Silber- und Perlsee bei Waldmünchen haben die Hälfte des Wassers zurückgehalten

Von Martin Hladik · 5. Januar 2024 um 11:00

„Erheblich zum Hochwasserschutz beigetragen“ haben der Perl- und der Silbersee bei Waldmünchen und Treffelstein. Das sagt Philipp Wolf (30). Er ist beim Wasserwirtschaftsamt in Regensburg seit Mitte Dezember für den Landkreis Cham zuständig. Das Weihnachts- und das jetzt gerade auflaufende Neujahrshochwasser waren quasi sein Einstand im Amt.

Auf unsere Nachfrage hat er nachgerechnet: Die beiden Speicherseen haben etwa nur die Hälfte des Wassers abgegeben, das in sie eingelaufen ist. Und sie hätten noch viel Platz für weiteres Wasser. Der Perlsee steht bei 52 Prozent seines Hochwasser-Stauvolumens und der Silbersee liegt bei 48 Prozent. In Metern ausgedrückt stieg der Seepegel am Silbersee in der Spitze um rund 1,80 Meter, beim Perlsee um rund drei Meter. Das derzeit im Rückstau der Seen große Wasserflächen überschwemmt sind, ist dabei sozusagen Sinn der Übung. Der Stauraum der Seen wird allmählich gefüllt und ebenso allmählich wieder abgelassen.

Aber auch die großen Überschwemmungsflächen zum Beispiel bei Ast und Kritzenast sind sozusagen gewollt, denn sämtliches Regenwasser können in den beiden Stauseen nicht zurückgehalten werden, sonst würden sie in kürzester Zeit volllaufen und ihre bremsende Funktion verlieren.

Die Flut der Schwarzach kontrollieren

Der Zusammenfluss der Bayerischen und Böhmischen Schwarzach bei Kritzenast sei ein wichtiger Ort für die Wasserwirtschaftler, berichtet Wolf. Hier könnten die Betriebsleiter der Seen beobachten, wie sich das Hochwasser sich auswirke. Dieser Eindruck zusammen mit den Prognosen für den nachfolgenden Niederschlag und dem schon vorhandenen Stauvolumen im See, beeinflussen wie viel Wasser man ablasse. Das sind am Silbersee aktuell 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und damit deutlich weniger als bei einem alle Jahre vorkommenenden Hochwasser. Nur beim starken Zulauf über die Weihnachtstage wurde zeitweise die Menge eines normalen Hochwassers erreicht.

Beim Perlsee bei Waldmünchen musste über die Weihnachtstage zeitweise die Menge eines 2-jährigen Hochwassers abgelassen werden. Derzeit läuft mit 4,4 Kubikmetern in etwa die Menge eines jährlichen Hochwassers ab.

„Wir gehen ins Risiko!“

„Prognosen sind immer schwierig. Wir gehen ins Risiko“, sagt Wolf über die Entscheidung wie viel Wasser man anstauen kann und wie viel man ablasen darf. Über die Weihnachttage, als das Hochwasser besonders drängte, habe er mit den Betriebsleitern vor Ort zweimal täglich beraten, was zu tun sei. Die Wassermenge, die man laut Genehmigung hätte ablassen dürfen, sei um mehr als ein Viertel unterschritten worden. Man habe also versucht, die Überschwemmung klein zu halten. Wichtigstes Ziel sei es immer, bebaute Flächen möglichst zu schützen. Sogar die Jahreszeit spiele bei den Entscheidungen eine Rolle. Im Winter würden die Auen nicht landwirtschaftlich genutzt und deswegen richte eine Überschwemmung in dieser Zeit hier weniger Schaden an.

Der Perl- und der Silbersee würden noch komplett per Hand gesteuert, berichtet Wolf. Der Drachensee bei Furth dagegen sei sowohl per Hand als auch komplett digital zu steuern. Obwohl er die Digitalisierung sehr hoch schätze, sei er froh, dass es gerade im Hochwasserfall Menschen gebe, die das übernähmen. In diesem Zusammenhang war es Wolf ein Bedürfnis seinen Kollegen für die gute Zusammenarbeit zu danken.

Die dichte Mitte im Damm

Bei der derzeitigen Hochwassersituation in Norddeutschland hört man immer wieder das Deiche durchweichen können und dann undicht werden. Wir haben deswegen auch Wolf gefragt, ob dies bei einem Damm auch möglich sei. Die klare Antwort: „Das kann nicht passieren!“ Zwar seien die Deiche wie auch der Damm an den beiden Stauseen aus Erde, aber beim Damm gebe es in der Mitte eine Dichtschicht aus einem wasserundurchlässigen Material. Auch bei einem Damm falle Sickerwasser an, aber das werde in Kontrollschächten aufgefangen und genutzt, um den Zustand des Damms ständig kontrollieren zu können.

Von der Brücke am Perlsee ist derzeit in Richtung Höll/Tschechien eine riesige Wasserfläche zu sehen. Foto: Martin Hladik
Philipp Wolf ist beim Wasserwirtschaftsamt neuer Abteilungsleiter für den Landkreis Cham Foto: Wolf
Der Rundweg am Silbersee ist derzeit im Hochwasser versunken. Foto: Hladik