Einmal Döner mit allem – und Inflation: So halten es Gastronomen in Kelheim mit den Preisen

Mehrwertsteuer und Teuerung: So blicken Kelheimer Wirte und Imbissbetreiber aufs neue Jahr.
Baho’s Kebap im Kelheimer Donaupark ist ein typischer Dönerimbiss – nur dass Inhaber Bahadir Kutlu den Döner am liebsten von der Karte streichen würde. Der lohne sich kaum noch. Im neuen Jahr hat er den Preis erhöht, von 6 auf 6,50 Euro. „Musste“, betont Kutlu. „Wir werden gezwungen.“ Sein Steuerberater habe ihm gar zu einer Erhöhung auf 7,50 Euro geraten.
Kutlu ist kein Einzelfall. Zahlreiche Wirte im Kreis Kelheim brüten dieser Tage über ihren Speisekarten oder haben die Preise schon erhöht. Ein Grund: Der Mehrwertsteuersatz für Speisen, die man im Restaurant verzehrt, liegt seit 1. Januar wieder bei 19 statt sieben Prozent. Der zuvor niedrigere Satz sollte Wirte während Corona entlasten.
In Gundelshausen geht der Beilagensalat extra
Manuel Kellner vom gleichnamigen Gasthof in Gundelshausen setzt um, was er im Dezember in unserer Zeitung angekündigt hatte: Statt die Preise für einzelne Gerichte anzuheben, ist der Beilagensalat nicht mehr inkludiert, sondern muss dazugekauft werden. Ein Schweinebraten mit Beilagensalat kostete zuvor 13,50 Euro, im neuen Jahr kostet beides 17,50 Euro, sagt Kellner. Matthias Schneider vom Brauereigasthof Schneider in Essing befindet sich bis Ende Februar noch im Betriebsurlaub – dann aber will er die Preise um 15 bis 17 Prozent anheben. „Da bleibt kein Cent bei uns“, verspricht er. Sandra Schmid vom Gasthof zur Post in Riedenburg kündigt eine Erhöhung im zweistelligen Prozentbereich an, die nach dem Betriebsurlaub im Februar greifen soll.
Das sagt Kelheims Dehoga-Sprecher Thomas Wieser
Thomas Wieser, Wirt im Weissen Bräuhaus Kelheim und Kreissprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, hat die Preise noch nicht verändert. „Die sind noch genau so wie am 31. Dezember“, sagt er. Ein Schweinebraten koste nach wie vor 13,90 Euro. Denn: Kalkulieren wolle er erst in einigen Wochen, wenn klar wird, wie sich die verschiedenen Preissteigerungen auswirken: „Wenn die Rechnungen auf dem Tisch liegen und man schauen kann: was habe ich im vergangenen Jahr gezahlt, was zahle ich heuer.“
Ähnlich schaut es im Gasthaus in der Heide in Saal aus: Noch bis Samstag ist Betriebsurlaub, danach müssen die Preise angehoben werden, sagt Wilma Reither. Um wie viel, müsse man erst noch sehen.
Der neue Mehrwertsteuersatz in der Gastro ist nämlich nur ein Aspekt unter mehreren. So sind zum neuen Jahr die Mautgebühren, der Mindestlohn und der CO2-Preis gestiegen. Schon im vergangenen Jahr warnten Branchensprecher, dass sich dies auf die Einkaufspreise der Gastronomen auswirken würde. Sandra Schmid fasst zusammen: „Erzeuger, Verarbeiter und Auslieferer schlagen drauf“ – für die Gastro bedeute das: „Die Preise müssen steigen“.
Bahadir Kutlu: Alles wird teurer
Kutlu rechnet vor, wie sich seine Kosten in den vergangenen zwei, drei Jahren erhöht haben: Alufolie im Viererpack von 16 auf 28 Euro. Das 2000er-Pack Dönertüten von 12 auf fast 20 Euro. Allein das „Schneideding“ vorne am elektrischen Dönermesser koste 40 Euro. Dazu kommen die Arbeitskräfte, die Salat schneiden, Brot backen, Döner füllen und am Abend den Grill blitzeblank putzen.
Immer wieder musste Kutlu daher die Preise erhöhen. Als er vor 17 Monaten im Donaupark eröffnet hatte, verlangte er noch 5,50 Euro. Zwischenzeitlich musste er auf 6 Euro erhöhen. Zum Schülerdöner gab es anfangs eine Cola gratis dazu, mittlerweile müsse er 1,50 Euro dafür verlangen.
Preiserhöhungen sind zudem keine Kleinigkeit. Rund 5000 Euro werde die derzeitige ihn kosten, vermutet Kutlu: Neue Flyer müssen gedruckt und verteilt werden. Alleine der Mann, der die Kasse umprogrammiert, schlage mit 800 bis 900 Euro zu Buche. Nicht nur Kutlu fragt sich nun, wie es weitergeht. Vor allem: Was sind Gäste noch bereit, zu bezahlen? Andernorts ist die Inflation am Dönerspieß bereits weiter fortgeschritten: In Regensburg oder München sehe man schon Dönergeschäfte, die 8 oder 9 Euro verlangen, so Kutlu. „Aber 8 Euro für einen Döner kann ich mir in Kelheim nicht vorstellen“, sagt er.
Werden Stammgäste murren?
Laut einer repräsentativen Umfrage der dpa lehnt eine Mehrheit der Deutschen die Erhöhung der Mehrwertsteuer ab, viele wollen weniger oder gar nicht mehr ins Restaurant gehen (siehe Info unten). Fragt man Kelheimer Gastronomen, ergibt sich ein gemischtes Bild: Manuel Kellner hat seine neuen Preise an Neujahr bereits getestet, Beschwerden habe es keine gegeben. Matthias Schneider vermutet, dass Stammgäste murren könnten, Touristen dürfte es eher egal sein. Kutlu hingegen sagt, dass bei manchen Gästen die Schmerzgrenze schon länger überschritten sei. Er erzählt von einem Rentner-Ehepaar, das früher drei- bis viermal in der Woche kam, mittlerweile nur noch etwa alle zehn Tage. Ihn stört: Alles werde teurer, aber die Löhne blieben gleich: „Die Gäste haben nicht mehr Geld in der Tasche.“
Das sieht auch Sandra Schmid aus Riedenburg so. Dabei sei ein Restaurantbesuch nicht Luxus, sondern bedeute Kultur und Geselligkeit. Sie findet: „Ein Essen beim Wirt sollte sich jeder mal leisten können.“
Das sagen die Gäste
Umfrage: Verbraucher wollen nach der Steuererhöhung seltener ins Restaurant – das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Instituts Yougov für die Deutsche Presseagentur. 69 Prozent der über 2000 Befragten lehnten die Anhebung der Mehrwertsteuer demnach ab, nur 14 Prozent befürworteten sie. Unter denen, die die Maßnahme ablehnen, überwog mit jeweils rund 70 Prozent die Sorge, dass die Preise steigen und dass viele Restaurants die Erhöhung nicht verkraften und am Ende schließen.
Konsequenz: Viele wollen künftig seltener ins Restaurant gehen oder dort weniger ausgeben. 44 Prozent der Befragten gaben an, nach der Erhöhung zum Jahreswechsel ihr Verhalten mit Blick auf Restaurantbesuche ändern zu wollen. 68 Prozent derer, die ihr Verhalten ändern wollen, gaben an, dann seltener Essen zu gehen. 25 Prozent wollen sogar ganz auf Restaurantbesuche verzichten.
Sparen: Jeweils mehr als 20 Prozent der Befragten wollen auf günstigere Restaurants ausweichen, billigere Gerichte bestellen oder beim Trinkgeld sparen, zum Teil zusätzlich zu selteneren Restaurantbesuchen. Von den 37 Prozent, die nichts ändern wollen, gab gut die Hälfte an, schon bisher kaum oder nie essen zu gehen.