seit die Gebührenordnung für Tierärzte im November 2022 angepasst, sprich deutlich erhöht wurde. Da kann die Behandlung eines in die Jahre gekommenen Hundes, der mit Schmerzen, Arthritis oder anderen Leiden kämpft, schon mal ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse reißen.

Aber zurück zu den lärmgeplagten Vierbeinern. Denen macht nicht nur der Jahreswechsel zu schaffen, es kann über das ganze Jahr ganz unterschiedliche Gründe haben, warum ein Hund die Flucht einschlägt: die Berührung eines Weidezauns, der Strom führt, Gewitter, ein Insektenstich, der Schuss eines Jägers und vieles mehr.

GPS als Vorsorge

Röhricht bedauert, dass es noch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, aber sie betont: „Jeder Hund sollte einen Chip haben, mittels dem man ihn identifizieren und seinem Besitzer zuordnen kann.“ Der bekannteste Anbieter ist dabei Tasso, es gibt aber auch andere Haustierregister, wie zum Beispiel Findefix. Die Furtherin Heidi Buhl, die vier Hunde ihr eigen nennt und bei den Hundefreunden Cham aktiv ist, empfiehlt beispielsweise mit Wattestäbchen einen Abstrich im Mund zu machen und luftdicht zu verschließen. Geht auch mit Haarproben, ergänzt Röhrig. Mit beiden Methoden können trainierte Vierbeiner die Fährte aufnehmen. „Ich habe zwar noch keine Erfahrung damit, bewährt haben sich inzwischen auch GPS-Tracker, vorausgesetzt, die Batterien sind immer geladen“, so die Weidinger Hundeexpertin.

Passieren könne es jederzeit, dass ein Hund ausbüxt, „gefeit ist niemand davor.“ Deswegen warnt sie vor Pauschalverurteilung betroffener Hundebesitzer: „Nicht jeder hat ein Panikgeschirr für Angsthunde.“ Außerdem, in der Regel kenne man ja die Umgebung, in der man unterwegs ist. Herrscht dort häufiger Jagdbetrieb, muss man dementsprechend vorsichtig sein. Ins Reich der Fabel verweist sie übrigens die pauschale Aussage, ein Hund der einmal abhaut, tut das immer wieder. „Das stimmt übrigens auch nicht für Hunde, die aus irgendeinem Grund einmal gebissen haben.“

Hilfe aus dem Netz

Bei allen möglichen Maßnahmen, am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht zum Ernstfall kommt. Manuel Schwarz, der ein Rudel mit drei Hunden sein eigen nennt, wobei einer davon ein ganz frisch dazugekommener Welpe ist, kennt einige Techniken, die man anwenden kann. Vor Silvester macht er die Hunde müde, sind sie noch nicht zu panisch, gibt er ihnen zur Beruhigung etwas zu kauen. „Der Welpe darf , wenn er ängstlich ist Schutz bei uns suchen.“

Ansonsten ist Schmusen in seinen Augen in Angstsituationen kontraproduktiv, weil es das negative Verhalten bestärkt. Hunde, die auf bestimmte Geräusche allergisch reagieren, kann man mit kleinen Clips aus dem Internet abstumpfen. Aber Achtung: Nicht gleich die volle Dröhnung, langsam steigern. Wenn der Hund dann doch im Tierheim landet, haben die meisten Glück. „Von zehn werden zwischen acht bis neun zügig wieder abgeholt“, so Röhricht. Bei Katzen ist das Verhältnis genau umgekehrt. Nur die wenigsten kommen wieder nach Hause. „Häufig sind das Bauernhofkatzen, die nicht vermisst werden.“

Manuel Schwarz hat ein Rudel mit drei Hunden. Foto: Frimberger
Tierheim, Endstation für viele Katzen Foto: dpa/Philipp von Ditfurth