Thomas Weißmüller aus Möning fuhr in drei Monaten mit dem Rad zum Nordkap und zurück

Von Heike Regnet · 7. Januar 2024 um 19:00

„Der Sommer 2023 war für mich sicher einer der besten meines Lebens“, sagt Thomas Weißmüller aus Möning. Drei Monate war er mit dem Rad unterwegs. Sein Ziel: das Nordkap, der nördlichste Punkt Europas. Auf den fast 6000 Kilometern hat er einiges erlebt.

Thomas Weißmüller erinnert sich noch genau an die Reaktion seines Arbeitgebers, als er das Sabbatical beantragte: „Erst war er zögerlich, doch als er hörte, was ich vorhabe, hat er es sofort genehmigt.“

Die längste Radtour, die der 31-Jährige bis dahin unternommen hatte, waren Tagestouren mit höchstens 70 Kilometern. Nun galt es 5912 Kilometer in drei Monaten zu bewältigen.

30 Kilo Gepäck mussten ans Fahrrad

Vom Zelt bis zum Kocher plus Kleidung musste alles am Trekkingtourenrad gut verstaut werden – rund 30 Kilo Gepäck. In den ersten zwei Wochen war Freund Tobias mit dabei. „Bis Rostock , dann war sein Urlaub rum und ich bin alleine weiter“, erzählt Weißmüller. Die grobe Route hatte er mit Euro-Velo-Karten und dem Europafernradweg geplant. „Dann habe ich mir immer die landschaftlich schönsten Strecken rausgesucht“, sagt er. Täglich war er bis zu sechs Stunden im Sattel.

Auf dem Weg schloss er viele Bekanntschaften, etwa mit einem Rentnerpaar aus Nürnberg, das schon im März zum Nordkap gestartet war, oder mit einer vierköpfigen Familie, die bereits 3000 Kilometer unterwegs waren. „Und wenn die Strecke anstrengend wurde, gab’s Musik aufs Ohr.“

Mit dem Online-Tagebuch live dabei

Alle seine Eindrücke hielt er in einem Tagebuch fest. So konnten Familie, Freunde und Arbeitskollegen online verfolgen, wie weit er schon gekommen war. In bester Erinnerung blieb ihm der Ronandane-Nationalpark in Norwegen. „Das ist schon relativ cool, wenn auf der einen Seite das Meer und gegenüber Berge mit Schnee zu sehen sind.“ Ja und dann waren da auch noch die Rentiere. „Die gab es echt überall.“

Probleme, ob gesundheitlich oder mit dem Rad, hatte der 31-Jährige kaum. „A bissl Muskelkater und einmal war die Kette durch. Auch das Wetter hat meist gepasst.“

Übernachten war in Skandinavien kein Problem

Kein Problem war es für ihn, geeignete Schlafplätze zu finden. „In Skandinavien gilt das Jedermanns-Recht – man darf überall campen, muss den Platz aber natürlich ordentlich verlassen.“

In Norwegen und Schweden führte die Strecke mangels Radweg oft direkt auf der Straße und auch wenn die Auto- und Lkw-Fahrer rücksichtsvoll unterwegs waren, war es doch so manches Mal ein unangenehmes Gefühl, wenn diese mit 100 Stundenkilometern vorbeizogen.

Ein stetes Thema war die Essensplanung. Die Trinkflasche konnte überall problemlos aufgefüllt werden, doch die Essensvorräte mussten stets aufgefüllt werden.

Kräftezehrende Tour durch Nordeuropa

Dass die Radtour trotz Rentiersteaks, Nudeln, Obst, Energieriegeln und Eintöpfen kräftezehrend war, zeigte sich nach der Rückkehr auf der Waage – sechs Kilo hatte Weißmüller abgenommen.

Am 23. Juli, Tag 70 der Tour, hatte der 31-Jährige sein Ziel erreicht. Natürlich durfte das Erinnerungsfoto am nördlichsten Punkt Europas nicht fehlen – eines von rund 2000 Bildern und vielen Videos. Einige hat er mit der Drohne gefilmt, wie zum Beispiel den Gezeitenstrom. „Die letzten 30 Kilometer zum Nordkap waren schon sehr windig“, erinnert sich Weißmüller. „Das waren außerdem über 700 Höhenmeter.“

200 Meter unter dem Wasser geradelt

Auch die Fahrt durch den Nordkaptunnel ist unvergessen. „200 Meter unterm Wasser, an die sieben Kilometer und laufend fahren Autos an dir vorbei“, beschreibt er diese Etappe. Natürlich war der junge Mann am Nordkap nicht allein. „Da war richtig viel los.“ Nach einem Kaffee und einem Bier für stolze 12,50 Euro trat er schließlich den Rückweg an – allerdings nicht mehr nur per Rad, sondern vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln. „Da hat’s mit dem Radeln dann auch gereicht“, sagt Weißmüller heute lachend.

Weißmüllers Tipp: Einfach losfahren!

Nur zuletzt stieg er noch einmal in die Pedale. Denn in Rengersricht wurde er von seinen Eltern schon erwartet, um die letzten Kilometer bis Möning gemeinsam heimzuradeln. „Wer so etwas einmal machen will, sollte gar nicht viel drüber nachdenken, sondern losfahren“, empfiehlt Thomas Weißmüller. „Ich werde so eine längere Tour auf jeden Fall wieder machen.“

Am Nordkap durfte das Erinnerungsfoto natürlich nicht fehlen.