Archivpfleger Josef Motz taucht tief in die Geschichte Freystadts ein

Von Heike Regnet · 4. Januar 2024 um 15:00

Die Geschichte von Freystadt wird zwar nicht neu geschrieben, aber neu sortiert. Archivpfleger Josef Motz sichtet und ordnet unzählige Dokumente, um sie am neuen Standort im Stadlmannanwesen zu erhalten. Fragt man ihn nach berühmten Freystädter Bürgern, muss er nicht lange überlegen.

An erster Stelle stehen Jean Paul Egide Martini, der das weltweit bekannte Stück „Plaisir d'amour“ komponierte und Dr. Ernst Schweninger, der Leibarzt von Otto von Bismarck und wahrscheinlicher Ideengeber für den „Bismarckhering“. Josef Motz geht es bei seiner Arbeit im Archiv nicht nur um die Geschichte der Stadt.

Es sind vor allem die vielen kleinen und überraschenden Geschichten, die ihn antreiben, tiefer in die Historie einzutauchen.

Nachdem Archivpfleger Lorenz Wolfgang Zellner nach 21 Jahren sein Amt als Archivpfleger aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte, übernahm Josef Motz mit Stadtratsbeschluss im November diese wichtige Aufgabe.

Josef Motz arbeitet seit zehn Jahren im Archiv

Bereits seit zehn Jahren arbeitet Motz im Archiv der Stadt mit und wie bereits sein Vorgänger Zellner ist auch er mit Leidenschaft bei der Sache.

Voller Einsatz war in den letzten Monaten gefragt, denn es musste der Umzug des Archivs vom Dachgeschoss der ehemaligen Knabenschule in das sanierte Stadlmannanwesen, dem ältesten Gebäude der Stadt und damit das ideale Domizil für die geschichtsträchtigen Akten und Archivalien, gemeistert werden.

Neues Rolllager mit 32 Regalen im Stadlmannanwesen

Diese lagern nun im neuen Rolllager mit 32 Regalen, in dem 11000 Leitzordner oder 2300 Archivkartons Platz finden. „920 Regalmeter stehen für die Akten der Stadt und der ehemaligen Gemeinden sowie für die Akten der Spitalstiftung zur Verfügung – genug Platz auch für die Zukunft“, ist sich Motz sicher.

Nachdem das Rolllager am Stadlmannanwesen als erster Bauabschnitt im Frühjahr 2022 fertiggestellt war, begann der Umzug der unzähligen Akten. 35 Kartons wurden von Motz vollgepackt und von den Mitarbeitern des Bauhofs in die neuen Räumlichkeiten transportiert. Dann hieß es für Motz auspacken und sortieren, ehe es wieder von vorne losging.

Über 200 Kartons für den Umzug ins neue Archiv

Nach einem Jahr intensiver Arbeit waren es schließlich über 200 Kartons bis das alte Archiv im Dachboden vollends leergeräumt und alles in die neuen Regale einsortiert war.

Im ehemaligen Wohnzimmer des Stadlmannhauses wurde das Büro des Archivpflegers eingerichtet, das modern mit zwei Bildschirmen, Farblaserdrucker, DIN-A4-Scanner, DIN-A3-Scanner und Telefon ausgestattet ist. „Das war auch nötig, denn das Archiv soll digital werden“, sagt Motz. So soll im laufenden Jahr eine neue Archivierungssoftware angeschafft werden, in der mehr Daten zu einem Themenbereich eingegeben werden können.

Digitalisierung der Dokumente ist geplant

So werden Querverbindungen sichtbar, ohne lange danach suchen zu müssen. Motz ist es ein wichtiges Anliegen, alle Unterlagen zu digitalisieren. „Papier ist nicht ewig haltbar, vor allem, wenn es falsch gelagert war.“ Auch die Archivalien der Stadt und die der Gemeinden wurden im Lauf der Jahrhunderte sicher nicht immer an idealen Plätzen aufgehoben. Dies zeigt sich, als Josef Motz einige der Kartons öffnet. Die Seiten der aufbewahrten Beschlussbücher sind vergilbt und beim Blättern ist höchste Vorsicht geboten.

„Von 1652 bis 2005 liegen bis auf wenige kleine Lücken alle Rechnungen vor“, sagt Motz. „Die Finanzen der Stadt sind eigentlich lückenlos vorhanden.“ Anders sieht es allerdings in den ehemaligen Gemeinden Freystadts aus.

Historische Fotos werden immer gesucht

Hier ist in den Regalen der einzelnen Orte noch jede Menge Platz für weiteres geschichtsträchtiges Material. „Wir sind immer auf der Suche nach historischem Material, vor allem auch nach Aufnahmen von Gebäuden und besonderen Ereignissen – auch in Freystadt selbst“, sagt Motz. „Das Archiv ist das Gedächtnis einer Gemeinde. In den Archivalien spiegeln sich politische, wirtschaftliche und soziale Zustände, aber auch so manches persönliche Schicksal wider.“

Das Stadtarchiv habe zwar keine festen Öffnungszeiten, Termine könnten aber jederzeit vereinbart werden, sagt Motz. Dies könne per E-Mail unter archiv@freystadt.de oder unter Telefon (09179) 9490500 geschehen. „Wer also das Stadtarchiv besuchen möchte, sollte sich einfach melden“, bietet Motz an.